Zu Corona-Zeiten hat die Vorstellung besonderen Charme: Ein Stadion in Seenähe, von Wald umgeben, in dem man große Konzertveranstaltungen organisieren kann. Die Ansteckungsgefahr ist draußen wesentlich geringer. Aktuell findet im Bodenseestadion die Sommerwiese statt – veranstaltet von der Blechnerei, der Veranstaltungsagentur Bonanza und J+C Veranstaltungstechnik. Während Diskotheken und Clubs geschlossen bleiben müssen, soll die Veranstaltungsreihe die Konstanzer im Corona-Sommer ansprechen.

Hier haben die Veranstalter Kreise auf den Stadionrasen gezeichnet, damit die Zuschauer die Corona-Abstände einhalten.
Hier haben die Veranstalter Kreise auf den Stadionrasen gezeichnet, damit die Zuschauer die Corona-Abstände einhalten. | Bild: Wagner, Claudia

Die Zufahrt ist schon lange ein Problem

Doch wie geeignet ist das Bodenseestadion für solche oder auch größere Auftritte? Schon vor vielen Jahren wurde das Bodenseestadion für große Open-air-Konzerte genutzt, beispielsweise für „Rock am See„. „Schon damals hatten die Veranstalter Probleme, ins Stadion zu kommen“, sagt FDP-Stadtrat Heinrich Everke. Vom Parkplatz des Hörnle-Strandbads aus gebe es keine Zufahrt ins Stadion.

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Die Pläne wurden immer wieder verschoben

Pläne, das Stadion für Veranstalter attraktiver umzubauen, gibt es schon lange, nur wurde die Umsetzung immer wieder verschoben. Frank Schädler, Leiter des Amts für Bildung und Sport, weist auf den Sanierungsbedarf des Stadions hin. Zudem erkenne die Stadtverwaltung, dass in ihm ein Potenzial als Veranstaltungsstätte steckt.

Kulturveranstalter und Sportvereine melden Ansprüche an

Veranstalter größerer Freiluftevents hätten immer wieder Ideen eingebracht, wie die Nutzung des Stadions verbessert werden könnte. Allerdings verwiesen Sportvereine, die es nutzen, auch auf die sportliche Bedeutung. Die Stadt verfolge daher das Ziel, das Areal so zu entwickeln, dass das Stadion als Sondersportanlage und als kulturelle Stätte genutzt werden könne, so Schädler.

Eine der Veranstaltungen der Sommerwiese: eine Operngala der Südwestdeutschen Philharmonie (hier im Bild Massimo Giordano und Barbara Frittoli).
Eine der Veranstaltungen der Sommerwiese: eine Operngala der Südwestdeutschen Philharmonie (hier im Bild Massimo Giordano und Barbara Frittoli). | Bild: Scherrer, Aurelia

Nur: Ist das überhaupt möglich? Dieter Bös, Geschäftsführer bei Kokon, der mit „Rock am See„ die meisten Erfahrungen mit Großveranstatungen im Stadion gesammelt hat, äußert großes Interesse an einer Umgestaltung. „Es muss nicht die Berliner Waldbühne werden, aber an solche Vorbilder denke ich schon“, legt Bös eine mögliche Messlatte.

Am Rande der Tartarnbahn stehen im Moment die Verkaufsbuden, die für die Konzertveranstaltungen genutzt werden
Am Rande der Tartarnbahn stehen im Moment die Verkaufsbuden, die für die Konzertveranstaltungen genutzt werden | Bild: Wagner, Claudia

Seine Vorstellungen, wie das Stadion modernisiert werden müsste, sind konkret. Die Südtribüne müsste aus seiner Sicht abgetragen werden und „die Tartarnbahn müsste weg“. Sie sei problematisch, weil sie bei Veranstaltungen für viel Geld überbaut werden müsse. Zudem wünscht sich Dieter Bös einen Ausbau der sanitären Anlagen im Hörnle-Bad, sodass sie auch fürs Stadion nutzbar wären. Eine Nordzufahrt wäre ebenfalls nötig, damit die Zufahrt für Rettungsdienste leicht möglich sei. Abschließend nennt Bös eine stationäre Stromversorgung als Wunsch.

Kay Brüggemann, der momentan an der Veranstaltungsserie Sommerwiese beteiligt ist, sieht das Stadion ebenfalls als privilegierten Standort. „Es gibt sonst kaum eine Lokalität, wo man eine größere Veranstaltung corona-gerecht organisiert“, sagt er. Bei den Veränderungen stimmt er mit Bös überein: Es gebe zu wenige sanitäre Anlagen und zu wenig Quellen für Starkstrom. „Auch eine Grundbeleuchtung fürs Stadion wäre gut“. Ebenso fehle es an Stellplätzen, da man den Parkplatz des Strandbads als Notfall-Sammelstelle ausweisen müsse. „Ich bin dafür, dort neu zu gestalten, aber man müsste es intelligent lösen“, sagt Brüggemann.

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Am Rande der Tartarnbahn stehen im Moment die Verkaufsbuden, die für die Konzertveranstaltungen genutzt werden
Am Rande der Tartarnbahn stehen im Moment die Verkaufsbuden, die für die Konzertveranstaltungen genutzt werden | Bild: Wagner, Claudia

Ümit Dagdelen veranstaltet seit 2015 das Gute-Zeit-Festival im Bodenseestadion und hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Die hohen Kosten, die der Veranstalter dort hat, reduzieren die Wirtschaftlichkeit“, erläutert er. Da die Uhrzeit, bis zu der eine Veranstaltung dauern dürfe, begrenzt sei, könne man nur in bestimmtem Rahmen Einnahmen durch Getränkeverkauf erwirtschaften.

Hohe Kosten durch fehlende Infrastruktur

Dagegen seien die Kosten, die man im Stadion habe, recht hoch. Vor allem das Material, das man für den Schutz der Tartarnbahn brauche, müsse für viel Geld hertransportiert werden. „Besser wäre, wenn das Material vor Ort wäre“, sagt Dagdelen. Immerhin plädiert er nicht wie Bös gleich für den Abriss der Tartanbahn.

TVK: Tartarnbahn muss erhalten bleiben

Rainer Neff, Vorsitzender des TV Konstanz, macht hingegen deutlich, dass auch die Sportler nicht aus dem Stadion verwiesen werden wollen. „Das Bodenseestadion ist eines von wenigen wettkampftauglichen Stadien in Südbaden“, sagt er. Beim TVK nutzten es die Leichtathleten, so hätten sie sich etwa für die Austragung der Baden-Württembergischen Meisterschaften 2021 beworben. Zudem fänden etwa vier Trainingseinheiten der Leichtathleten pro Woche im Stadion statt. Darüber hinaus biete es die Kulisse für den Zieleinlauf des Frauenlaufs. Neff: „Die Wettkampfbahnen müssen in jedem Fall erhalten werden.“

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