Auch wenn ihr Nachname ganz ähnlich klingt wie jener der schwedischen Klima-Ikone: Zoe Blumberg will nicht die Greta Thunberg vom Bodensee sein. Dass Konstanz die erste deutsche Stadt ist, in der der Klimanotstand ausgerufen wurde, sei nicht ihr Verdienst, sondern jener vieler Mitstreiter der Fridays-for-Future Bewegung.

Klimaschützer atmen durch nach der ersten Etappe

Zoe Blumberg atmet tief durch, ihr Blick immer noch fokussiert. Man spürt, wie der Druck von ihr abfällt, die Anstrengung der vergangenen Tage wird erkennbar. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut über die Ausrufung des Klimanotstands im Gemeinderat“, wird sie dann doch persönlich und lächelt. Die Klimaaktivisten haben für dieses Ziel gekämpft – und es erreicht. Ein erster, ganz konkreter Erfolg.

Den Klimanotstand haben bereits andere Städte erklärt: Basel, Vancouver, London. Konstanz aber ist die erste deutsche Stadt – entsprechend groß ist das Medieninteresse bei der Pressekonferenz an diesem Tag.

Ein Schritt mit Symbolkraft, der nicht folgenlos bleibt

Der Schritt, den der Gemeinderat am Donnerstag einstimmig vollzog, ist von Symbolkraft. Die Ausrufung des Klimanotstands nimmt die städtische Politik in die Pflicht: Der Gemeinderat erkennt „die Eindämmung der Klimakrise und ihrer Folgen als Aufgabe von höchster Priorität an“ lautet der erste Satz der Erklärung. In der Resolution verpflichten sich die Stadträte, bei jeder Entscheidung die Auswirkungen auf das Klima zu berücksichtigen und Lösungen zu suchen, die das Klima wenig belasten. Das politische Gremium wird sich künftig an diesem Maßstab messen lassen müssen. Das kann unter Umständen teuer werden.

Wie die Schüler mit dem OB ins Gespräch kamen

Dass die Erklärung politisch angenommen wurde, dafür haben die Klimademonstranten sich und ihre Verhandlungspartner intensiv vorbereitet. Im Januar gingen die Schüler zum ersten Mal für den Klimaschutz auf die Straße. Eine kleine Gruppe, unter ihnen Jannis Krüßmann und Julian Kratzer, organisierte die Proteste in der Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kurze Zeit später folgte die Anfrage von Oberbürgermeister Uli Burchardt, ob er auf einer Demo ein paar Worte sprechen dürfe. „Zur Antwort bekam ich: das wollen wir nicht“, berichtet der Oberbürgermeister (OB) nun schmunzelnd auf der gemeinsamen Pressekonferenz, „dafür zeigten sich die Schüler offen für eine Einladung ins Rathaus“.

Den jungen Klimaschützern geht die Politik nicht schnell genug voran

Es folgte ein intensives Gespräch zwischen dem OB und den Schülern, indem sie klar machten: sie wüssten die Bemühungen der Stadt um den Klimaschutz zu schätzen, aber das gehe alles nicht schnell genug. Beide Parteien blieben im Gespräch.

„Wir haben dann eine Resolution verfasst, die sich an jener aus Basel orientiert“, sagt Jannis Krüßmann. Mit ihr waren die Jugendlichen in den Ratsfraktionen unterwegs, wo sie auf Verständnis stießen. Am Ende enthielt die Vorlage der Verwaltung einen Großteil der Formulierungen, die die Klimaaktivisten verfasst hatten.

Eine Frage der Existenz

Für die größtenteils minderjährigen Klimaschützer ist ihr Anliegen Herzenssache und eine Frage der Existenz. „Niemand allein kann die Erderwärmung stoppen“, sagt Zoe Blumberg zu Beginn, die Ausrufung des Klimanotstands sei eine erste Maßnahme, es liege nun an der Verwaltung, andere Städte zu diesem symbolischen Akt aufzufordern. Die Resolution solle auch dem Kreistag sowie dem Land Baden-Württemberg nahegelegt werden, sagen die Schüler.

Der Klimaschutz wird nicht zum Nulltarif zu haben sein

Dass die Resolution nicht ohne Folgen für Konstanz bleiben kann, ist dem Oberbürgermeister bewusst. „Ich bin optimistischer als ihr, dass wir das schaffen“, sagt Uli Burchardt zu den klimabewegten Schülern, räumt aber ein, dass dies Geld kosten wird. Er sei positiv gespannt auf die Haushaltsdebatten im Herbst – denn so gut wie jede politische Entscheidung, die klimaschonend umgesetzt wird, ist teurer als eine klimabelastende. Uli Burchardts Signal an die junge Generation: „Das Thema ist angekommen“.

Schüler sehen ihre Aufgabe weiterhin auf der Straße

Die Fridays-for-Future-Aktivisten sehen ihre Hauptaufgabe weiterhin dabei, Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Sie werden weiter auf die Straße gehen, sagt Jannis Krüßmann, das nächste Mal am 11. Mai gemeinsam mit Kreuzlinger Schülern. Sie werden den Stadtrat an seine Erklärung erinnern, wenn es nötig sein sollte.

Es brennt – und zwar überall

Die Jugendlichen bleiben ernst an diesem Nachmittag. „Es brennt – und zwar nicht an einem Ort, sondern überall. Deshalb müssen wir überall anpacken“, sagt Julian Kratzer stellvertretend. Konstanz – das kann nur der Anfang sein. Andere Städte und Regionen müssen folgen.

Was die Stadt vorhat

  • Neubauten sollen künftig klimaneutral mit regenerativer Energie versorgt werden
  • Ein Mobilitätsmanager soll eingestellt werden und mit Überzeugung dafür sorgen, dass Konstanzer (noch) weniger Auto fahren. Ziel ist die Verminderung des Autoverkehrs in der Stadt
  • Deutlich mehr Gebäude sollen energetisch saniert werden
  • Der Energieverbrauch in städtischen Gebäuden soll geringer werden
  • Eigenbetriebe wie die Stadtwerke sollen klimafreundlicher werden
  • Es sollen Maßnahmen entwickelt werden, die beim Energy Award das Erreichen des Gold-Standards möglich machen

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €