Was haben Gesundheitsamtsleiter Jochen Früh, Pneumologe Hinrich Bremer und Landrat Sven Hinterseh gemeinsam? Sie alle sind Protagonisten im ersten von fünf Filmen, die der Schwarzwald-Baar-Kreis in Zusammenarbeit mit Joerger Media produziert hat. Die Filme sollen zeigen, wie der Kreis und seine Menschen die vergangenen Corona-Monate bewältigt haben. Gezeigt werden die wenige Minuten langen Clips in den kommenden Wochen in den Sozialen Netzwerken des Kreises. Einen detaillierten Rückblick auf die vergangenen Monate und einen Vorausblick auf die kommenden hat Landrat Hinterseh am Donnerstag im Rahmen des Sommergesprächs gegeben. Der SÜDKURIER fasst das Wichtigste zusammen.

Landrat Sven Hinterseh beim Sommergespräch im Landratsamt
Landrat Sven Hinterseh beim Sommergespräch im Landratsamt | Bild: Matthias Jundt
  • Corona-Zwischenbilanz: „Derzeit gibt es sieben aktive Covid-19-Fälle im Kreis“, sagt Hinterseh. Zwei davon befänden sich zur Behandlung im Klinikum in Donaueschingen, außerdem gebe es fünf Verdachtsfälle.“Das bedeutet aber nicht, dass die Pandemie schon rum ist. Wir haben die erste Welle aber gut überstanden. Die Bürger waren sehr sorgsam“, so Hinterseh. Jetzt gelte es, die Balance zu halten. Seit Mitte März war es auch im Landratsamt fast ausschließlich um das Thema Corona gegangen.
500 Betten waren zu Beginn der Corona-Pandemie im Schwarzwald-Baar-Klinikum in Donaueschingen für Covid-19-Patienten freigehalten worden. Maximal 60 waren gleichzeitig nötig. War der drastische Schritt dennoch richtig?
500 Betten waren zu Beginn der Corona-Pandemie im Schwarzwald-Baar-Klinikum in Donaueschingen für Covid-19-Patienten freigehalten worden. Maximal 60 waren gleichzeitig nötig. War der drastische Schritt dennoch richtig? | Bild: Wursthorn, Jens
  • Klinikum bei der 1. und vor der 2. Welle: Dass man die Hälfte der 1000 Betten des Klinikums in Villingen-Schwenningen und Donaueschingen für Corona-Patienten freigeräumt hatte, letztlich aber im Höchstfall 60 dieser Betten genutzt wurden, sieht Hinterseh nicht als Fehler. „Am 13. März hatte es eine Mail von Gesundheitsminister Jens Spahn an alle Zuständigen für die Krankenhäuser in Deutschland gegeben. In der wurde gebeten, dass alle nicht notwendigen Operationen bis auf Weiteres ausgesetzt werden“, erzählt Hinterseh. Dem sei man nachgekommen. Richtig sei aber, so der Landrat weiter, dass das Herunterfahren einer Klinik einfacher ist, als das Hochfahren. Für eine zweite Welle werde ein Maß an Kapazitäten freigehalten. So schnell wie bei der 1. Welle werde man den Klinikalltag aber nicht mehr herunterfahren. Hinterseh: „Die Mitarbeiter und wir haben einiges dazugelernt.“
Bild: Matthias Jundt
  • Corona-Einsparungen: Die Pandemie wird in der kommenden Zeit vor allem finanziell ihre Spuren hinterlassen. Aus diesem Grund, so Hinterseh, müsse man schauen, welche Projekte zurückgefahren und welche dennoch weiter vorangetrieben werden müssen. Es habe bereits ein erstes großen Einsparpaket über 8,5 Millionen Euro gegeben. Eine Kommission aus der Mitte des Kreisrats müsse künftig entscheiden, wo weiteres Sparpotenzial vorliege. „Wir haben die Verschuldung des Kreises in den vergangenen Jahren auf unter 20 Millionen Euro halbiert und gleichzeitig viel investiert. Wir wurden schon ein bisschen verwöhnt. Diese gute Ausgangslage verschafft uns jetzt in der Krise Luft“, so der Landrat. Aus Hintersehs Sicht könne nicht bei der Digitalisierung der Schulen und dem Breitbandausbau gespart werden. „Dort sollten wir unsere Investitionsfreudigkeit beibehalten“, sagt er. Sparen könne man dagegen eher beim öffentlichen Nahverkehr. Auch das Thema Tarifreform „wird jedenfalls schwerer, als noch vor einem halben Jahr“. Am 9. und 10. Oktober werde es einen Klausurtag zu genau diesem Thema geben. Eigentlich sollte im Dezember 2022 die letzte große Maßnahme im Bereich ÖPNV fertiggestellt werden. Hinterseh sagt aber: „Alles muss auf den Prüfstand. Die Einsparungen werden sicher nicht schön. Der Rettungsschirm von Bund und Land alleine werden aber nicht alles kompensieren können.“ Im Herbst werden die Einspar-Diskussionen stattfinden.
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  • Sozialhaushalt: Noch sei nicht klar, wie viele Menschen aufgrund der Corona-Folgen ihren Job verlieren werden. „Ich hoffe, dass es wenig Arbeitsplatzverluste geben wird“, sagt Hinterseh. Schon jetzt machten die Sozialausgaben mehr als die Hälfte der Kreisausgaben aus. Hinterseh: „Wir haben etwa im Bereich Arbeitslosengeld wenig Gestaltungsspielraum.“ Das Jobcenter gehe derzeit von einer Verdoppelung der Bedarfsgemeinschaften aus. Der Landrat habe die Sorge, dass nicht jeder aus der Kurzarbeit wieder in die volle Erwerbstätigkeit zurückkehren wird.
Heike Frank und Landrats Sven Hinterseh waren beim Sommergespräch anwesend.
Heike Frank und Landrats Sven Hinterseh waren beim Sommergespräch anwesend. | Bild: Matthias Jundt
  • Corona-Urlaub: Beim Eindämmen einer zweiten Welle komme es auch darauf an, wo Menschen hinreisten. Landrat Hinterseh appelliert daher an Bürger, die in Risikogebieten Urlaub machen, sich im Anschluss beim zuständigen Bürgermeisteramt zu melden und sich in 14-tägige Quarantäne zu begeben. Welche Länder gerade zum Risikogebiet gehören, sei dynamisch.
  • ÖPNV: Trotz Einsparpotenzials, das der Landrat beim öffentlichen Nahverkehr sieht, soll über längere Sicht weiterhin mit den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen ein einheitlicher Tarifverbund entstehen. Das Ziel bleibe auch, etwa Villingen, Schwenningen, Rottweil, Bräunlingen und auch Hüfingen auf der Schiene zu elektrifizieren. Die Menschen sollten künftig umstiegsfrei von Villingen, über Schwenningen, bis nach Stuttgart mit der Bahn fahren können.
Sven Hinterseh ist seit kurzem wiedergewählter Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises.
Sven Hinterseh ist seit kurzem wiedergewählter Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises. | Bild: Matthias Jundt
  • Umweltschutz und Natur: „Das Naturschutzgroßprojekt Baar befindet sich mitten in der Umsetzungsphase“, sagt Hinterseh. Die Arbeiten in diesem Bereich gingen weiter und sollen in den nächsten zehn Jahren abgeschlossen sein. Um beim Thema Umweltschutz weiter voranzukommen, laufe derzeit außerdem die Ausschreibung für den Posten des Klimaschutzmanagers. Der soll unter anderem erreichen, dass der Kreis die Zertifizierung European Energy Award erhält. Sorge bereitet dem Landrat unterdessen der Wald. „Knapp 50 Prozent der Landkreisfläche sind bewaldet“, sagt Hinterseh. Derzeit gebe es wegen den Sturmtiefs Bianca, Sabine und Diana 120 Kubikmeter Holz, das in Nasslagern liege. Der Holzpreis sei daher auch „am Boden“. Hinzu kämen die Trockenheit und der Borkenkäfer, die die Arbeit für die Förster zusätzlich erschwerten.
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  • Tourismus: Wegen Corona sind die Auslandsgäste im Schwarzwald ausgeblieben. Und das werden sie auch noch eine Weile, fragt man Landrat Hinterseh. Mit der Kampagne „Kuck kuck“ sollen dagegen Inlandsgäste in die Region gelockt werden. Ein weiterer Baustein für das Vorhaben soll ab 1. April 2021 die 3-Welten-Card sein. Gäste von mittlerweile etwa 150 Betrieben können mit dieser Karte vergünstigt oder kostenlos beispielsweise die Sauschwänzlebahn nutzen, eine Schifffahrt auf dem Rheinfall machen oder das Bad Dürrheimer Kurbad nutzen. Das Bad übernimmt langfristig auch die Manager-Aufgabe. Beteiligt an der Karte sind neben dem Schwarzwald-Baar-Kreis die Kreise Waldshut und Konstanz sowie der Kanton Schaffhausen.
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