Maurine Etta hat sich von den einfachen Sätzen zu den komplexen Texte vorgearbeitet. Dank der Sprachbrücke kann sich die Frau aus Kamerun fließend auf Deutsch unterhalten und schon vertiefend mit den Feinheiten der deutschen Sprache auseinander setzen. So fragt sie sich beispielsweise, warum zum Mädchen nicht der weiblichen Artikel gehört, also die anstelle von das.

Die gelernte Buchhalterin kommt regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Bodman-Ludwigshafen zu ihrem inzwischen fünften Deutschkurs nach Konstanz. Sie kümmert sich zudem um ihre drei Kinder und versucht, beruflich Fuß zu fassen. „Es ist nicht leicht, aber man findet einen Weg, wenn man es will“, sagt die 39-Jährige entschlossen.

Mit ihren Kindern lernt sie deutsche Märchen kennen

Ihr Antrieb, Deutsch zu lernen, seien die Kinder, sagt Maurine Etta. Sie befasse sich mit dem Stoff, den diese in der Schule bearbeiten, und prüfe, ob sie diesen wirklich verstehen. So lerne sie gemeinsam mit den Kindern, aktuell behandeln sie Märchen. „Ich versuche, meine Tochter zu unterstützen.“

Für sich selbst strebe sie ein Buchhalter-Praktikum oder eine Teilzeitbeschäftigung in einem Betrieb an. „Ich weiß, ich habe viele Nachteile auf dem Arbeitsmarkt“, räumt Maurine Etta ein. Dennoch zeigt sie sich zuversichtlich, dass sie ihren Platz finden werde.

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Nicht jeder Geflüchteter bekommt Sprachkurs vom Staat finanziert

22 Anträge auf Sprachkurse habe die Sprachbrücke dieses Jahr bewilligt, und so dafür gesorgt, dass der sprachliche Fortbildungswille nicht am Geld scheitere, sagt Angelika Kügele, die Vorsitzende der Sprachbrücke. Nicht jeder Flüchtling bekomme vom Staat einen Einstiegskurs in die deutsche Sprache finanziert. Und für weiterführende Kurse müssten Flüchtlinge in der Regel selbst aufkommen, auch wenn sie kaum Mittel dafür hätten.

Die Vorschläge, wem der Verein einen Sprachkurs bezahlen solle, komme von den hauptamtlichen Migrationsberatungen. Diese klopften die finanzielle Lage des Flüchtlings, die Notwendigkeit des Kurses und alternative Möglichkeiten der Kostenübernahme ab. Erst dann würden sie eine Förderung vorschlagen.

Auch Flüchtlinge, die sich direkt an den Verein wegen der Förderung ihres Sprachkurses wenden, würden stets an die hauptamtlichen Migrationsstellen verwiesen. Denn die Mitglieder des Vereins könnten die Einzelfallprüfung nicht leisten.

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Fortsetzung der Kurse scheitert immer wieder am Geld – das gefährdet die Integration

Angelika Kügele berichtet, sie sei selbst seit dem Jahr 2013 in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie habe bei der Unterstützung einer Flüchtlingsfamilie die Erfahrung gemacht, wie hinderlich ein fehlender Sprachkurs sein kann.

In einem konkreten Fall habe ein junger Mann zur Aufnahme seines Studiums das besonders anspruchsvolle Sprachniveau C1 nachweisen müssen. Ohne Unterstützung wäre es ihm nicht gelungen, den Kurs zu finanzieren. Als sie dann noch das Signal von Integrationsbeauftragten bekommen habe, dass das Weiterlernen von Deutsch immer wieder am Geld scheitere, habe sie gehandelt.

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Vereinsmitglieder kämpfen für sprachliche Integration

Sie habe Mitstreiter zusammen getrommelt, um mit der Mindestzahl von sieben Mitgliedern einen Verein zu gründen. Dieser dient als Dach für die einzige Aktivität: Spenden zu sammeln und diese in Sprachkurse für Flüchtlinge anzulegen, die gute Deutschkenntnisse benötigen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

„Hundert Prozent der Spenden gehen in die Förderung“, sagt Angelika Kügele. Der Verein sei bewusst so aufgestellt, dass keine Verwaltungskosten anfallen. Deshalb werbe der Verein auch nicht um mehr Mitglieder, sondern nur um Spenden. Die Kosten für einen Kurs beziffert Angelika Kügele auf eine Summe zwischen 100 bis 450 Euro, je nach Sprachniveau.

Alle Folgen der Serie „Wir helfen mit“ finden Sie gesammelt auf dieser Seite.