Im Eiscafe Dolomiti auf der Marktstätte gehören sie zu den letzten Gästen an diesem Tag: Nicole Huber und Evi Gamper aus Scherzingen in der Schweiz haben den Spätnachmittag in Konstanz verbracht und schließen ihn gegen 18 Uhr mit Espresso für die Freundinnen und Eis für die Kinder ab. Zweck des Aufenthalts: „Die Kinder durften sich Geburtstagsgeschenke aussuchen“, sagt Nicole Huber.

„Das Flanieren in der Altstadt hat uns gefehlt“, ergänzt sie, „ein wenig südliches Flair“. Die beiden Frauen zahlen, es ist Zeit zu gehen, die Regenwolken sind dunkel. Die beiden Familien sind mit dem Rad da, zur Verkehrsbelastung der Stadt Konstanz wollten sie nicht beitragen.

Abends ist deutlich weniger los

Das trübe Wetter und viele Schweizer, die Konstanz bereits am Mittag und frühen Nachmittag besuchten: Das dürften die Gründe sein, warum sich am Abend die Zahl der Gäste aus dem Nachbarland in Grenzen hielt.

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Mittags aber lief es vielerorts gut: Etwa 30 Prozent der Mittagsgäste seien Schweizer gewesen, die meisten aus dem Thurgau, berichtet Simisa Skugor, Kellner in den Konzilgaststätten. „Viele sind Stammgäste, die sich sehr über die Grenzöffnung gefreut haben“, sagt er. „Für einen Montag lief es gut“.

Freude über alle Gäste – speziell jene aus dem Nachbarland

Am Il Boccone an der Bodanstraße ist die Außengastronomie nur spärlich besetzt. Trotzdem, die Stimmung ist gut, der Chef begrüßt so viele Gäste wie möglich persönlich. „Es tut gut, dass der Thurgau, unser Hinterland, wieder da ist“, sagt Thomas Weber. Er bestätigt die Zurückhaltung der Eidgenossen: „Viele denken, dass hier heute die Hölle los ist und sind deswegen noch nicht gekommen“.

Brigitte und Toni Hofstetter aus Aargau und Silvia und Christian Schindler aus Glarus sind dafür für eine Woche hergekommen – nach Kreuzlingen. Eigentlich wollten sie ihren Urlaub an der Ostsee verbringen, doch den hätten sie storniert, berichtet Brigitte Hofstetter.

Fröhliche Runde im Il Boccone: Silvia Schindler, Brigitte und Toni Hofstetter und Christian Schindler machen Urlaub in Kreuzlingen und Konstanz
Fröhliche Runde im Il Boccone: Silvia Schindler, Brigitte und Toni Hofstetter und Christian Schindler machen Urlaub in Kreuzlingen und Konstanz | Bild: Wagner, Claudia

Nun verbringen die beiden Paare so manchen Abend in Konstanz und genießen die neue Gastfreundschaft. „Ich habe das heute gespürt, es war eine besondere Atmosphäre in der Stadt“, sagt Toni Hofstetter. Und Christian Schindler ergänzt: „Man hört oft, dass der Schweizer Tourismus den Konstanzern lästig sei. Den Eindruck hatten wir heute nicht. In den Geschäften hat man uns herzlich begrüßt und bei uns bedankt.“

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Thomas Weber bestätigt das: Dass die Schweizer wieder da seien, sei für sein Restaurant und viele andere überlebensnotwendig. Es fehlten auch etliche andere Gäste – die Studierenden mit ihren Eltern, ältere Personen, die immer noch vorsichtig seien – doch die Schweizer machten etwa ein Drittel der Besucher aus.

Auch im Restaurant Pinocchio überwiegt der Optimismus, obwohl am frühen Abend längst nicht alle Tische besetzt sind. „Noch ist zu wenig Publikum da“, sagt Chefin Sylvia Canestrini, „doch von den anwesenden Gästen sind etwa die Hälfte Schweizer.“

Konstanzer halten sich noch zurück

Die Konstanzer verhielten sich noch zurückhaltend, deshalb sei sie umso erleichterter darüber, dass die Grenze wieder offen ist. „Das ist eine sehr große Freude und sehr wichtig für uns“, sagt sie. „Wir haben schon gelitten.“

Nino Sidoti zerteilt seinen Fisch, es ist die Vorspeise. „Seit Januar bin ich zum ersten Mal hier“, sagt der Stammgast aus Kreuzlingen. Er ist persönlich mit dem Wirtepaar bekannt und oft Gast im Pinocchio.

Gediegene Atmosphäre im Pinocchio. Auch hier ist die Freude groß: Wirt Maurizio Canestrini mit seinem Gast aus Kreuzlingen Nino Sidoti.
Gediegene Atmosphäre im Pinocchio. Auch hier ist die Freude groß: Wirt Maurizio Canestrini mit seinem Gast aus Kreuzlingen Nino Sidoti. | Bild: Wagner, Claudia

In Kreuzlingen habe er sich während der Corona-Krise sehr ruhig verhalten, sei nur zu Spaziergängen und zum Einkaufen nach draußen. „Deshalb habe ich mich so gefreut, wieder auszugehen, Konstanz zu genießen.“

Ähnlich sieht es Björn Groß aus Tägerwilen. „Ich wollte am ersten Tag, an dem es definitiv legal ist, hier essen gehen. Endlich darf ich wieder“, sagt er fröhlich. Es gehe ihm darum, sein Lieblingslokal zu unterstützen – auch in Kreuzlingen habe er die Gastronomen durch Bestellungen unterstützt.

Björn Groß aus Tägerwilen (links) freut sich, wieder in Konstanz zu sein.
Björn Groß aus Tägerwilen (links) freut sich, wieder in Konstanz zu sein. | Bild: Wagner, Claudia

Freunde treffen, gutes Essen, ein guter Wein – dieses Stück Luxus haben die Menschen vermisst, dies- und jenseits der Grenze. Der gegenseitige Austausch wird an diesem Abend wieder Normalität. Grenzzäune, Kontrollen und Mundschutzmasken, für ein paar Stunden jedenfalls scheinen sie beinahe vergessen.