Die Zahl der Infektionen in Baden-Württemberg steigt. Auch unter den derzeitigen Infektionsschutzmaßnahmen. Damit steigt auch die Gefahr einer erhöhten Zahl von Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf erleiden und intensive medizinische Versorgung brauchen.

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Die Landesregierung hat mit dem Krankenhausentlastungsgesetz neue Möglichkeiten geschaffen, mehr Patienten versorgen zu können. Durch die Verfügung können bestimmte Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen bis Ende so wie zugelassene Krankenhäuser genutzt werden.

Damit will Stuttgart gewährleisten, dass sich die Krankenhäuser auf die schweren Fälle konzentrieren können, während leichtere Fälle in diese Behelfskrankenhäuser ausgelagert würden. Ein Blick in die Region zeigt, dass dieser Spielraum bald gebraucht werden könnte: Die Zahl der Intensivbetten ist nicht allzu groß.

Kreis Waldshut sieht Krankenhausentlastungsgesetz als Hürde

Im Kreis Waldshut versuche man in erster Linie, „die bestehenden und noch nicht involvierten Rehakliniken einzubeziehen“, sagt Sprecherin Susanne Heim dem SÜDKURIER auf Anfrage. Dabei sei das Krankenhausentlastungsgesetz allerdings eher eine zusätzliche Hürde, signalisiert Heim. Die Vorgaben und Beschränkungen auf bestimmte Rehaeinrichtungen „erschweren unsere Pläne“, sagt sie.

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Derzeit plant der Landkreis die Einbindung der Mutter-Kind-Klinik in Rickenbach sowie eines Intensivpflegezentrums, ergänzt Heim. Zudem suche der Landkreis aktiv nach leerstehenden Pflegeeinrichtungen und Hotels, da diese besser zu Kliniken umfunktioniert werden könnten als Hallen. „Wir sind hier auf gutem Wege und haben verschiedensten Optionen. Spruchreif sind sie in den nächsten Tagen“, ergänzte Heim auf Nachfrage.

Im Klinikum Hochrhein gibt es nach Angaben des Landkreises zwölf Intensivbetten und acht Beatmungsbetten. In St. Blasien stünden sechs Intensivbetten und ebenso viele Beatmungsbetten zur Verfügung.

Bodenseekreis bereit sich auf Erkrankungswelle vor

Der Katastrophenstab des Bodenseekreises arbeitet nach Angaben von Sprecher Robert Schwarz seit Wochen an den Vorbereitungen für eine größere Welle von Infizierten mit schwerem Krankheitsverlauf. Der Landkreis habe eine mobile Behandlungsstation organisiert, die im Notfall die Kapazitäten der Klinik Friedrichshafen stärken könne. Zudem habe der Bodenseekreis zwölf Beatmungsgeräte beordert und dafür 250.000 Euro bereitgestellt.

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Gemeinsam mit den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen hat der Bodenseekreis ein Kapazitätenmanagement eingerichtet, erklärt Schwarz: „Wenn ein Haus im Verbund an die Leistungsgrenze kommt, kann die Leitstelle die Patientenzuteilung zu anderen Häusern steuern, die noch Luft haben.“

Zudem richtete der Kreis in der Messe Friedrichshafen eine Notunterkunft mit hundert Betten ein, die „im Notfall auch medizinisch genutzt werden“ könnten. Derzeit werde von Hilfsorganisationen ein Betriebskonzept erstellt. Zudem arbeite der Kreis daran, Betten in einer Kurklinik freizumachen, um pflegebedürftige Patienten versorgen zu können.

Derzeit verfügt der Bodenseekreis nach eigenen Angaben über circa 50 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit. „Die Kliniken arbeiten aber weiter daran, diese Behandlungsmöglichkeiten weiter zu erhöhen“, so der Sprecher. Aber, betont Schwarz: „Es ist auch klar, dass diese Zahl nicht beliebig vergrößerbar ist.“

Schwarzwald-Baar-Kreis verhandelt mit Rehakliniken

Im Schwarzwald-Baar-Kreis werden intensive Verhandlungen mit verschiedenen Reha-Kliniken geführt, sagt die Specherin der Schwarzwald-Baar-Klinik, Sandra Adams. Konkreter könne sie derzeit aber nicht werden, die Gespräche liefen noch.

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Im Normalbetrieb verfügt das Klinikum über etwa 70 Intensivbetten, davon befinden sich zehn in Donaueschingen. Im Extremfall könne die Kapazität aber auf 100 Betten aufgestockt werden, betont Adams: „Nicht jeder Intensivpatient muss auch beatmet werden.“ Im Extremfall könnten aber insgesamt 133 Beatmungsbetten eingerichtet werden, so Adams. Davon wären etwa 90 für die sogenannte invasive Beatmung geeignet.

Der Landkreis verwies auf Anfrage auf das Krankenhausentlastungsgesetz: Damit sei das Schwarzwald-Baar-Klinik für die Organisation der Behelfsbetten zuständig, sagte Sprecherin Heike Frank auf Anfrage.

Konstanz verschiebt Operationen

Die Kliniken im Kreis Konstanz hätten früh Maßnahmen ergriffen, sagt Sprecherin Marlene Pellhammer dem SÜDKURIER auf Anfrage: Verschiebbare Eingriffe seien verschoben worden, in den Kliniken wurden zusätzliche Betten und Stationen für Infizierte eingerichtet. Derzeit übernehmen das Klinikum Radolfzell und das Hegau-Jugendwerk in Gailingen Patienten ohne Covid-19-Erkrankungen aus Singen, um die dortigen Allgemeinstationen zu entlasten, erklärt Pellhammer weiter.

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Derzeit sieht der Landkreis aber im Gegensatz zu den Nachbarkreisen keine Veranlassung, Behelfskrankenhäuser einzurichten. Für den Notfall habe das Landratsamt aber Betten vorrätig, sagt die Sprecherin, ohne genaue Zahlen zu nennen. Im Kreis Konstanz stünden demnach 80 Intensivbetten zur Verfügung. „Der Bestand der Beatmungsgeräte ist erweiterbar je nach Bedarf“, sagt Pellhammer.

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