Über die Wintermonate ist im Meersburger Restaurant Haltnau wenig los. Das kleine Lokal direkt am Bodensee lebt hauptsächlich von der Sommersaison und den zahlreichen Touristen, die in dieser Zeit nach Meersburg kommen. „Im November und Dezember kommen nur die Einheimischen“, erzählt Mandy Neumann, die das Restaurant leitet. Von Januar bis März hat das Lokal dann traditionell seine Winterpause.

Das Restaurant Haltnau in Meersburg war im Sommer noch geöffnet.
Das Restaurant Haltnau in Meersburg war im Sommer noch geöffnet. | Bild: Reiner Jäckle

Dieses Jahr wurde die Pause recht spontan „vorgezogen“. Denn coronabedingt mussten sämtliche Gastronomie-Betriebe ab 1. November schließen. Und erst am Mittwoch gab die Bundesregierung bekannt, dass die Schließung bis mindestens 20. Dezember andauert.

Eine lange Zeit, in der die Gastronomen keine Einnahmen generieren können. Die Meersburger Gastwirtin Mandy Neumann erzählt, dass sie lange über Alternativen für das Restaurant nachgedacht habe. Eine Idee sei ein Abholservice gewesen. „Aber es wären höchstens eine Handvoll Kunden, die sich zu uns auf den Weg machen würde“, vermutet sie.

Leiterin des Restaurants Haltnau, Mandy Neumann: „Wir wollen, dass unser Essen frisch auf den Teller kommt.“
Leiterin des Restaurants Haltnau, Mandy Neumann: „Wir wollen, dass unser Essen frisch auf den Teller kommt.“ | Bild: Archivbild: Jörg-Peter Rau

Aus Sicht von Neumann rentiere es sich kaum, Lebensmittel frisch zu kaufen und dann nur wenig davon zu verwerten. „Wir wollen, dass unser Essen frisch auf den Teller kommt“, betont die Gastwirtin und nennt damit einen der Hauptgründe, weshalb sie sich gegen einen Abholservice entschieden hat. Außerdem würden einige Lokale im Herzen von Meersburg diesen Service bereits anbieten und seien fußläufig besser erreichbar.

„Obwohl Weihnachtsfeiern und die Feiertage wegfallen, schädigt es uns finanziell kaum, dass wir nun frühzeitig in die Winterpause gehen mussten.“
Mandy Neumann, Restaurantleitung Haltnau

Für Mandy Neumann wäre es am einfachsten gewesen, wenn die Bewirtung im Freien weiterhin erlaubt gewesen wäre. „Wir hätten einfach Heizstrahler aufgestellt, die Corona-Regeln kontrolliert und wenigstens Kaffee und Kuchen am Wochenende draußen angeboten.“

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Restaurant Felders in Friedrichshafen bietet ab Dezember Abholservice an

Wie die Meersburger Gastwirtin hat auch Ralf Felder während des ersten Lockdowns im Frühjahr und im November komplett auf einen Abholservice verzichtet. Ab Dezember will der Koch und Inhaber des Restaurants Felders in Friedrichshafen nun aber freitags, samstags und an den Weihnachtsfeiertagen öffnen – Geld spielt dabei nur eine Nebenrolle, sagt er.

„Meine Mitarbeiter und ich vermissen die Arbeit in unserem Team“, sagt Felder im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Es ist einfach nett und tut gut, wieder zusammen zu arbeiten.“ Ein weiterer Grund: Einige Stammgäste hätten dem Gastronomen geschrieben und dabei den Wunsch nach einem Abholangebot geäußert.

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Für Ralf Felder ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um diesem Wunsch nachzukommen. Denn im Frühjahr standen beispielsweise Gerichte mit Salat und Spargel auf der Karte, im Winter sind es hauptsächlich Schmorgerichte. „Wenn wir den Salat frisch zubereiten, ist er zu Hause schon matschig und nicht mehr knackig. Den muss man direkt essen“, sagt Felder. Deswegen habe sich der Koch im ersten Lockdown bewusst gegen ein Abholangebot entschieden. Schmorgerichte hingegen können auch daheim „gut aufgewärmt“ werden.

Das Restaurant Felders an der Uferpromenade in Friedrichshafen. Ab Dezember bietet Inhaber Ralf Felder freitags und samstags Gerichte zum Mitnehmen an.
Das Restaurant Felders an der Uferpromenade in Friedrichshafen. Ab Dezember bietet Inhaber Ralf Felder freitags und samstags Gerichte zum Mitnehmen an. | Bild: Archivbild: Andreas Ambrosius

Nun steckt Ralf Felder fleißig in den Vorbereitungen, damit er am 4. Dezember seine ersten Kunden wieder bedienen kann. „Zum Beispiel setze ich Saucen auf und organisiere einen kleinen Drive-In, weil es bei uns keinen Parkplatz direkt am Restaurant gibt. Dann können wir den Kunden die Gerichte direkt ans Auto bringen.“

„In anderen Ländern bekommt die Gastronomie keine Unterstützung. Ich denke, wir können uns wirklich nicht beklagen.“
Ralf Felder, Koch und Inhaber Restaurant Felders

Auf die Hilfsgelder vom Staat ist Felder derzeit nicht zwingend angewiesen. Er habe im Sommer gut gewirtschaftet und warte nun ab. „Wir können die Prozesse ohnehin nicht beschleunigen“, sagt er und schmunzelt. Der Koch betont, dass er Respekt davor habe, was den Gastronomen in Deutschland alles ermöglicht wird.

Nach Umbauarbeiten gibt es wieder ein Mitnehm-Angebot beim Ochsen in Überlingen

Auch der Überlinger Gastronom Lukas Waldschütz ist dankbar, dass es Corona-Hilfsgelder für ihn und seine Kollegen in der Branche gibt. Doch er wünscht sich verlässliche Regeln. „Wir haben lange zurückgesteckt, ohne ein Murren. Aber für keinen von uns lohnt es sich, nur eine Woche über Weihnachten zu öffnen. Dafür ist der Aufwand zu groß, der dahinter steckt. Wir müssen langfristig planen können“, fordert der Inhaber des Überlinger Hotels und Restaurants Ochsen. Nur eine Woche um die Weihnachtsfeiertage herum zu öffnen, hält Waldschütz für schwierig.

„Es ist nicht einfach, für wenige Tage die Lebensmittel zu planen. Am Ende würden wir wahrscheinlich sehr viel wegschmeißen. Und das ist schade.“
Lukas Waldschütz, Hotel-Restaurant Ochsen

Im November hatte Waldschütz sein Restaurant komplett geschlossen. Er nutzte die Zeit für anstehende Umbauarbeiten. Ab Dezember bietet das Restaurant Ochsen wieder einen Abholservice für seine Kunden an. „Wir haben im Frühjahr gute Erfahrungen damit gemacht und werden in der Mittagszeit wieder zwei Tagesgerichte zubereiten“, sagt Waldschütz.

Lukas Waldschütz, Hotel-Restaurant Ochsen: „Könnten wir normal öffnen, wäre es natürlich lukrativer.“
Lukas Waldschütz, Hotel-Restaurant Ochsen: „Könnten wir normal öffnen, wäre es natürlich lukrativer.“ | Bild: Hanspeter Walter

Der Gastronom betont aber auch, dass der Umsatz durch dieses Mittagsgeschäft in keiner wirtschaftlichen Relation steht. „Könnten wir normal öffnen, wäre es natürlich lukrativer. Besonders die Getränke machen einen Großteil des Umsatzes aus und die werden in der Mittagspause ja nicht einfach dazu bestellt.“ Dennoch sei es für ihn und seine Mitarbeiter schön, trotz Corona-Zwangspause immerhin eine kleine Beschäftigung zu haben.

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