Stetig steigende Mietpreise und Familien, die trotz guten Einkommens aus Konstanz ins Umland ziehen, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden: Viele Konstanzer sind der Meinung, dass dieser Zustand nicht so bleiben darf. Welche Konzepte haben die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters zur Schaffung von Wohnraum? Und wie realistisch sind sie?

Andreas Hennemann

Bild: Lukas Ondreka

Als Ziel hat sich Hennemann gesetzt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Anzustreben, dass die Mieten in Konstanz sinken, das sei aus seiner Sicht unrealistisch, sagt er.

  • Wie will er das erreichen? Hennemann, SPD-Mitglied und unterstützt von der SPD, wird in seinem Programm konkret. Zum einen soll eine gemeinnützige Stiftung gegründet werden mit dem Zweck, Grundstücke zur Verfügung zu stellen, auf denen bezahlbarer Wohnraum errichtet werden soll. Zum Beispiel hätten Vermögende die Möglichkeit, ihr Grundstück an die Stiftung zu vererben. Ein zweites Instrument ist ein Bodenfonds. Konstanzer können in diesen investieren, mit dem Geld sollen wiederum Grundstücke erworben werden. Im besten Fall erhält jeder Bürger, der investiert, eine Rendite. Doch auch dabei steht der Zweck, spekulationsfreien Wohnraum zu schaffen, im Vordergrund. Eine weitere Idee Hennemanns ist es, dass Arbeitgeber verpflichtet werden, Wohnraum für Mitarbeiter zu schaffen oder dafür Belegrechte bei der Wobak einkaufen. Damit wäre die Wobak handlungsfähiger.
  • Bewertung: Andreas Hennemann hat sich umfassend Gedanken gemacht und legt konkrete Vorschläge vor. Das wird der Dimension des Themas gerecht. Hennemann liefert zudem neue Anregungen zur Finanzierung von bezahlbarem Wohnraum, die bedenkenswert sind. Fraglich ist, ob mithilfe dieser Anregungen der Bedarf rasch gedeckt werden könnte.

Uli Burchardt

Bild: Lukas Ondreka

Ein klares Ziel formuliert der Amtsinhaber zumindest auf seiner Homepage nicht. Er verweist aber darauf, wie viele Wohnungen mithilfe der Wobak in seiner Amtszeit errichtet wurden: „Wir haben in den letzten acht Jahren rund 2700 Wohnungen gebaut, einen großen Teil davon im geförderten und im mittleren Preissegment.“

  • Was hat er konkret vor? Das Handlungsprogramm Wohnen sei die richtige Antwort, schreibt Burchardt auf Nachfrage des SÜDKURIER, müsse aber weiterentwickelt werden. Zwei Neubaugebiete, das Döbele und der Hafner, sollen der Spekulation entzogen werden, indem ausschließlich Baugruppen, Genossenschaften und Konstanzer dort bauen dürfen. „Für viele Menschen mit normalem Einkommen wird das künftig die Alternative zum Eigentum sein.“ Die Wobak müsse für die Zukunft gestärkt werden, es brauche aber keine zweite Wohnbaugesellschaft. Sie brauche mehr Geld und Ressourcen. Konkret müsse dies aber noch politisch geklärt werden.
  • Bewertung: Burchardt, CDU-Mitglied und unterstützt von CDU, Freien Wählern und FDP, legt den Schwerpunkt klar auf die Schaffung neuen Wohnraums, nicht auf Nachverdichtung oder die Nutzung von Leerstand. Neue Ideen bringt der Amtsinhaber wenige ein, er setzt auf eine Fortsetzung seiner bisherigen Politik. Dabei kann er allerdings auf bereits Erreichtes verweisen. Auffällig ist, dass er kein Ziel formuliert – nach acht Amtsjahren weiß Burchardt, wie schwierig es ist, den angespannten Wohnungsmarkt zu beeinflussen.

Luigi Pantisano

Bild: Lukas Ondreka

Der 41-Jährige formuliert von allen Kandidaten das umfassendste Ziel. „Ich möchte, dass die Mieten in Konstanz wieder sinken“, schreibt er auf seiner Homepage. Erst auf Nachfrage räumt er ein, dass es um ein langfristiges Ziel geht, das nicht innerhalb einer Amtszeit zu erreichen sei. Zudem sagt Pantisano, dass die Mieten von Wobak-Wohnungen nicht mehr erhöht werden dürften.

  • Wie will er das Ziel erreichen? Er schlägt ein dreistufiges Programm vor. Als rasche Maßnahmen will er eine Verringerung des Leerstands erreichen. In erster Linie durch mehr Personal in der Verwaltung, das zur Durchsetzung des Zweckentfremdungsverbots eingesetzt werden soll. Mittelfristig sollen die Möglichkeiten des Wohnungstauschs ausgeweitet werden. So gebe es viele Ältere, die sich eine kleinere Wohnung wünschten. Langfristig setzt auch Pantisano, Mitglied von Die Linke und unterstützt von Linken, Jungem Forum und Freier Grüner Liste, auf neue Ansiedlungen. Baugruppen und Genossenschaften sollten Priorität in der Nutzung der Grundstücke erhalten, alle neuen Gebäude müssten klimaneutral erstellt werden. „In Konstanz wird genügend gebaut, nur leider das Falsche“, betont er.
  • Wie soll das finanziert werden? Der Stadtplaner hält es für vertretbar, für die Finanzierung auf Kredite zurückzugreifen. Insbesondere sollten Förderprogramme genutzt werden bei Neubaugebieten. Konkret nennt er den Green New Deal der EU. Um die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erhöhen, müsste Konstanz attraktiver für innovative Technologieunternehmen werden, so Pantisano. Und der Verzicht auf Mieterhöhungen bei der Wobak? Könnte die Wohnbaugesellschaft dann noch wirtschaftlich arbeiten? Ob dies denkbar sei, darüber wollte die Wobak-Geschäftsführung aus Gründen der Neutralität keine Auskunft geben.
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  • Bewertung: Ähnlich wie Hennemann hat Pantisano das Thema Wohnen umfassend beleuchtet. Anders als die anderen Kandidaten setzt er konsequent auf die Innenverdichtung. Fraglich ist, ob diese Ideen schnell genug Wohnraum schaffen könnten. Bei der Finanzierung des neu zu schaffenden Wohnraums bleibt Pantisano vage. Er formuliert das weitreichendste Ziel: dass die Mieten in Konstanz sinken sollen. Er läuft damit Gefahr, das Ziel nicht zu erreichen.

Andreas Matt

Bild: Lukas Ondreka

„Ich werde alles Notwendige tun, um Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommen zu schaffen“, beschreibt Andreas Matt auf Nachfrage sein Ziel.

  • Wie will er es erreichen? Ein konkretes Instrument, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gebe es nicht, so Matt. Er wolle urbane Wohngebiete erschließen und dort behutsam nachverdichten. Er kritisiert scharf, dass das Bückle-Areal nicht von der Stadt erworben wurde. Baugrundstücke müssten identifiziert und für den Bau von erschwinglichem Wohnraum genutzt werden. Außerdem wolle er ins Gespräch mit Eigentümern leerstehender Häuser treten, um diese aufzufordern, ihr Eigentum als Wohnraum nutzbar zu machen. Konkret nennt Matt zudem, dass freiwerdende Gewerbebauten erworben werden und in Wohnanlagen für Bürger mit unteren und mittleren Einkommen umgewandelt werden müssten.
  • Bewertung: Matt (parteilos) ist klar in der Kritik der bisherigen Wohnbaupolitik. Im eigenen Programm setzt er auf eine Mischung von Nachverdichtung und Leerstandsnutzung. Die Wobak erwähnt er in seinem Programm nicht. Die Ideen bringen wenig neue Ansätze. Zudem gibt Matt keinen Zeitraum an, in dem der bezahlbare Wohnraum geschaffen werden soll. Dabei ist er allerdings in guter Gesellschaft mit den anderen Kandidaten.

Jury Martin

Bild: Lukas Ondreka

„Es müssen weitere Wohngebiete ausgewiesen werden, so lang, bis die Mieten in Konstanz sinken“.

  • Wie will er es erreichen? Für Jury Martin (parteilos) steht die Wobak im Zentrum, mit ihrer Hilfe will er ähnlich wie Burchardt Wohnraum schaffen. Er wolle das Personal aufstocken, damit die Wobak handlungsfähiger und die Bautätigkeit erhöht werde. Zudem werde er in die Holzbauweise einsteigen, die viele Vorteile biete: Die Bauzeit werde erheblich verkürzt, da man es in Fertigbauweise erstellen könne. „Das Holzhaus hat eine top Ökobilanz.“ Er setze sich dafür ein, dass keine Wohnghettos entstünden. Martin sieht den Hafner ebenfalls als wichtigen Baustein zur Wohnraumschaffung. Parallel dazu solle ein weiteres Wohngebiet ausgewiesen werden, so dass Synergien genutzt werden können. Er betont, dass die Konstanzer durch Bürgerbeteiligung an der Ausweisung des neuen Baugebiets beteiligt werden müssen.
  • Bewertung: Jury Martin setzt bei der Wohnbaupolitik auf traditionelle Mittel wie die Einbeziehung der Wobak. Im Wesentlichen folgt er der Politik, die Uli Burchardt betreibt, der für die Zukunft weniger auf Investoren setzen will. Ähnlich wie der Amtsinhaber setzt er beinahe ausschließlich auf Neubau. Die Ideen sind nicht neu, zur Finanzierung und zum Ausmaß des benötigten Wohnraums sagt Martin wenig. Das Ziel, immer neue Wohngebiete auszuweisen, bis die Mieten sinken, ist wohl nicht erreichbar.
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