Eigentlich wäre es schon 2020 soweit gewesen: Alle Veranstaltungen zum 150. Geburtstag des Musikvereins Ludwigshafen waren organisiert, die Vorfreude groß. Doch die Pandemie machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Umso größer war die Begeisterung, als sich nun die 40 Orchestermitglieder mit Angehörigen, Freunden, Unterstützern und Wegbegleitern zur Eröffnungsveranstaltung im Zollhaus trafen. „Wir feiern den Verein, die Musik und uns alle selber“, formulierte der Vorsitzende Robert Auer euphorisch.

Er warf einen Blick zurück auf 150 Jahre musikalische Vielfalt und Gemeinschaft. Der Musikverein Ludwigshafen sei ein wichtiger Baustein des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens geworden. „Gute Ideen setzen sich langfristig durch. Das wollen wir feiern.“

Interessiert betrachten die Besucher alte Fotografien aus der langen Geschichte des Musikvereins.
Interessiert betrachten die Besucher alte Fotografien aus der langen Geschichte des Musikvereins. | Bild: Claudia Ladwig

Auer erinnerte an den erfolgreichen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Mitte der 1950er und Anfang der 1960er Jahre seien die Weichen richtig gestellt worden. Nur sechs verschiedene Vorsitzende seit jener Zeit, nur zwei Dirigenten – von 1955 bis 1989 Emil Renner, seither Rainer Ehmann – einige Musiker, die seit über 60 Jahren mitspielen, all das zeuge von großer Kontinuität.

Es gab Lob: Konzerte seien immer etwas Besonders

Robert Auer hielt sich an ein Zitat von Steve Jobs, der gesagt hatte: „Do what you love, stay hungry and stay foolish.“ Er erklärte: „Wir lieben Musik, wir sind hungrig, haben viel gemacht, aber noch lang nicht alles, und ein bisschen verrückt sind wir auch. Das wollen wir auch beibehalten.“

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Johannes Steppacher, Präsident des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee, bestätigte, Konzerte und andere Veranstaltungen in Ludwigshafen seien immer etwas Besonderes und Einmaliges. „Wenn ein Verein nach über 150 Jahren noch so aktiv und frisch ist, ist das vor allem dem Einsatz und der Schaffenskraft des Vorstands und der Aktiven zu verdanken.“ Er steckte Patrick Ehmann, Andreas Eppler, Andreas Auer, Kathrin Ehmann-Merker und Pamela Moser für ihre 30-jährige aktive Mitgliedschaft die Ehrennadel in Gold an und gratulierte ihnen und dem Verein herzlich zum Jubiläum.

Johannes Steppacher (rechts), Präsident des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee, zeichnet Patrick Ehmann, Andreas Eppler, Andreas Auer, ...
Johannes Steppacher (rechts), Präsident des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee, zeichnet Patrick Ehmann, Andreas Eppler, Andreas Auer, Kathrin Ehmann-Merker und Pamela Moser (von links) für ihre 30-jährige aktive Mitgliedschaft und ihr großes Engagement aus. | Bild: Claudia Ladwig

Die Ehrungen würden in diesem Jahr auf drei Termine verteilt, so Robert Auer. Gerade die Dreißiger seien die Stützpfeiler im Verein. Mit allen verbinden ihn persönliche Bande oder Erinnerungen, die er fröhlich zum Besten gab. Er fasste zusammen: „Wir haben in den 30 Jahren viele schöne Momente miteinander gehabt. Vielen Dank dafür, ich hoffe auf viele weitere.“

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Dem schloss sich Bürgermeister Matthias Weckbach an. Er lobte das große Engagement im Musikverein, die Disziplin, die Jugendarbeit und die vielen begeisternden Auftritte, die in Erinnerung geblieben seien, nicht zuletzt die Aufführungen Stettelberger 1 und 2. Er dankte insbesondere Familie Ehmann, den Vorständen und Dirigenten für ihr jahrelanges Engagement und überreichte eine Jubiläumsgabe der Gemeinde.

Viele Feste wären ohne diesen Verein unmöglich

Dass man inzwischen den 152. Geburtstag feierte, griff Daniel Trisner als Vertreter der anderen örtlichen Vereine auf. Die Zwei stehe für Dualität und beinhalte vieles, beispielsweise Tradition und Innovation, die den Verein ausmachten. Er verdeutlichte, was wäre, wenn es den Musikverein nicht gäbe: Viele Feste wären nahezu unmöglich. „Ihr seid eine unglaubliche kulturelle Bereicherung für den Ort und die Vereine.“

Das Orchester präsentierte an diesem Abend nach der „Olympic Fanfare“ von John Williams die Uraufführung des von Rainer Ehmann komponierten Werks „Zwischen Homburg und Bodensee“, das er ursprünglich für den 2020 geplanten Gesamtchor des Bezirks Homburg geschrieben hatte. Den Abschluss des ersten Teils bildete das „Concerto Jubiloso“, das ebenfalls von Ehmann stammt.

Robert Auer, der Vorsitzende des Musikvereins Ludwigshafen, zeichnet Dirigent Rainer Ehmann mit der Sonderehrung „Stolz von ...
Robert Auer, der Vorsitzende des Musikvereins Ludwigshafen, zeichnet Dirigent Rainer Ehmann mit der Sonderehrung „Stolz von Sernatingen“ aus. | Bild: Claudia Ladwig

Später sprach er über seine Zeit als Dirigent. Es seien 33 ziemlich fordernde Jahre gewesen, die Musiker hätten ihm jedoch auch viel zurückgegeben. Er zitierte aus einem Hauptversammlungsprotokoll von 2009: „Raidegents Liebe zum Musikverein Ludwigshafen ist immer noch ungebrochen.“ Raidegent stand für Rainer, der Dirigent, und als solcher freue er sich auf viele weitere schöne Stunden und Konzerte mit dem Musikverein, sagte er. Robert Auer zeichnete ihn im Anschluss unter großem Beifall mit der Sonderehrung „Stolz von Sernatingen“ aus.