Die Lage ist ernst: In einem Bauernhof ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Das Virus ist hoch infektiös und gefährlich. Die Gefahrguteinheit der Feuerwehr ist ausgerückt, neben Chemieunfällen ist sie auch auf den Seuchenschutz spezialisiert.

Ein Team in Schutzanzügen wagt sich in die kontaminierte Zone, auch Schwarzbereich genannt.

Bild: Lukas Ondreka

Was wie ein Ernstfall aussieht, ist eine Übung vor dem Klinikum in Konstanz

Gemeinsam mit Notfallmedizinern trainieren die Einsatzkräfte der Feuerwehr die Zusammenarbeit bei biologischen, chemischen, aber auch radioaktiven Unfällen.

Auf dem Vorplatz des Krankenhauses bereiten sich die Einsatzkräfte auf den Ernstfall vor.

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Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in einem Bauernhof ist an diesem Abend eines von mehreren Szenarien.

Für den Menschen ist das Virus zwar ungefährlich, aber eine rasche Ausbreitung auf weitere Betriebe muss verhindert werden. Feuerwehrmann Klaus-Peter Wehner leitet die Übung.

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Der 64-Jährige ist Chef des Gefahrgutzuges.

Er und sein Team werden gerufen, wenn gefährliche Stoffe im Spiel sind, wie zum Beispiel Januar 2018. Damals experimentierte ein Konstanzer Student bei sich zu Hause mit Chemikalien und löst einen Großeinsatz aus.

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Vor Ort ist damals auch der Notfallmediziner und Oberarzt am Klinikum, Thorsten Keiloweit, gemeinsam organisierten die Männer daraufhin die Schulung für Notärzte.

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Über Funk ertönt plötzlich ein Notruf: „Mayday, Mayday, Mayday.“ Der Teamleiter im kontaminierten Bereich ist zusammengebrochen. Ein realistisches Szenario: Unter den schweren Schutzanzügen ist es heiß, die Feuchtigkeit ist extrem hoch.

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“Nach einem Einsatz lässt sich aus den Stiefeln der Schweiß sammeln“, sagt Feuerwehrmann Klaus-Peter Wehner. “Mayday, Mayday, Mayday. Truppenführer bewusstlos.“

Jetzt muss alles schnell gehen

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Ein Feuerwehrmann schneidet das dicke Material mit einer Schere auf. Händisch lässt sich der Schutzanzug nicht schnell genug öffnen, da er wie ein Schild gegen äußere Einflüsse abgedichtet ist.

Der 4500 Euro teure Spezialanzug, ein altes Exemplar, wird für die Übung geopfert. Nach einigen gezielten Schnitten ist der Mann befreit.

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Dann kommen die Notärzte zum Einsatz: Die Mediziner betreten den kontaminierten Bereich und leisten Erste Hilfe, mit dabei ist Katharina Wentkowski.

Der sogenannte Weißbereich liegt jetzt hinter ihr. Im Schwarzbereich droht jederzeit Verunreinigung mit der Maul- und Klauenseuche. Für die Notfallmedizinerin steht das Leben des Patienten an erster Stelle.

Sie überprüft Puls und Atmung

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Die medizinischen Handgriffe sind Alltag für die Notärztin. Aber in diesem Ausnahmefall schießen ihr weitere Fragen durch den Kopf, wie sie nach der Schulung resümiert: Hätten nicht auch weniger Ärzte den kontaminierten Bereich betreten sollen?

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War die Entscheidung richtig, den Patient noch vor Ort zu dekontaminieren oder wäre es besser gewesen, ihn direkt ins Krankenhaus zu transportieren? “So eine Ausnahmesituation können wir nicht alle Tage üben“, sagt Katharina Wentkowski.

Sie fühle sich nach der Schulung besser darauf vorbereitet, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten habe, erklärt die Anästhesistin.

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Nach der Rettung des Patienten demonstriert die Feuerwehr, wie im Ernstfall eine Dekontamination abläuft. Die Männer in den grünen Schutzanzügen gehen durch eine aufblasbare Schleuse zwischen Schwarz- und Weißbereich.

In der sogenannten Dekontaminationsstelle entfernt ein Feuerwehrmann von außen gefährliche Verunreinigungen mit einer speziellen Dusche.

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Nach zwei Stunden ist die Übung abgeschlossen

Während die Feuerwehr bereits ihre Ausrüstung verstaut und die Dekontaminations-Schleusen verpackt, zieht Thorsten Keiloweit Fazit.

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„Chemieunfälle oder Seuchengefahr sind zum Glück nur selten“, sagt der 42-jährige Oberarzt, der für die regelmäßige Fortbildung der Notärzte verantwortlich ist.

Und dennoch: Es sei unentbehrlich, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein

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