Auch in einer der Kernfragen der Zukunft, beim Klimaschutz, soll es möglich sein, die politischen Profile der Kandidaten zur OB-Wahl zu vergleichen. In der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause gab es eine lange Debatte, bis wann Konstanz klimaneutral oder „klimapositiv“ werden könne.

In einem knappen Beschluss entschied die Mehrheit, dass ein Gutachten des Ifeu-Instituts über geeignete Maßnahmen, die zur Klimaneutralität führen sollen, beraten soll. Diese soll dann „schnellstnöglich“ erreicht werden, ein Datum wurde nicht genannt.

Die Initiative Konstanz klimapositiv 2030 will angesichts der OB-Wahl wissen, wie die Kandidaten zum Klimaschutz stehen. Ihre Mitglieder haben sich die Mühe gemacht, den Kandidaten vier konkrete Fragen zu stellen.

Welche drei Maßnahmen im Klimaschutz werden Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit umsetzen?

Uli Buchardt: Ich will den Energienutzungsplan von 2018 in eine verbindliche Umsetzungsstrategie bringen. Als zweite Maßnahme würde ich einen Konstanzer Klimasxchutzfonds starten, um mit kleinen und großen Geldbeträgen Klimaschutz vor Ort zu finanzieren. Drittens: ein weiterer Ausbau von Fahrradstraßen und Radstellplätzen.

Andreas Hennemann: Ein Sonnenfonds mit Beteiligungsmöglichkeit für alle Bürger. Zweitens Klimakredite für Unternehmen über die Sparkasse Bodensee. Drittens: die Einrichtung eines grünen Bands, einer zusammenhängenden Grünfläche von Sternenplatz, über den Benediktinerplatz bis Bismarckturm

Jury Martin: Die ökologisch-soziale Ausrichtung der gesamten Verwaltung vermitteln. Zweitens die Einrichtung einer Laufwasser-Turbine im Seerhein zur Stromerzeugung. Drittens: Bäume pflanzen.

Andreas Matt: Die 100 Tage nutzen, „um mir einen tiefen Einblick zu verschaffen, um dann gemeinsam unverzüglich mit den Bürgern, Verwaltung und Gemeinderat Maßnahmen mit möglichst großer Klimawirkung umzusetzen.“

Luigi Pantisano: Zunächst sollte vom Gemeinderat der Beschluss gefasst werden, bis 2030 klimapositiv zu werden. Eine erste Maßnahme wäre, die Solaroffensive voranzutreiben und einen Klimaschutzfonds einzurichten. Zweitens die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes als autofreie Begegnungszone. Drittens die Begrünung von versiegelten Flächen (zum Beispiel am Stephansplatz, auf Schulhöfen).

Wie stellen Sie die Verwaltung auf, damit sie das Vorhaben, Konstanz klimapositiv zu machen, umsetzen kann?

Uli Burchardt: Klimaschutz in direkter Zuständigkeit des OB, zusammen mit Digitalisierung. Einrichtung eines Think Tanks (Beteiligt: Wobak, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe, Stadtplanung, Bürgerbeteiligung)

Andreas Hennemann: Personelle Aufstockung zur Umsetzung der Projekte mit größter Helebwirkung. Flache Hierarchien, so dass jeder Verantwortung übernimmt. Digitalisierung der Verwaltung hat einen großen Stellenwert.

Jury Martin: Die Beteiligten in der Stadtverwaltung mitnehmen. Die Stimmung einfangen und Umsetzungs-Expertise der Verwaltung nutzen.

Andreas Matt: „Ich sehe im Moment nicht, warum ich die Verwaltung der Stadt Konstanz anders aufbauen sollte.“

Luigi Pantisano: Eigentsändiges Amt für Klima- und Umweltschutz mit eigenem Personal und finanziellen Ressourcen. Das Personal verschiedener Ämter arbeitet interdisziplinär und vernetzt. Einen Ausschuss Klima und Umwelt (plus Experten und fachkundige Bürger) soll es außerdem geben.

Wie statten Sie die Solaroffensive so aus, dass das gesamte Photovoltaik-Potenzial bis 2030 erschlossen werden kann?

Uli Burchardt: Offensiv auf Eigentümergemeinschaften zugehen; eventuell zusätzliche Förderung von PV-Anlagen.

Andreas Hennemann: Schaffung eines Sonnenfonds. Auf allen städtischen Gebäuden sollen Solaranlagen montiert werden. Außerdem sollen Eigentümergemeinschaften motiviert werden.

Jury Martin: Stadt und Stadtwerke können mit der Umsetzung beginnen.

Andreas Matt: Eine Übersicht ist nötig, wo die Installation von PV-Anlagen sinnvoll ist.

Luigi Pantisano: Stadtwerke-Personal für erneuerbare Energien wesentlich aufstocken. Hausbesitzer anschreiben, beraten und bei Anlagenfinanzierung unterstützen.

Bild: Foto am Muenster Alexander Schmidt

Wie gelingt es der Stadt, den städtischen Gebäudebestand bis 2030 vollständig zu sanieren?

Uli Burchardt: Nach meiner Einschätzung ist die Sanierung des städtischen Gebäudebestands bis 2030 nicht möglich. Ich plädiere dafür, die Sanierungsvorhaben zu priorisieren und dort zu beginnen, wo die größte Einsparung möglich ist.

Andreas Hennemann: Zuerst sollten wir ermitteln, welche Gebäude am effektivsten saniert werden müssen, dann sollten diese in dieser Rehenfolge angepackt werden.

Jury Martin: Altbausanierung ist nicht so einfach! „Andere Konzepte als die kommerzielle Sanierungsindustrie sind gefragt.“

Andreas Matt: Die Möglichkeit für energetische Quartierskonzepte und das Sanierungsmanagement sollte genutzt werden.

Luigi Pantisano: Dazu muss man Prioritäten im Haushalt verschieben.

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