Konstanz Denkmalschutz für die Geschwister-Scholl-Schule: Was die Entscheidung für Konstanzer Schüler und Eltern bedeutet

Kein Abriss und Neubau, ein Fragezeichen bei der Aufstockung und noch mehr Unsicherheit bei den Sanierungs-Millionen: Der Paukenschlag an Konstanz' größter Schule hat tiefgreifende Folgen. Und OB Burchardt greift das Landesdenkmalamt in ungewöhnlicher Schärfe an.

Als Sozialbürgermeister Andreas Osner die Nachricht am Donnerstag im Gemeinderat verkündete, waren Erstaunen, Empörung und auch Belustigung groß. Und es wachsen die Sorgen, dass sich der Mangel an Schulräumen bei wachsenden Schülerzahlen weiter verschärft. Das sieht auch Oberbürgermeister Uli Burchardt so. Nachdem SÜDKURIER Online die Nachricht zuerst verbreitet hatte, meldete er sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort.

Große Pläne sind gestorben

Für die Schüler und Lehrer heißt die Entscheidung tatäschlich erst einmal, dass sich an ihrer Schule nicht so schnell etwas ändern wird: Ein Abriss und vollständiger Neubau, wie ihn die Freien Wähler angesichts der maroden Bausubstanz zuletzt massiv forderten, ist jetzt ausgeschlossen. Bei der dringend nötigen Sanierung kommt eine mächtige Behörde zusätzlich ins Spiel. Und ob die ebenso nötige Erweiterung, zum Beispiel durch eine Aufstockung, überhaupt möglich ist, konnte zunächst niemand absehen. Eine Richtung gab aber Hochbauamtsleiter Thomas Stegmann vor. Er sagte, die räumliche Erweiterung müsse sich nun eben an das mögliche Volumen anpassen. Will heißen: Mit dem ganz großen An- oder Umbau rechnete er zunächst nicht. Auch über die Zügigkeiten, also die mögliche Zahl der Parallelklassen, müsse nun wohl neu nachgedacht werden.

Gebaute Pädagogik der 70er-Jahre

Das Schreiben der Denkmalschützer kam erst am Dienstag in Konstanz an – gleich mit beigelegt ein Aufsatz aus der "Deutschen Bauzeitung" von 1978. Dort wird der zwei Jahre zuvor fertiggestellte, vom Konstanzer Architekten Herbert Schaudt entworfene Bau als herausragendes Beispiel gewürdigt. Während Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn in der Entscheidung auch eine Chance für die Schule sah, war Sozialbürgermeister Andreas Osner alles andere als beglückt. "Das ist ein widersinniger Schritt, das kostet uns auf jeden Fall Zeit und Geld", sagt er nach der Sitzung dem SÜDKURIER. Es könne nicht den Zielen des Denkmalschutzes entsprechen, dass die Schule baulich in der Pädagogik der 70er-Jahre gefangen sei, wo man heute doch wisse, dass verwinkelte und unübersichtliche Gebäude fürs Lernen nicht gut seien.

Nur einer freut sich über den Denkmalschutz

Stadträtin Gabriele Weiner (Junges Forum) schwante gestern Abend sogleich Ungutes: "Das wird wahrscheinlich ein teurer Spaß für uns werden." Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste) hoffte dagegen auf Zuschüsse für die anstehende Sanierung. Für Wolfgang Müller-Fehrenbach, der 1976 als Lehrer im Gründungs-Team der Geschwister-Scholl-Schule war, kommt nur der Zeitpunkt überraschend. Die Schule sei ein Stück Architekturgeschichte und einst mit vielen Preisen ausgezeichnet worden. Dass viele Stadträte beim Wort Denkmalschutz laut auflachten, verbat sich der ehemalige GSS-Rektor: "Das ist auch eine Würdigung für einen Architekten aus unserer Region."

Wer hat da in Freiburg angerufen?

Warum und auf wessen Veranlassung das Landesdenkmalamt seine mit sofortiger Wirkung versehene Entscheidung getroffen hat, ist unklar. Die Behörde war am Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Andreas Osner sagte, auch die Konstanzer Stadtverwaltung sei von der Nachricht überrascht worden. Thomas Stegmann nimmt an, dass die Struktur der Schule erhalten werden müsse, aber nicht jede Veränderung nun unmöglich werde: "Das ist nicht wie bei einem denkmalgeschützten Haus, wo Sie vielleicht sogar Putze aus dem 17. Jahrhundert erhalten müssen."

 

Lernen unter Denkmalschutz: Damit kennt man sich in Konstanz aus

Die Geschwister-Scholl-Schule ist nicht die erste Bildungseinrichtung der Stadt, die unter Denkmalschutz steht. Die bisherigen Erfahrungen damit sind zwiespältig.

  • Universität: Das größte Bildungsgebäude von Konstanz steht seit 2012 als "gebaute Utopie" einer neuen Lern- und Forschungskultur mitsamt ihren Außenanlagen unter Schutz. Da das Gebäude dem Land Baden-Württemberg gehört, hat dies für die Stadt keine finanziellen Auswirkungen. Bisher habe der Schutzstatus keine Konsequenzen für Erweiterungspläne gehabt, sagte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn in einer ersten Einschätzung.
  • Wessenberg-Schule: Auch der Bau des Konstanzer Architekten Hermann Blomeier steht unter Denkmalschutz. Er gehört dem Landkreis, der die Gebäude wegen der hohen Kosten für Betrieb und Sanierung so schnell wie möglich loswerden will. Laut Schulbürgermeister Andreas Osner dürfen weder Sonnenjalousien als Hitzeschutz im Sommer noch zeitgemäße Isolierfenster eingebaut werden. Unter Fachleuten ist der Wert der Wessenberg-Schule unbestritten, möglicherweise übernimmt die HTWG den Bau und macht die Sanierung kostendämpfend zum praktischen Projekt. Der Kreis sieht als einzige Option für die berufliche Schule einen kompletten Neubau.
  • Gründerzeit-Schulbauten: Aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stammen unter anderem die Schulgebäude von Humboldt-Gymnasium und Ellenrieder-Gymnasium. Beide wurden trotz ihrer Schutzwürdigkeit in den vergangenen Jahren gleich mehrfach um Anbauten erweitert.
  • Geschwister-Scholl-Schule: Sie sollte 1976 als kooperative Gesamtschule musterhaft für neues Lernen sein. Geplant wurden die Gebäude von Herbert Schaudt. Ein über Jahrzehnte aufgelaufener Sanierungsstau warf dieses Jahr die Frage auf, ob ein Abriss und Neubau nicht billiger wäre. Allein das Herrichten des Bestands wurde zuletzt auf 28 Millionen Euro geschätzt – noch ohne Denkmalschutz.

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