Aufgrund des Teil-Lockdowns, der ursprünglich während des Novembers dauern sollte, geht es vielen Unternehmern schlecht. Nun wurde er bis mindestens 20. Dezember verlängert und teilweise sogar noch verschärft. Restaurants und Fitnessstudios müssen weiterhin geschlossen bleiben, der Einzelhandel sieht sich mit strengeren Regelungen konfrontiert. Betroffene sprechen über ihre Situation:

Handel: Konstanz ist besonders schwer getroffen

„Es ist in ganz Deutschland für den Einzelhandel derzeit eine prekäre Situation, in Konstanz ist es aber nochmal wesentlich drastischer als in weiten Teilen der Bundesrepublik“, sagt Peter Kolb. Er ist Geschäftsführer von Sport Gruner und im Treffpunkt, einem Zusammenschluss vieler Einzelhändler in Konstanz, organisiert.

Für Konstanzer Einzelhändler sei die Situation deshalb so dramatisch, weil der Handel sowohl von Deutschen als auch von den Schweizer Kunden lebt. Und beide Kundenstämme blieben derzeit aus.

Peter Kolb: „Das macht Null Sinn. Hat ein Einzelhändler 790 Quadratmeter Verkaufsfläche, darf er 79 Kunden einlassen, hat er 810 Quadratmeter, sind es nur noch 40.“
Peter Kolb: „Das macht Null Sinn. Hat ein Einzelhändler 790 Quadratmeter Verkaufsfläche, darf er 79 Kunden einlassen, hat er 810 Quadratmeter, sind es nur noch 40.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Die Folge: Der Umsatz sei seit dem Lockdown um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Es gebe auch in Konstanz viele Einzelhändler, die kurz vor der Entscheidung stünden, ihren Laden aufzugeben, weil sie finanziell an ihre Grenzen kommen, so Kolb.

Kaum Kunden, aber die Kosten bleiben

Andere hätten bereits aufgegeben. Denn auch wenn sich kaum Kunden in die Innenstädte verirren, bleiben die anfallenden Kosten für Strom und Mitarbeiter bestehen. Und diese müssen die Einzelhändler als Fixkosten tragen. „Die Politik vergisst uns komplett“, findet Kolb. Denn während Gastronomen staatliche Hilfe erhalten, gehen Einzelhändler leer aus. Und denen gehe es fast noch schlimmer.

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Hinzu kämen die neuen Regelungen. Kolb sagt dazu: „Das macht Null Sinn. Hat ein Einzelhändler 790 Quadratmeter Verkaufsfläche, darf er 79 Kunden einlassen, hat er 810 Quadratmeter, sind es nur noch 40.“ Mit der Verlängerung des Lockdowns gehe auch das Weihnachtsgeschäft gegen Null – für viele Einzelhändler die umsatzstärkste Zeit des Jahres.

Doch auch bei der derzeit dramatischen Lage hat Kolb Positives zu berichten. Denn der Verkauf der Treffpunkt-Gutscheine laufe so gut wie noch nie.

Viele Konstanzer Firmen hätten sich dazu entschieden, die fehlenden Weihnachtsfeiern mit einem Gutschein zu kompensieren. Rund 2500 dieser Gutscheine, die man in vielen Konstanzer Geschäften einlösen kann, seien schon bestellt worden.

Die Zukunftsängste wachsen

Eng wird es für das Geschäft „Cocon – Der Seidenladen“. „Es gibt Tage, da verkaufe ich lediglich ein paar Socken“, sagt Mitarbeiterin Ursula Schwängler. Weil Restaurants und Toiletten in der Innenstadt geschlossen sind, hätte niemand Freude am Shoppen und würden nur das Nötigste kaufen. Die Nachfrage nach Textilien sei derzeit gering.

Ihre Chefin könne derzeit gerade noch so das Personal zahlen. Doch bleibt die Lage wie bisher, sehe es schlecht aus. Obwohl sie ein positiv gestimmter Mensch sei, habe Schwängler derzeit Zukunftsängste. „Wo soll ich denn momentan einen Job finden?“, fragt sie und fügt hinzu: „Wir hoffen und beten, dass es bald wieder besser wird.“

Gastronomie: Die Mieten stehen an, aber der Umsatz fehlt

Mit Besorgnis auf die derzeitige Situation blickt auch Manfred Hölzl, zweiter Vorsitzender der Dehoga Kreisstelle Konstanz. Um die Existenz seines Betriebes macht sich der Konzil-Wirt derzeit noch keine Sorgen. Doch anderen gehe es deutlich schlechter.

Auch wenn ihnen staatliche Hilfe zugesagt wurde, komme sie für manche einfach zu spät. Denn jetzt zum Ende des Monats seien für Pächter die Mieten fällig und die müssten bezahlt werden, ob Umsatz gemacht wurde oder nicht.

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Bereits der Bleiche hatte die Krise das Genick gebrochen, sagt Hölzl. Die vom Staat versprochenen Hilfen könnten erst jetzt beantragt werden, dabei ist der November schon fast vorbei. Und auch die Möglichkeit das Essen zum Mitnehmen anzubieten, sei mehr Beschäftigungstherapie als finanzielle Hilfe.

Essen zum Mitnehmen anzubieten, lohnt sich eigentlich nicht

So sieht das auch Eugen Bücheler von Eugens Bio. Er sagt: „Das Mitnahme-Geschäft ist Pflege der Kundschaft, finanziell lohnt sich das nicht.“ Denn um sein Essen zum Mitnehmen anbieten zu können, müsse er Mitarbeiter aus der Kurzarbeit herauslassen.

Auch wenn Bücheler damit rechnet, erst im März sein Restaurant wieder öffnen zu können, will er optimistisch bleiben, auch für seine Mitarbeiter.
Auch wenn Bücheler damit rechnet, erst im März sein Restaurant wieder öffnen zu können, will er optimistisch bleiben, auch für seine Mitarbeiter. | Bild: Scherrer, Aurelia

Laufe es so schleppend weiter wie bisher, überlegt er, sein Restaurant im Dezember komplett zu schließen. Deswegen sei auch unter den Mitarbeitern die Stimmung eher durchwachsen. Doch auch wenn Bücheler damit rechnet, erst im März sein Restaurant wieder öffnen zu können, will er optimistisch bleiben, auch für seine Mitarbeiter. Deswegen blickt er bereits auf das Frühjahr und hofft, bis dahin durchzuhalten.

Fitnessstudios: Die Menschen brauchen Bewegung

Weiterhin geschlossen bleiben müssen auch die Fitnessstudios. Lars Schneider von der Spartacus Group, die das Fitnessforum im Lago betreibt, sagt, er habe grundsätzlich Verständnis für die Maßnahmen der Regierung. Er kann jedoch nicht nachvollziehen, dass Fitnessstudios geschlossen werden, wenn sich die Menschen im Lebensmittelgeschäft zusammendrängen.

Er habe in Hygienemaßnahmen investiert, durch Mitgliedererfassung sei es einfach, Infektionsketten zu verfolgen. Und musste dennoch schließen. Er findet: „Die Fitnessbranche und viele andere Einrichtungen, die über weitreichende Hygienemaßnahmen und Luftabzugsanlagen verfügen, sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“

Denn Menschen bräuchten Bewegung und soziale Kontakte. Im Fitnessstudio sei das mit der größten Sicherheit möglich. „Viele Mitglieder schreiben uns, dass sie uns vermissen“, so Schneider weiter. Weil sie dem Fitnessstudio, auch ohne die Möglichkeit regelmäßig zu trainieren, treu bleiben, habe man auch noch keine Mitarbeiter entlassen müssen. Hilfe vom Staat gebe es aber nicht.