Positive Überraschung für die Litzelstetter Bürger: Sie bekommen einen weiteren öffentlichen Seezugang. Die Stadt Konstanz übernimmt zum 1. Dezember die bislang vom Land Baden-Württemberg an Privatleute vergebenen Seeufergrundstücke zwischen Strandbad und Holdersteig. Mit der Übernahmemöglichkeit des kompletten Uferbereichs hatten weder Ortsverwaltung noch Oberbürgermeister Uli Burchardt so bald gerechnet.

Verträge aus dem Jahr 1977

Selbst der Litzelstetter Ortsverwaltung war lange nicht bekannt, dass sich der Uferbereich, der direkt an den städtischen Uferweg grenzt, in Privathand befindet. Neben dem im Jahr 1977 mit der Stadt Konstanz geschlossenen Vertrag über die Anlegung eines öffentlich zugänglichen Uferweges, hatte das Amt Vermögen und Bau, Abteilung Immobilienmanagement, die weiteren acht Lose an Privatleute verpachtet, zumeist an die Angrenzer.

Der öffentliche Uferweg hatte an Reiz verloren, denn aufgrund mangelhafter Pflege der pivat gepachteten Uferparzellen gab es kaum noch Seesicht.
Der öffentliche Uferweg hatte an Reiz verloren, denn aufgrund mangelhafter Pflege der pivat gepachteten Uferparzellen gab es kaum noch Seesicht. | Bild: Scherrer, Aurelia

Lange herrschte ein gutes Einvernehmen, bis ein Pächterwechsel zu einer heftigen Eskalation führte. Er schottete seinen kleinen Uferbereich ab, verbat sich den Zutritt durch andere Personen, was sein Recht war, und es folgten im Jahr 2017 erbitterte Streitgespräche mit Bürgern, die ihre Hunde gewohnheitsmäßig dort ein Bad nehmen ließen. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, die Unterschriften sammelte – mit dem Ziel, den Uferstreifen parallel zum Milanweg vom Strandbad bis Holdersteig öffentlich zugänglich zu machen.

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Ortsverwaltung, Ortschaftsrat und Oberbürgermeister Uli Burchardt nahmen sich des Problems an. Es folgten Gespräche mit Pächtern und Verpächter und Burchardt sicherte zu, dass – sobald Pachtverträge einzelner Lose aufgelöst würden – die Stadt Konstanz alles daran setzen würde, in die Verträge einzusteigen.

Ihm ging es dabei nicht nur darum, dass die Litzelstetter mangels öffentlicher Flächen einen weiteren Seezugang erhielten. Viel wichtiger noch war ihm die Verkehrssicherung; manch Privatpächter hatte diese Pflicht vernachlässigt, so dass die zeitweise Sperrung des öffentlichen Seeuferwegs die Folge war.

Blick vom öffentlichen Weg über die verpachtete Uferfläche. Auch dieser Bereich wird öffentlich.
Blick vom öffentlichen Weg über die verpachtete Uferfläche. Auch dieser Bereich wird öffentlich. | Bild: Scherrer, Aurelia

Ortsvorsteher Wolfgang Gensle ist nicht nur die Abschottung – in manchen Bereichen des öffentlichen Weges „geht man durch grüne Gassen und hat keine Sicht auf den See“ – ein Dorn im Auge; schwerer wiege die vernachlässigte Baumpflege, was eine Gefahr für Spaziergänger in sich berge.

Helga Jauss-Meyer legt den Grundstein

Wegbereiterin des neuen öffentlichen Seezugangs war Helga Jauss-Meyer. Sie konnte den Wunsch der Bevölkerung verstehen, denn in Ufernähe gebe es kaum Möglichkeiten, wo Spaziergänger sich hinsetzen und die Seesicht genießen könnten.

Als das Amt Vermögen und Bau des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2018 zusagte, dass die Stadt bei einem Pächterwechsel Vorrang habe, zögerte Jauss-Meyer nicht; denn darauf hatte sie gewartet. Schon länger wollte sie das Teilstück, „das wir seit 1968 gepachtet haben“, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, erläuterte sie seinerzeit.

„Hätte ich den Vertrag gekündigt, wäre wieder ein privater Pächter nachgerückt“, sagt Jauss-Meyer. Vor zwei Jahren kündigte sie den Pachtvertrag, den die Stadt Konstanz übernehmen konnte. Warum sie sofort reagierte? Als Bürger habe man die Verpflichtung, für jene einzutreten, die nicht so privilegiert seien, erklärte damals die ehemalige Gemeinderätin, Kreisrätin und vormalige Ortsvorsteherin (1986 bis 1999) von Litzelstetten.

Alles Pachtlose sind nun gekündigt

Seither habe das Amt für Liegenschaften und Geoinformation der Stadt Konstanz sehr „akribisch darauf geachtet“, Pachtverträge, die gekündigt wurden, sofort zu übernehmen, schildert Ortsvorsteher Wolfgang Gensle. Zur Überraschung aller habe das Amt Vermögen und Bau nun alle Lose zum 30. November 2020 gekündigt.

Eigentlich wollte die Stadt nach und nach die Lose übernehmen, denn „wir wollten niemandem etwas wegnehmen“, sagt Uli Burchardt. Gleichwohl ist er nicht traurig über die Entscheidung des Landes, denn „es ist im Sinn des Großen und Ganzen und für die Öffentlichkeit eine sinnvolle Lösung“, zumal künftig klare, geordnete Verhältnisse herrschten. Gerade bezüglich der Wegesicherungspflicht stellt der Oberbürgermeister fest: „Es ist gut, wenn man dieser an einem Stück nachkommen kann.“

Bisher gab es nur drei Zugänge zum See

„Dass die Anlieger ordentlich behandelt werden.“ Zum einen werde es einen runden Tisch mit den bisherigen Pächtern geben, kündigt Ortsvorsteher Wolfgang Gensle an. Zum anderen werde das Amt für Stadtplanung und Umwelt gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Konstanz die Grundzüge des künftigen Pflegekonzeptes, das bis zur Übernahme des Uferbereichs erarbeitet werden soll, besprechen. Uli Burchardt ist jetzt schon überzeugt: „Es wird eine wunderschöne Spaziergängerrunde.“

Öffentliche Seezugänge sind in Litzelstetten Mangelware. Laut Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer stünden lediglich das Litzelstetter Strandbad, die Verlängerung des Holdersteigs sowie der Zugang beim Steg nahe dem Campingplatz zur Verfügung. Mit Übernahme der Uferflächen zwischen Holdersteig und Strandbad zum durch die Stadt Konstanz gibt es dann einen vierten Zugang.

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