Es wird günstiger, nicht nur in Konstanz und Umgebung, sondern in ganz Deutschland. Dafür sorgen soll die Mehrwertsteuersenkung, die nun von der Bundesregierung im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets beschlossen wurde.

Demnach sinkt die Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen ab Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 beziehungsweise bei ermäßigtem Steuersatz von 7 auf 5 Prozent. Das klingt erst einmal positiv, vor allem für die Kunden. Allerdings gehen die Meinungen der Konstanzer auseinander. Und auch die Händler sind nicht restlos begeistert.

Kritik an der Konjunkturmaßnahme

Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergarten-Apotheke und Vorsitzender des Treffpunkts, einer Interessenvertretung von Händlern, Wirten und anderen Unternehmen in Konstanz, übt Kritik an der Maßnahme.

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Er sagt: „Die Hauptschwierigkeit wird sein, wie wir das alles elektronisch umsetzen. Da hat die Politik nicht viel Vorstellungsvermögen vom Einzelhandel.“ Das Positive für die Kunden: Grundsätzlich seien viele Händler in Konstanz gewillt, die Prozente auch tatsächlich an die Kunden weiterzugeben.

Doch dass die Mehrwertsteuersenkung für die Händler so aufwendig ist, hält Hölzle für problematisch: „Die elektronischen Prozesse in den Kassen werden alle vom Finanzamt überprüft. Das macht es in diesem Fall schwer, diese Maßnahme schnell und unkompliziert umzusetzen. Außerdem wird das für die kleineren Händler sehr kostenintensiv. Da hat sich die Politik wegen den verursachten Kosten auch ein Eigentor geschossen.“

Umetikettierung ist zusätzliche Arbeit

Auch die Umetikettierung aller Waren sei mit viel Aufwand verbunden, so Hölzle weiter. Eine vorübergehende Notlösung wäre die Ausschreibung von Rabatten an den Schildern, was die Kassensysteme errechnen könnten. Für diesen Rechnungsrabatt plädiert auch der Handelsverband, um Aufwand und Kosten gering zu halten.

Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergartenapotheke, sagt: „Die Umetikettierung der Waren ist mit viel Aufwand verbunden.“
Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergartenapotheke, sagt: „Die Umetikettierung der Waren ist mit viel Aufwand verbunden.“ | Bild: Bernd Kern

Dazu kommt, dass Hölzle und andere Händler die Kassensysteme nicht einfach selbst ändern könnten. „Da würde das Finanzamt schreien“, sagt er. Dass man den ganzen Aufwand für ein halbes Jahres betreibe, nur um dann alles wieder zurückzusetzen, wirkt auch nicht gerade motivierend. Trotz des Aufwands aber begrüßt Daniel Hölzle die Mehrwertsteuersenkung: „Ich glaube schon, dass es etwas bringt. Drei Prozent klingen zwar nach wenig, sind deutschlandweit aber viel.“

Autohändler sind geteilter Meinung

Das glaubt auch Hansjörg Blender, Pressesprecher der Kfz-Innung Bodensee, Hochrhein, Schwarzwald und Geschäftsführer von Autohäusern in Konstanz und Radolfzell. Er sagt: „Ich finde das eine faire Lösung für alle. Bei hochpreisigen Produkten wie Autos macht das bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von 24.000 Euro einen Unterschied von 540 Euro.“ Bei ungefähr 1,25 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Halbjahr komme deutschlandweit eine gute Summe zusammen.

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Anderer Ansicht ist Stefan Fetscher vom Autohaus Fetscher und Dietrich in Konstanz: „Ich halte das für nicht notwendig. Für ein halbes Jahr lohnt sich das nicht. Das verursacht mehr Aufwand, als das es etwas bringt.“

Konstanzer wollen nicht mehr kaufen

Unter den Passanten in der Konstanzer Altstadt herrscht ebenfalls noch Skepsis. Birgit Lattner sagt: „Ich mache meine Kaufentscheidung davon nicht abhängig und warte jetzt auch nicht mit irgendeinem Kauf. Eine große Anschaffung werden wir deshalb nicht tätigen.“

Auch Susanne Krauß fiebert der Konjunkturmaßnahme nicht entgegen: „Ich habe alles, was ich brauche. Und ich bin in den letzten drei Monaten darauf gekommen, dass ich eigentlich noch viel weniger brauche.“

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