Jetzt haben die Kliniken Schmieder in Allensbach Gewissheit: 27 Patienten und 38 Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Das hat Patrick Mickler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz des Landratsamts Konstanz bestätigt.

Keine weiteren Bereiche betroffen

„Wir waren sehr streng mit uns“, führt Mickler seinen Bericht fort. 500 Tests habe man durchgeführt. Und zum Glück habe sich an dem Bild, das Freitag vor einer Woche (3. April) entstanden sei, nicht viel verändert. „Die stark betroffenen Bereiche, sind immer noch stark betroffen. Aber dafür keine weiteren Bereiche“, sagt er sichtlich erleichtert.

„Wir haben all unseren Mitarbeitern gesagt, dass sie ihre Sozialkontakte deutlich reduzieren sollen. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter sich verantwortungsbewusst zu verhalten.“Patrick Mickler, Geschäftsführer der Kliniken Schmieder
„Wir haben all unseren Mitarbeitern gesagt, dass sie ihre Sozialkontakte deutlich reduzieren sollen. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter sich verantwortungsbewusst zu verhalten.“Patrick Mickler, Geschäftsführer der Kliniken Schmieder | Bild: Ahlebrandt, Sylvia

Vergangene Woche wurde bekannt, dass auf der neurologischen Frührehabilitation 21 Patienten und 26 Mitarbeiter an dem Coronavirus erkrankt sind.

Allensbacher sind besorgt

Die Vorsichtsmaßnahmen, welche die Klinik sofort getroffen habe, zeige seine Wirkung, schlussfolgert Mickler. Einige Bewohner aus Allensbach sehen das allerdings anders. Ein Nutzer auf Facebook schreibt dort: „Bekannte von mir arbeiten in der Schmieder-Klinik und wurden beide letzte Woche getestet. Testergebnisse kamen erst heute und waren beide positiv!“ Unter Quarantäne gestellt seien sie aber erst jetzt. Eine Woche lange seien die mit der Infektion im Ort herumgelaufen.

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Markus Stadtmüller, Pressesprecher der Kliniken Schmieder, ruft bei diesen Behauptungen zur Vorsicht auf: „In sozialen Netzwerken wird vieles sehr schnell zur Wahrheit erklärt. Und viele sind dort auch nicht mit Klarnamen aktiv“, behauptet Stadtmüller.

„Die Klinik handelt verantwortungslos“

In diesem Fall trifft das freilich nicht zu. Der Schreiber ist mit Klarnamen vertreten. Die Redaktion telefoniert mit dem Beitragsschreiber, er heißt Stefan Schwarz. Er kenne das betroffene Paar, aber mache dem Paar keine Vorwürfe. Denn sie standen offiziell nicht unter Quarantäne.

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Aber der Allensbacher kritisiert: „Die Klinik handelt verantwortungslos. Sie muss über Verdachtsfälle informieren“, findet er. In dem Mehrfamilienhaus, wo die infizierten Personen leben würden, habe man die teilweise betagten Nachbarn nicht informiert.

Wer muss in Quarantäne?

Stellt sich nun die Frage: Wer muss überhaupt in häusliche Quarantäne? Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) müssen Personen in eine 14-tägige Quarantäne, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

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Entweder, weil man innerhalb der letzten 14 Tage in einem besonders betroffenen Gebiet war oder engen Kontakt zu einem nachweislich Covid-19-Erkrankten hatte.

„Unsere Hygiene-Vorschriften sind sehr streng“

Haben denn Pflegekräfte in den Kliniken Schmieder nicht automatisch „engen Kontakt“ mit Corona-Patienten? Die Betroffenen werden immerhin in der Klinik in Allensbach mit direkter Nähe gepflegt. „Unsere Hygiene-Vorschriften sind sehr streng“, behauptet Anastasios Chatzikonstantinou, Leiter der Abteilung Akutneurologie/Frührehabilitation.

Kliniken Schmieder Allensbach. Bild: Aurelia Scherrer
Kliniken Schmieder Allensbach. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia

Außerdem: „Wir haben all unseren Mitarbeitern gesagt, dass sie ihre Sozialkontakte deutlich reduzieren sollen. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, sich verantwortungsbewusst zu verhalten“, sagt Mickler. Und sobald ein Verdacht aufgekommen sei, dass die Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert seien, habe man sie in Quarantäne geschickt.

Werden auch Schweizer Mitarbeiter getestet?

Und wurden wirklich alle Mitarbeiter des Unternehmens getestet? Auch hier gibt es Unklarkeiten. Ein Leser schreibt die SÜDKURIER-Redaktion an. Er berichtet davon, dass Schweizer Mitarbeiter nicht alle getestet wurden. „Das stimmt nicht“, sagt Mickler entschieden. Er habe die komplette Personalliste überprüft. Wirklich alle habe man getestet. „Auch Mitarbeiter, die in der Schweiz wohnen.“ Und was ist mit Praktikanten? „Auch diese.“

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Die Klinikleitung habe sich entschieden, in der großen Fläche zu testen. Man habe sich bemüht, die Zahl der Erkrankten „hoch zu treiben, um auch wirklich alle zu erwischen“, erklärt Mickler. Man versuche damit bewusst, auch die „Dunkelziffer zu beleuchten“. Denn viele der positiv Getesteten wiesen nach wie vor keine oder nur wenige grippeähnliche Symptome auf.

Desinfektionsmittel wurden gestohlen

Zwischenzeitlich wenden sich immer mehr besorgte Leser an den SÜDKURIER. Ein Leser schreibt, er wisse, dass Desinfektionsmittel aus den Spendern entfernt wurde. Es sei gestohlen worden. Auch das Personal habe keines zur Verfügung gehabt und müsse sich die Hände mit Seife reinigen.

In den Kliniken Schmieder am Standort Allensbach gelten strengen Hygiene-Vorschriften. Patienten wie Mitarbeiter müssen Mundschutz tragen. Desinfektionsmittel sind mittlerweile wieder überall im Haus verfügbar. Teilweise wurde dieses gestohlen.
In den Kliniken Schmieder am Standort Allensbach gelten strengen Hygiene-Vorschriften. Patienten wie Mitarbeiter müssen Mundschutz tragen. Desinfektionsmittel sind mittlerweile wieder überall im Haus verfügbar. Teilweise wurde dieses gestohlen. | Bild: Barbara Gindl

„Das ist nicht ganz falsch und nicht ganz richtig“, sagt Mickler. Es stimme, dass in der Klinik vor einiger Zeit viel Desinfektionsmittel entwendet wurde. Daraufhin habe man in den öffentlichen Bereichen die Spender nicht mehr gefüllt.

Desinfektionsmitteln mit Kabelbindern gesichert

„Für die stationsnahen Bereiche waren die Mittel immer gewährleistet“, beteuert er. Etwa eine Woche habe dieser Zustand angehalten. Grund seien auch Lieferschwierigkeiten gewesen. Jetzt habe man die Desinfektionsmittel in den öffentlichen Bereichen mit Kabelbindern gesichert. „Das funktioniert gut“, sagt Mickler.

Kontaktverbot mit Ausnahmen für Krankenhäuser

Auch eine andere Beobachtung einer Leserin bewahrheitet sich: Sie habe gesehen, dass noch Ende März größere Sportgruppen auf dem Gelände der Klinik aktiv gewesen seien. „Ja das stimmt. Die Gruppen tragen aber alle Mund- und Nasenschutz und müssen Abstand halten“, erklärt Mickler.

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Der SÜDKURIER hakt nach: Es besteht doch ein Kontaktverbot seit etwa Mitte März. „Das trifft auf Gesundheitseinrichtungen nicht zu. Krankenhauseinrichtungen, die ihren Betrieb noch aufrecht erhalten, dürfen weiterhin diese Therapien anbieten“, sagt Mickler. Aber es werde streng darauf geachtet, dass man sich beim Sport nicht zu nahe komme.