Ohne die Woge kämen manche Klienten kaum aus dem Haus. Der Verein betreut 80 Menschen mit psychischen Erkrankungen, die in Appartements, Wohngemeinschaften und Familien leben.

Sozialpsychiatrische Fachleute begleiten sie durch Alltagsaufgaben, organisieren Freizeiten, die Begegnungen schaffen und Teilhabe ermöglichen. Das kann ein Besuch auf der Insel Mainau sein, eine kleine Schifffahrt über den See oder ein Ausflug zu einem Museum. Ohne Spenden würde es die Angebote nicht geben.

„Vielen mache die Vorstellung Angst, unter Menschen zu gehen“

Die Klienten könnten sie sich in der Regel nicht leisten, sagt Alexander Merten, Mitglied des Vereinsvorstandes. Sie beziehen vielfach die Grundsicherung. Allein würden sie aber auch kaum aktiv werden. Vielen mache die Vorstellung Angst, unter Menschen zu gehen, sagt Merten.

Für sie sei die Teilnahme an einem Ausflug schon ein großer Schritt. Dieser solle nie an finanziellen Gründen scheitern. Alle paar Jahre organisiert die Woge eine größere Reise, wie etwa zuletzt nach Italien. Für die Mitreisenden sei es eine große persönliche Bestätigung, wenn sie sich in die Fremde trauen. Spenden benötige der Verein auch, um Klienten in besonderen Notlagen zu unterstützen, zum Beispiel wenn sie finanziell in die Klemme geraten, weil sie eine neue Waschmaschine anschaffen müssen.

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Woge unterstützt manche Menschen seit mehr als 20 Jahren

Von den 80 Menschen, die die Woge betreut, leben 19 in Gastfamilien, 25 in Wohngemeinschaften und sechs in Appartements auf einer Etage. Alle anderen haben eigene Wohnungen. Ihnen den Weg ins selbständige und selbstbestimmte Leben zu ebnen, das ist eine der großen Aufgaben des Vereins. Manche Klienten unterstütze die Woge seit mehr als 20 Jahren, auch im Pflegeheim, berichtet Merten.

Ein wichtiger Rückhalt für die Menschen mit psychischen Erkrankungen, bei denen ambulante Angebote nicht ausreichen, seien Gastfamilien. Die Erkrankten finden bei ihnen ein neues Zuhause und individuelle Ansprache. Der ländliche Raum spiele bei diesen Angeboten eine zentrale Rolle. „Wir haben Gastfamilien in Tengen und Gailingen.“ In der Stadt gebe es nur wenige Familien, die den Raum für einen Gast aufbringen könnten.

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Wohnen im betreuten Appartement

Wer schon etwas selbstständiger leben könne und sich neu orientieren wolle, für den gebe es die Wohngemeinschaft. Hier feilten Bewohner unter anderem an ihren sozialen Kompetenzen. „Die Gemeinschaft kann vor Rückzug und Isolation schützen und stellt in einem geschützten Rahmen ein Übungsfeld für die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen dar“, schreibt die Woge auf ihrer Internetseite. Die Woge hat auch eine Wohngemeinschaft nur für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 27 Jahren.

Viel Unabhängigkeit und dennoch Kontakte biete das Wohnen im betreuten Appartement. Es soll Menschen ansprechen, für die ein Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft zu viel Nähe bieten würde – und das Leben in einer eigenen Wohnung zu viel Isolation. Im Appartementhaus bietet die Woge den Betroffenen Möglichkeiten, sich zu begegnen und auszutauschen. Diese Abstufungen haben sich in den 36 Jahren des Bestehens des gemeinnützigen Vereins bewährt.

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Große Herausforderungen stehen in Zukunft an

Alexander Merten und die neue fachliche Leiterin Sabine Wissmann sehen nun große Herausforderungen auf die Woge zukommen. Es gehe um Neuerungen durch das sogenannte Bundesteilhabe-Gesetz. „Die ganze Struktur wird sich ändern“, sagt Merten.

Das neue Gesetz sehe unter anderem den Ersatz von Kosten-Pauschalen durch einen individuell ermittelten Bedarf vor. So werde der Klient dann selbst gefragt, wo er Unterstützungsbedarf sehe und welche Ziele er habe. Merten und Wissmann zeigen sich allerdings froh, dass bis zur vollen Umsetzung des Gesetzes noch zwei Jahre vergehen dürften. Denn derzeit sei zu vieles noch unklar.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.

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