Kugelgeist und Magier stehen sich gegenüber. Neun Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren sind aufgefordert, darzustellen, wie sie sich das Aufeinandertreffen der beiden vorstellen. „Wer mag spielen?“, fragt die Tanzpädagogin Carina Herold-Ecke. Die meisten Finger schnellen in die Höhe. Dann geht es Schlag auf Schlag: Jeweils zwei Kinder stehen sich gegenüber und fantasieren, wie der böse Zauberer, der nach Möglichkeiten sucht, die Weltmacht zu erlangen, seinen Erfüllungsgehilfen ausfragt. Es sind die ersten Proben zur geplanten Aufführung von „Aladin und die Wunderlampe“, ein Tanztheater, das Kinder mit und ohne Fluchterfahrung zusammen bringen soll. Ohne Spenden würde es das Projekt nicht geben.

Die Tanzpädagogin Carina Herold-Ecke bringt „Aladin“ auf die Bühne und dadurch Kinder mit und ohne Fluchterfahrung zusammen. Ohne Spenden würde es das Projekt nicht geben.
Die Tanzpädagogin Carina Herold-Ecke bringt „Aladin“ auf die Bühne und dadurch Kinder mit und ohne Fluchterfahrung zusammen. Ohne Spenden würde es das Projekt nicht geben. | Bild: Claudia Rindt

Dieses ist im Rahmen der Sozialbetreuung in der Unterkunft für anerkannte Flüchtlinge im Zergle entstanden. Für den Verein Miteinander ist dort Johanna Geiger im Einsatz, um die Integration der Geflüchteten voranzutreiben und Ängste abzubauen. Um das gemeinsame Schauspiel unter der Tanzpädagogin Carina Herold-Ecke bis in den Sommer fortsetzen zu können, benötigt der Verein Spenden. Auch Mitspieler werden noch gesucht, vor allem Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Carina Herold-Ecke, die schon im vergangenen Jahr große Erfolge mit einer interkulturellen Kindergruppe feierte, die ein Tanzstück aufführte, will die Mitspieler dieses Mal nicht nur zur Bewegung, sondern auch zu Sprechrollen ermutigen. Anders als im Vorjahr startet sie dieses Mal mit einer bunt gemischten Gruppe aus geflüchteten und einheimischen Kindern.

Freundschaften entstehen

„Interesse und Verständnis entstehen durch Kontakt“, sagt Anke Klaaßen, die ihre Tochter Lyra von den Proben abholt. Die Mutter hält es für bereichernd, verschiedene Kulturen kennenzulernen. Sie habe selbst schon in einem interkulturellen Stück mitgespielt und Puppentheater für Flüchtlinge gemacht. Daraus seien Freundschaften zu Geflüchteten entstanden. Das Theater sei ideal, um sich auf spielerische Weise kennenzulernen.

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Wie unterschiedlich kulturelle Prägungen sein können, erlebte die Mutter Alexandra Werne, als sie erstmals ihre Tochter Johanna zum Tanzprojekt der Sozialbetreuung ins Wohnhaus für anerkannte Flüchtlinge im Zergle brachte. Ein Mädchen aus Syrien habe sie neugierig gefragt, ob sie denn nun die Mama oder der Papa sei. Alexandra Werne trug zu dem Zeitpunkt kurze Haare, sportliche Hosen und Pulli. Die kleine Syrerin habe sie in dieser Aufmachung nicht eindeutig als Frau erkannt. Über so etwas habe sie sich vorher nie Gedanken gemacht. Alexandra Werne gefällt an dem Angebot die Kombination aus Tanz und Theater und dass Projektleiterin Carina Herold-Ecke aus den Proben ein Spiel mache. Bei ihrer Tochter tauchten durch das Projekt Fragen zum Thema Flüchtlinge auf. Sie nehme dies zum Anlass, ihr zu vermitteln, wie wichtig Freiheit und Frieden sind.

Einheimische und Geflüchtete profitieren

Die Tanzpädagogin Carina Herold-Ecke ist überzeugt, dass Einheimische wie Geflüchtete vom Projekt profitieren. Es gehe auch darum, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit einzuüben, sagt Johanna Geiger von der Sozialbetreuung im Haus für anerkannte Flüchtlinge. Dort gebe es zwar häufige Wechsel, dennoch würden die Angebote gut angenommen. Diese versuchten verschiedene Altersgruppen zu erreichen, etwa Kinder, ältere Mädchen und Mütter. Der Verein Miteinander ist im Quartier Berchen-Öhmdwiesen aktiv. Er hat dort das Quartierszentrum übernommen und ermöglicht nachbarschaftliche Kontakte, beispielsweise über einen Mittagstisch, soziale Beratung, ein Nähprojekt und einen Gemeinschaftsgarten.

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Auch das Theaterprojekt soll das gegenseitige Kennenlernen fördern. Dort geht es über weite Strecken der Proben spielerisch zu. Kinder ziehen beispielsweise Tücher in verschiedenen Farben, sagen spontan, was ihnen dazu einfällt, und tanzen dies dann auch. Ein Mädchen schnappt sich ein knallrotes Tuch. „Ich denke an einen Vulkan“, sprudelt es aus der Kleinen. Sie wirbelt mit Energie durch den Raum. Eine Mitspielerin greift nach dem blauen Tuch, das sie an Wasser erinnert. Es schlängelt sich wie ein Bach durch den Saal. So weit, dass sich die Kinder mit den Texten des Stücks auseinandersetzen, sind sie noch nicht. Noch können neue Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren ins Tanzprojekt einsteigen. Einige Kinder, die für die Aladin-Aufführung proben, waren schon beim Tanzspiel im Vorjahr dabei. Auf die Frage, wie es denn damals gewesen sei, hat die sieben Jahre alte Nour eine eindeutige Antwort: Sie streckt beide Daumen steil nach oben.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.

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