Der Konstanzer Ortsteil Litzelstetten liegt direkt am Bodensee. Aber die Bürger haben nicht viel davon, denn öffentliche Seezugänge sind Mangelware. Ins Strandbad kann jeder gehen. Aber darüber hinaus? Fehlanzeige. In Ufernähe gebe es kaum Möglichkeiten, wo man sich hinsetzen und die Seesicht genießen könne, stellt die Litzelstetterin Helga Jauss-Meier fest: "Von hier bis Dingelsdorf sieht man so gut wie nichts mehr, weil alles zugewachsen ist."

Wer kein eigenes Grundstück am See hat, dem bleibt also nur das Wissen, dass dort irgendwo der See sein müsste. Aber das könnte sich nun nach und nach ändern. Ein öffentlicher Seezugangs scheint in greifbare Nähe zu rücken.

Öffentlich, halb-privat, privat? Die Lage war lange unklar

Dass Litzelstetten nicht mit Seezugängen gesegnet ist, nahmen die Bürger lange hin. Schließlich gibt es seit 1977 einen kleinen Uferweg, der parallel zum Milanweg vom Holdersteig bis zurück zum Milanweg führt. Zwischen ihm und dem See liegt der Uferstreifen, der dem Land gehört und vom Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg an Private verpachtet wird.

Die Pächter störte es lange nicht, dass Spaziergänger den Uferbereich betraten oder ihre Hunde zum Baden ins Wasser ließen. Ob der Bereich öffentlich oder privat ist, war lange auch nicht wirklich zu erkennen. Erst als ein Teilstück neu verpachtet wurde und der neue Pächter auf Einhaltung des Privatbereiches pochte, entflammte im vergangenen Jahr großer Unmut im Ort. Einige Bürger gingen auf die Barrikaden und sammelten Unterschriften. Ihr Ziel: Ein öffentlicher Seezugang, vielleicht sogar ein kleiner Uferweg direkt am Wasser.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Litzelstetter Ortschaftsrat und die Ortsverwaltung können den Wunsch der Bürger nachvollziehen. Aber ihnen waren die Hände gebunden, denn die Pachtverträge hätten nicht einfach aufgelöst werden können. Dennoch gab es viele Gespräche hinter den Kulissen.

Hohe Hecken versperren die Sicht auf den See

Zum einen hat die Ortsverwaltung bei der Stadt Konstanz ein Pflegekonzept in Auftrag gegeben. Ein zusätzliches Problem ist nämlich: "Wir haben die Verkehrssicherungspflicht für den öffentlichen Weg", so Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer.

Immerhin: Von dieser Bank aus hat man Seesicht. Der Weg hinter Litzelstetter Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer und Ortsvorsteher Wolfgang Gensle ist öffentlich. Der Uferstreifen vor ihnen allerdings ist an Privatleute verpachtetet.
Immerhin: Von dieser Bank aus hat man Seesicht. Der Weg hinter Litzelstetter Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer und Ortsvorsteher Wolfgang Gensle ist öffentlich. Der Uferstreifen vor ihnen allerdings ist an Privatleute verpachtetet. | Bild: Scherrer, Aurelia

Die Pflege des Uferstreifens hingegen obliegt den jeweiligen Pächtern, die zum Teil ihre Pflichten vernachlässigten. "Zum Teil läuft man an einer grünen Wand vorbei. Manche Hecken sind zwei Meter hoch", schildert Ortsvorsteher Wolfgang Gensle. Von dem Pflegekonzept verspricht er sich, dass es dann endlich wieder vom Uferweg freien Blick auf den See gibt.

Dieser Weg – links sind Privatgrundstücke, rechts verbirgt sich der Ufestreifen – ist öffentlich. Ortsvorsteher Wolfgang Gensle und Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer laufen zwischen grünen Wänden hindurch. Ein Pflegekonzept soll die Pächter der Uferflächen dazu anhalten, die Sicht auf den See zu ermöglichen.
Dieser Weg – links sind Privatgrundstücke, rechts verbirgt sich der Ufestreifen – ist öffentlich. Ortsvorsteher Wolfgang Gensle und Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer laufen zwischen grünen Wänden hindurch. Ein Pflegekonzept soll die Pächter der Uferflächen dazu anhalten, die Sicht auf den See zu ermöglichen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Beim nächsten Pächterwechsel könnte die Stadt zum Zuge kommen

Parallel seien die Gespräche mit dem Amt Vermögen und Bau bezüglich des Uferstreifens zwischen Strandbad und Holdersteig fruchtbar gewesen. "Wir haben die Zusage, dass zunächst die Stadt Konstanz angefragt wird, wenn ein Pächterwechsel ansteht, damit wir es pachten können", berichtet Wolfgang Gensle. Thomas Steier, Leiter des Amtes Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Konstanz, bestätigt auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass die Stadt Konstanz künftig bei Pächterwechseln Vorrang habe.

Bestehende Pächterin hat auf diese Zusage nur gewartet

Eben auf diese Zusage hat Helga Jauss-Meier gewartet. Schon länger wollte sie das Teilstück, "das wir seit 1968 gepachtet haben", der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Was sie bislang davon abhielt: "Hätte ich den Vertrag gekündigt, wäre wieder ein privater Pächter nachgerückt", so Jauss-Meyer.

Sie ziehen an einem Strang, damit die Litzelstetter einen weiteren Seezugang bekommen (von links): Ortsvorsteher Wolfgang Gensle, Pächterin Helga Jauss-Meyer und Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer.
Sie ziehen an einem Strang, damit die Litzelstetter einen weiteren Seezugang bekommen (von links): Ortsvorsteher Wolfgang Gensle, Pächterin Helga Jauss-Meyer und Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer. | Bild: Scherrer, Aurelia

Ein Privatgrundstück der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wäre schon allein aus haftungsrechtlichen Gründen nicht ratsam, fügt Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer hinzu. Mit der jetzigen Zusage vom Amt für Vermögen und Bau, der Stadt bei Pächterwechsel Priorität einzuräumen, zögerte Helga Jauss-Meyer nicht, sondern kündigte ihren Vertrag, damit die Stadt Konstanz als neue Pächterin den kleinen Uferstreifen übernehmen kann. Durch diesen ersten Schritt will sie den Wunsch der Bevölkerung unterstützen, mehr Seezugang und Seesicht für alle Seeliebhaber zu ermöglichen.

Das ferne Ziel: Den gesamten Uferstreifen zugänglich zu machen

"Für mich ist das selbstverständlich", sagt Helga Jauss-Meyer bescheiden. Als Bürger habe man die Verpflichtung, für jene einzutreten, die nicht so privilegiert seien, so die ehemalige Gemeinderätin, Kreisrätin und vormalige Ortsvorsteherin (1986 bis 1999) von Litzelstetten. Der amtierende Ortsvorsteher Wolfgang Gensle freut sich über dieses Entgegenkommen. Jetzt setzt er sich dafür ein, dass die Stadt Konstanz den Pachtvertrag für das kleine Areal unterschreibt.

"Es ist der Anfang eines langfristigen Prozesses", so Gensle. "Das Fernziel ist, diesen gesamten Uferstreifen öffentlich zu machen."