Frank Heisch steht der Schock noch immer ins Gesicht geschrieben. Nach mehr als 20 Jahren hat Gebäudeeigentümer Ulrich Ramdohr dem 48 Jahre alten Wirt des beliebten Cafés Zeitlos mit dem Rosengarten am Stephansplatz die Kündigung des Pachtvertrags zugestellt.

Im Wesentlichen geht es um ein menschliches Problem: Der Verpächter, der auch Unternehmensberater ist, wollte sich zuletzt in die Art einmischen, wie das Café geführt wird. Der selbstständige Wirt lehnte dies ab. Er sei Ramdohr nie einen Cent schuldig geblieben, dies bestätigen beide Seiten.

Das Zeitlos wirkt wie eine Oase der Ruhe und Entspannung mitten in der Stadt

Der Rosengarten des Cafés gehört für viele in Konstanz zu einem der Plätze, an denen sie sich vom Rummel der Stadt zurückziehen können. Doch jetzt läuft die Zeit des Zeitlos' im alten Stil ab. Kult-Wirt Frank Heisch sagt, Ende September werde spätestens Schluss sein mit dem Zeitlos unter seiner Führung. Er sieht keine Chance mehr, an dieser Stelle weiterzumachen, obwohl er dies gern getan hätte.

Das Zeitlos war 1998 einer der Vorreiter in Konstanz für ein Café, in dem es nicht um Sahnetorten ging, sondern ums gemütliche Beisammensein bei Kaffee mit Milchschaum in großen Tassen sowie alternative Speisen aus regionalen Produkten. Der Sonntagsbrunch im Zeitlos ist bis heute bei vielen Menschen beliebt. Wer nicht frühzeitig reserviert, findet dann keinen Platz.

Zuletzt hatten der zweifache Familienvater Frank Heisch und seine Frau einen Ruhetag in der Woche und kürzere Öffnungszeiten eingeführt, was offenbar Ulrich Ramdohr auf die Palme brachte. Dabei waren durch die persönlichen Entscheidungen des Wirts offenbar keinerlei Interessen des Verpächters berührt. Weder habe sich das Publikum der Wirtschaft zum Negativen verändert, noch blieben Zahlungen aus, wie beide Seiten sagen.

Ramdohr aber scheint seine Rolle als Verpächter auch als die einer Art Mitgeschäftsführers zu sehen

"Ich hänge am Haus und liebe es. Ich will es mit Leben gefüllt sehen", sagt der Unternehmensberater auf Nachfrage.

Er ist der Meinung, aus dem Platz lasse sich mehr machen als zuletzt unter Frank Heisch. Interessenten für den gastronomischen Platz stünden Schlange und sollten eine Chance bekommen. Ramdohr, der mit dem Geschäftsbetrieb gar nichts zu tun hat, glaubt, dass sich das Zeitlos, das erst im Winter die Inneneinrichtung aufgefrischt hat, unbedingt modernisieren müsse. Die Toiletten gefielen ihm nicht, und auch nicht das Mobiliar im Garten. Er sei auch bereit, selbst dafür in die Tasche zu greifen. Er habe Vorschläge gemacht, der Wirt sei aber nicht darauf eingegangen.

Dann habe er von seiner Kündigungsmöglichkeit Gebrauch gemacht.

"Es wird dort weiter Gastronomie geben, nur besser", sagt Ramdohr. Die Grundzüge des Konzepts, die ihm ja immer gefallen hätten, würden nicht wesentlich verändert. "Das wird nichts Aufgemotztes." Die Einrichtung und Speisekarte aber würden auf modernen Stand gebracht. Angeblich hat Ramdohr schon 17 Bewerber als mögliche Nachfolger an der Hand.

Frank Heisch indes muss erst einmal seine Zukunft neu sortieren

"Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht", sagt der Mann, der seit 1992 in Konstanz Gastronom ist. Vor dem Zeitlos hatte er sich um Veranstaltungen und die damalige Kneipe des K9 gekümmert.

1998 hatte er zusammen mit seiner Frau das Zeitlos am Stephansplatz eröffnet. Ihnen schwebte eine Stätte mit französischem Flair vor.

In der Rückschau sagt Frank Heisch: "Wir haben uns eine Oase erschaffen." Jedes Jahr habe er selbst die Rosen geschnitten und gepflegt, die den kleinen Garten besonders schmücken. Ulrich Ramdohr beansprucht für sich, dass er die Rosen gepflanzt hat.

Die Bäume am Zeitlos: Darum geht es beim Streit um die gekappten Stämme

Gekappt: Die Bäume am Café Zeitlos wurden stark beschnitten.
Gekappt: Die Bäume am Café Zeitlos wurden stark beschnitten. | Bild: Rindt Claudia
  • Massiver Baumschnitt: Am Garten des Zeitlos sind mehrere Bäume bis auf den Stamm zurückgeschnitten. Wegen des Eingriffs gab es viele Nachfragen von Bürgern der Stadt. Der Unternehmensberater und mit seiner KG Grundstückseigner, Ulrich Ramdohr, sagt auf Nachfragen, er habe die Arbeiten in Absprache mit dem Café Zeitlos beauftragt. Es sei aber keine Fachfirma zum Einsatz gekommen. Er habe für die Arbeiten an den mit Efeu überwucherten Bäumen keine Erlaubnis benötigt. Dies sieht das Amt für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz anders. Zumindest ein Kirschbaum hätte nur mit Genehmigung beschnitten werden dürfen, heißt es auf Nachfragen bei der Stadt Konstanz.
  • Der Satzungsverstoß: Nach Erkenntnissen des Amts für Stadtplanung und Umwelt hatte dieser eine Kirschbaum in einem Meter Höhe einen Stamm­umfang von 1,08 Metern. Mit dieser Größe unterliege er, anders als die dünneren Bäume, der Baumschutzsatzung. Das bedeutet: Dieser eine Baum hätte nicht ohne Genehmigung wesentlich in seiner Erscheinungsform verändert werden dürfen. Auch ein Fällen wäre nicht erlaubt. Ramdohr beruft sich darauf, dass er schon vor etwa 15 Jahren die Bäume ähnlich beschnitten habe, damals ohne Beanstandung.
  • Die Konsequenz: Wegen des „wesentlichen Veränderns/Zerstörens eines geschützten Kirschbaums“ werde beim Bürgeramt eine Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit vorgelegt, teilt das städtische Amt für Stadtplanung und Umwelt auf Anfragen mit. Als geschützt gelten Bäume, die in einem Meter Höhe einen Stammumfang von einem Meter und mehr haben. Zusätzlich prüft die untere Naturschutzbehörde des Landkreises einen möglichen naturschutzrechtlichen Verstoß. Es geht im Wesentlichen um die Frage, ob die Bäume in der Schutzzeit für Vögel ab März beschnitten wurden. Zwischen dem 1. März und 30. September gelten nach dem Bundesgesetz für Naturschutz Fäll- und Schnittverbote. Die Prüfung der Sach- und Rechtslage sei noch nicht abgeschlossen, heißt es beim Landratsamt auf Anfrage des SÜDKURIER.