Für rund 3400 Kinder in der Stadt beginnt am Montag wieder die Betreuung in den Kindertageseinrichtungen. Wegen der Pandemie durch das Coronavirus waren sie für zwei Monate geschlossen, und öffnen nun wieder vollständig.

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Doch Sabine Haag, die für die Stadt Konstanz für Tageseinrichtungen zuständig ist, warnt: Man sei noch lange nicht wieder im Normalbetrieb. Noch immer würden die besonderen Hygienevorschriften gelten.

Erzieher können sich freiwillig auf Corona testen lassen

Alfred Kaufmann, Leiter des Konstanzer Sozial- und Jugendamts
Alfred Kaufmann, Leiter des Konstanzer Sozial- und Jugendamts | Bild: Kirsten Astor/SK-Archiv

Die 870 Mitarbeiter in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege haben neu die Chance, sich zwei Mal die Woche im Testzentrum des Klinikums auf eine Infektion mit Corona überprüfen zu lassen. Dies kündigt Alfred Kaufmann an, Leiter des Sozial- und Jugendamts.

Er erwartet, dass das Infektionsgeschehen auf diese Weise eingedämmt werden kann. Es stünden Schnelltests bereit, kündigt Alfred Kaufmann an, die in einem ersten Schritt den Erziehern angeboten werden.

Seit wenigen Stunden sei eine Internetseite freigeschaltet, auf der Erzieher Termine am Testzentrum festlegen können. Der Leiter des Sozial- und Jugendamts hofft, dass dieses Angebot rege wahrgenommen wird.

Auch Lehrer sollen bald auf Corona getestet werden

Bis sich alle Konstanzer vorsorglich testen lassen können, werde noch einige Zeit verstreichen. Konstanz habe vorerst 20.000 Tests beim Land bestellt, erklärte Alfred Kaufmann.

Um auch Lehrer zeitnah testen zu können, sei eine andere Infrastruktur im Aufbau. Auf diesem Feld wollten sich Apotheker und Ärzte engagieren. Es lägen schon konkrete Angebote vor.

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Kaufmann betont, alle Erzieher, aller Kinderbetreuungen in der Stadt könnten sich ab Montag am Konstanzer Klinikum testen lassen, völlig unabhängig davon, wer der Träger der Einrichtung sei. Die Kosten übernehme das Land. Es handle sich um ein freiwilliges Angebot. Wer dieses nicht in Anspruch nehme, habe keine Konsequenzen zu fürchten.

Kaufmann hofft aber, dass sich möglichst viele beteiligen. Er hält den Test für eine „Bürgerpflicht“. Flächendeckend funktioniert das nur, wenn die Kommunen auch die Infrastruktur dafür schaffen, ist der Leiter des Sozial- und Jugendamts überzeugt. Die Stadt Konstanz sei dabei, dies zu leisten.

Bürgermeister Andreas Osner wirbt um Verständnis

Sozialbürgermeister Andreas Osner betont, dass die Kommune zwar auf diesem Feld nicht tätig sein müsste, dies aber sinnvollerweise mache, um die Probleme mit dem Coronavirus einzudämmen.

Die ganze Sozialverwaltung stöhnt unter den neuen Verordnungen des Landes. Bürgermeister Andreas Osner zeigt Papiere, durch die sich er und seine Mitarbeiter jeden Tag arbeiten müssen.
Die ganze Sozialverwaltung stöhnt unter den neuen Verordnungen des Landes. Bürgermeister Andreas Osner zeigt Papiere, durch die sich er und seine Mitarbeiter jeden Tag arbeiten müssen. | Bild: Rindt, Claudia

Die Öffnungen der Kindertagesstätten und der Grundschulen forderten die Verwaltung. „Ich kann nur um Verständnis werben. Vielleicht läuft am Anfang noch nicht alles rund.“ Osner weist darauf hin, dass die Kommune ständig auf neue Vorgaben des Landes reagieren müsse.

Haag bittet die Konstanzer Eltern um ihre Mithilfe

Sabine Haag ist bei der Stadt Konstanz für Tageseinrichtungen zuständig.
Sabine Haag ist bei der Stadt Konstanz für Tageseinrichtungen zuständig. | Bild: Eva Marie Stegmann/SK-Archiv

Sabine Haag hat Sorge, wenn sie sieht, dass anders als nach dem ersten Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Frühjahr 2020, nun das Öffnen der Einrichtungen nicht in kleinen Schritten geplant sei. „Jetzt geht es von 0 auf 150“, sagt Haag.

Sie appelliert an Eltern, die Lage in Absprache mit den Einrichtungen zu entspannen. Wer könne, solle für die ersten Tage abklären, zu welchen Zeiten es sinnvoll sei, dass das Kind in die Einrichtung komme. Manchmal sei es für alle Beteiligte besser, wenn das Kind für einige Tage nur für wenigen Stunden die Betreuung besuche.

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Rund 56 Prozent der Eltern nutzten die Möglichkeit, den Nachwuchs in die Notbetreuung zu schicken. Für die anderen Kinder aber beginne nach achtwöchiger Pause wieder der Besuch einer Kindereinrichtung. Dies erfordere einige Umstellung.

Wegen der Pandemie könne in den zehn städtischen Einrichtungen derzeit das offene Konzept nicht praktiziert werden. Die Kinder seien in Gruppen aufgeteilt, die je nach Betriebserlaubnis im Schnitt 20 bis 25 Kinder umfassten. Unter bestimmten Voraussetzungen sei sogar die Zusammenlegung von zwei Gruppen möglich.

Haag betont: Nach wie vor würden die Hygienevorschriften gelten, nach denen beispielsweise Eltern die Einrichtung entweder gar nicht oder nur mit einer Atemschutzmaske, desinfizierten Händen und auf ausgewiesenen Wegen betreten dürfen.

GEB-Vorstand: Vorschulkinder müssen unbedingt zurück

Heike Kempe vom Kita-Gesamtelternbeirat mit Tochter Jara
Heike Kempe vom Kita-Gesamtelternbeirat mit Tochter Jara | Bild: Kirsten Astor/SK-Archiv

Heike Kempe vom Vorstand des Gesamtelternbeitrats der Kindergärten begrüßt, dass dieses Mal die Notbetreuung auch Menschen offen stand, die daheim arbeiteten, sich aber parallel zu den Arbeitszeiten nicht noch um die Kinder kümmern konnten.

Im digital geführten Pressegespräch sagte Kempe: Sie teile die Sorgen der Stadtverwaltung, wenn sie auf die Öffnung am Montag blicke. Sie selbst, so berichtet Kempe, habe erlebt, wie ihre Tochter zweimal in eine Gruppe eingewöhnt werden musste, weil ihre Kita wegen des Coronavirus über Monate geschlossen war.

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Besonders wichtig sei es, die Vorschulkinder wieder zu betreuen. „Die müssen unbedingt zurück.“ Sie begrüße, dass auf freiwilliger Basis und unter Einbezug der Eltern Einrichtungen auch stufenweise hochfahren können.

Um den Kontakt mit Kindern halten zu können, die nicht in der Notbetreuung waren, hätten sich die Einrichtungen einiges einfallen lassen. So habe es beispielsweise den digitalen Morgenkreis geben, in der Kinder zu einer festen Zeit von daheim aus, zum Singen und Lauschen von Geschichten eingeladen waren.

„Das ist ein tolles Beispiel für die Kreativität der Einrichtungen“, sagte Alfred Kaufmann dazu.

Formulare zur Erstattung der Kita-Gebühr liegen bereit

Er kündigte an, dass Eltern, die die Notbetreuung nicht in Anspruch genommen haben, vom 11. Januar bis 22. Februar keine Kita-Beiträge zahlen müssten. Ein Formular, mit dem sich der Erlass der Beiträge im genannten Zeitraum beantragen lasse, liege ab Montag in den Einrichtungen aus. Kaufmann sagt weiter, dieses sollte ausgefüllt dorthin auch wieder gebracht werden.

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Eltern, die ihre Kinder nicht die ganze Zeit über in der Notbetreuung hatten, werde die Kita-Gebühr anteilig erlassen. Das Land komme für 80 Prozent der ausgefallenen Beiträge auf. Die Stadt wende rund 40.000 Euro auf, um die fehlenden 20 Prozent in allen Konstanzer Einrichtungen mit Kinderbetreuung zu decken.

Die Zeit vom 1. bis 11. Januar betrachte das Land als Schließtage, für welche die Eltern immer aufkommen müssten, erklärt Kaufmann. Grundsätzlich deckten die Elternbeiträge 12 bis 15 Prozent der tatsächlichen Kosten in einer Kindertagesstätte.