Uli Burchardt hat es geschafft: Er darf weiter als Oberbürgermeister die Stadt regieren und repräsentieren. 49,5 Prozent der Konstanzer haben ihr Kreuz bei seinem Namen gemacht. Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl! Also: Weiter so? Nein. Gerade so. Fast hätte ein Kandidat mit linkem Parteibuch ihm den Chefsessel streitig gemacht – in einer doch eigentlich eher konservativ geprägten Stadt.

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Dass dies recht knapp misslang, sollte für Burchardt ein Weckruf sein. Warum haben so viele Konstanzer Pantisano ihre Stimme gegeben? Das lag womöglich weniger an ihrer Bewunderung für den durchaus charismatischen Herausforderer – sondern an ihrer Enttäuschung von der Person Uli Burchardt.

Doch woher rührt diese Enttäuschung? In zahlreichen Gesprächen im Vorfeld der Wahl hörte man oft dieses: Dass Burchardt nicht erreichbar sei für die Bürger. Burchardt sieht sich selbst eher als den Mann hinter den Kulissen. Doch obwohl er sein Ergebnis gegenüber 2012 fast verdoppeln konnte, scheint es, als habe er damit in den vergangenen Jahren einen Teil seiner Bevölkerung verloren.

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Der Wahlkampf, sagte er, bereite ihm Freude, weil er endlich einmal wieder Zeit habe, mit den Bürgern zu sprechen. Uli Burchardt sollte sich also weniger immer wieder um die dieselben Größen aus Politik und Handel kümmern – die unzweifelhaft wichtig sind. Denn: Konstanz ist nicht nur das große Lokal in der Innenstadt und das preisgekrönte Start-Up. Konstanz ist auch der kleine Unverpacktladen um die Ecke, der Kiosk im Vorort und die Seniorin im Blarerhaus.

Im Klimaschutz steckt weiter großer Zündstoff

Nur mit Zuhören und Präsenz zeigen wird es allerdings bei den Klimaaktivisten von Fridays for Future und ihren Mitstreitern nicht getan sein. Das ist die andere Gruppe, die sich aus Enttäuschung von ihm abgewandt hat. Dabei war man auf so gutem Weg: Burchardt begeisterte und überraschte viele, als er sich auf Fridays for Future zubewegte, maßgeblich mitverantwortlich war für die Ausrufung des Klimanotstands 2019 und in überregionalen Medien begeistert von Konstanz als Klimapionierstadt sprach.

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Als es darum ging, konkret zu werden und sich zu einem Klimaziel zu bekennen, trat Burchardt in diesem Jahr auf die Bremse. Das haben ihm nicht nur Schüler und Träumer übel genommen. Sondern viele Akademiker aus dem universitären und wissenschaftlichen Umfeld. Stimmen, die in dieser so wichtigen Klimafrage in einer Universitätsstadt mehr Gehör hätten finden müssen.

Auch seine Kritiker sollten Uli Burchardt nun eine Chance geben

Und nun? Statt „Weiter so“ sollte der OB bei aller Erleichterung über die Wiederwahl nun innehalten und nachjustieren. Und diejenigen, die sich abgewandt haben, sollten ihm die Chance geben, dies zu tun. Denn am Ende des Tages eint sie doch ein Ziel: eine gute Zukunft für Konstanz.

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