Eine Idee mit Potenzial: Das Junge Forum Konstanz hat bereits im Sommer beantragt, die ausgemusterte Fähre Fontainebleau als Stadt zu behalten und zu einem Kulturschiff auf dem Areal Klein Venedig umzuwidmen.

Bild: Oliver Hanser

„Das wäre eine lohnende Investition in die Zukunft und eine Chance, einen weiteren Anziehungspunkt in der Stadt zu schaffen und unsere Kulturlandschaft auf ein breiteres Fundament zu stellen“, so der Fraktionsvorsitzende Matthias Schäfer. Rund eine Million lautet die Grobschätzung für die Realisierung des Projektes.

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Stadtwerke-Pressesprecher Josef Siebler sagte zur zukünftigen Verwendung der Fähre: „Aus allen vorliegenden Anfragen und Möglichkeiten werden wir unserem Aufsichtsrat nächstes Jahr einen Vorschlag unterbreiten.“

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Der Antrag wanderte nun zur Diskussion in den Kulturausschuss der Stadt. Der Tenor: Die Idee hat durchaus Charme – doch der Zeitpunkt ist nicht der beste. Der Stadt sind mittelfristig aufgrund von Corona und damit einhergehenden finanziellen Einschränkungen die Hände gebunden. „Wir benötigen kulturelle Spielstätten allemal“, sagte Mohamed Badawi von der Freien Grünen Liste, der selbst als Musiker arbeitet. „Wo, wenn nicht in Konstanz mit dem See würde so eine sensationelle Idee Sinn machen?“

Mohamed Badawi.
Mohamed Badawi. | Bild: Scherrer, Aurelia

Er würde das Schiff eher als Kulturstätte auf dem Wasser sehen – und nicht auf dem Land auf Klein Venedig. Ewald Weisschedel von den Freien Wählern äußerte Zweifel. „Vor allem die Kosten bereiten uns Probleme. Eine Million ist schon ein Schweinegeld“, sagte er. „Dieses Geld sollten wir lieber für ein anderes Projekt ausgeben. Ein Boot im Wasser muss ständig gepflegt und untersucht werden.“

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Beim Thema Kosten meldete sich die neue Theater-Intendantin Karin Becker. „Wenn ich aus 36-jähriger Erfahrung sprechen darf: Zunächst einmal ist das ein mega-gutes Projekt“, erklärte sie. „Doch die Pandemie verlangt uns alles ab – Wahnsinn. Mehr draufpacken geht nicht.“

Karin Becker.
Karin Becker. | Bild: Schuler, Andreas

Sie wisse, dass man mit einer Million nicht weit käme. „Bei so einem Projekt sind wir sofort bei fünf Millionen bei dem technischen Equipment und dem Personal. Ich sehe diese Finanzierung nicht. Wir sollten weiter und langfristig denken.“ Sozialdemokratin Zahide Zarikas geht auch davon aus, „dass es bei einer Million nicht bleiben würde“.

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Daniel Groß von der CDU riet, erst einmal den Problemabfall im Boden des Areals Klein Venedig zu analysieren, „denn wir wissen ja, dass das ein aufgeschüttetes Gelände ist“.

Daniel Groß.
Daniel Groß. | Bild: Bernd Kern

Holger Reile (Linke Liste) plädierte, „dass Projekt noch einmal zu überdenken und sich mit der Entscheidung Zeit zu lassen“. Ein grenzübergreifendes Projekt würde der Stadt gut tun. Es würde sich lohnen, die Möglichkeit für Fördergelder zu prüfen oder Investoren zu suchen.

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Kulturamtsleiterin Sarah Müssig sieht derzeit keinen finanziellen Spielraum dafür und schlug vor, über eine Waldbühne nachzudenken. Obwohl der Kulturausschuss letztlich entschied, die Stadt nicht mit einer Überprüfung der Kulturschiff-Möglichkeit zu beauftragen, waren sich nahezu alle einig: Die Idee hat Charme und Potenzial und sollte wieder aufgriffen werden, wenn die Zeiten nicht mehr von der Pandemie bestimmt werden.