Farbige Container mit aufgesetztem Dach, gepflasterte Gassen, ein kleiner Spielplatz und zwei frisch gesetzte Apfelbäume. Die neue Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 90 Flüchtlinge in Stromeyersdorf hat ein viel freundlicheres Gesicht als die Notunterkünfte, die zuletzt in der Stadt errichtet worden waren. Die Siedlung mit 78 Containern wird voraussichtlich für mehrere Jahre als Unterkunft für Flüchtlinge dienen, wie Ludwig Egenhofer sagt, Cheforganisator der Flüchtlings-Unterbringung im Landkreis Konstanz.

Im neuen Dörfle, wie das Landratsamt die Unterkunft nennt, bekommen Asylbewerber Räume nach dem neuen Landes-Richtwert: In den Zwei-Bett-Zimmern stehen dann jedem rund sieben Quadratmeter zur Verfügung. Als Mindestanforderung galten bisher 4,5 Quadratmeter Raum. In manchen Fällen mussten sich vier Personen einen Raum teilen. In den Notunterkünften boten unzureichende Trennwände kaum Schutz vor Lärm. Ludwig Egenhofer geht davon aus, dass die Bauart des Dörfles Konflikten vorbeugen kann. Er betont, die Notquartiere in den Hallen seien nie ideal gewesen. Sie seien allein der Not geschuldet gewesen. "Wir wussten nicht wohin mit den Flüchtlingen." Vorerst sei der Zustrom abgeflaut. Im Januar seien im Landkreis 39 Personen neu aufgenommen worden, etwa aus dem Irak und Iran. In den Spitzenzeiten waren es auch mal 170 im Monat. Es sei aktuell ein deutlicher Zuzug von Menschen aus Afrika zu spüren. In den Konstanzer Unterkünften lebten derzeit 712 Flüchtlinge.

Moustapha Diop, der Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Konstanz, sagt, das Dörfle sei optimal als erste Anlaufstelle. Flüchtlinge bleiben dort maximal für 24 Monate. Die ersten kommen am heutigen Mittwoch. Sie ziehen von der Notunterkunft am früheren Schwaketenbad ins Dörfle. Die Traglufthalle dort hatte Trennwände aus Sperrholz und Tuch. Sie war hellhörig. Die Bewohner hatten kaum Privatsphäre. Viele dürften erleichtert sein über das neue Quartier. Sobald die Flüchtlinge umgezogen sind, wird die Traglufthalle abgebaut. Einige Familien aus der Halle in Dettingen kommen auch ins Dörfle. Die Halle werde aber dennoch vorerst weiter für Flüchtlinge vorgehalten, betont Egenhofer. Ein Sicherheitsdienst ist nachts zeitweise im Dörfle. Zum Tagespersonal gehören die Leitung des Hauses, zwei Sozialarbeiter, ein Hausmeister und eine Sekretärin.

Die Zimmer der Asylbewerber sind spartanisch-funktional eingerichtet: zwei Eisenbetten, ein Tisch, zwei Klappstühle, ein Schrank mit zwei Türen, abgezähltes Besteck, Kehrbesen und Schaufel. Ihre Matratzen bringen die, die schon in einer Unterkunft des Landkreises gewohnt haben, von dort mit. Zur Infrastruktur des Dörfles gehören eine Vielzahl an Containern mit Toiletten, Waschmaschinen, Küchen, eine Schaukel im Garten, ein Raum für Kinderaktionen, ein Raum für Deutschkurse, aber kein Aufenthaltsraum. Sollte ein Bedarf festgestellt werden, könnte dieser noch zusätzlich aufgestellt werden, heißt es auf Nachfragen. Die bisherigen Erfahrungen aber hätten gezeigt, dass solche Räume weder angenommen, noch benötigt werden.

Beim öffentlichen Besichtigungstermin kamen rund 70 Bürger, um sich einen Eindruck zu verschaffen, darunter auch Vertreter des Helfernetzwerks für Flüchtlinge Save me. Christiane Kreitmeier, Stadträtin der Freien Grünen Liste, staunte: "Vor einem Jahr war man froh um jeden Container, heute kann man sich die Farbe aussuchen." Manche wollten wissen, wo in der Unterkunft denn Platz für Familien sei. Da das Dörfle ausschließlich Zwei-Bett-Zimmer hat, werden diese auf mehrere Zimmer verteilt.

Maximal zwei Jahre

Die Gemeinschaftsunterkunft (kurz GU) dient der vorläufigen Unterbringung von Asylbewerbern in den Landkreisen. Diese bekommen die Flüchtlinge aus den Landeserstaufnahmestellen nach einem Schlüssel zugewiesen. Die Bewohner leben dort, bis der Asylantrag entschieden ist, maximal aber für 24 Monate. In Konstanz existieren derzeit fünf Gemeinschaftsunterkünfte: in der Steinstraße, in der Luisenstraße, im ehemaligen Transco-Gebäude, in der Byk-Gulden-Straße und nun auch in Stromeyerdorf (Stromeyersdorfstraße). Als Notunterkünfte gibt es vorerst noch die Tennishalle Dettingen und die Leichtbauhalle auf dem Parkplatz des früheren Schwaketenbads. (rin)