Der würdige Umgang mit Sternenkindern, also Kindern, die noch während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt versterben, und die Begleitung und Beratung der Mütter und Familien über die Zeit in der Klinik hinaus ist eine Herzensangelegenheit der beiden Hebammen Stefanie Tröndle und Germana Hauer. „Es berührt einem selbst und die positiven Reaktionen der betroffenen Mütter und Familien gibt uns das Gefühl, das Richtige zu tun“, so die beiden Hebammen. Jede dritte Schwangerschaft endet vor der Geburt. „Wir wünschen uns, dass das Thema einen festen Platz in der Gesellschaft einnimmt und aus der Tabuzone geholt wird“, sagt Tröndle.

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Mit zehn Gründungsmitgliedern haben sie im Dezember den Verein „Sternenkinder Villingen-Schwenningen“ gegründet. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis der Verein eingetragen wurde und die Arbeit aufgenommen werden konnte. Bei der Beratung ist das Gespräch mit den Betroffenen in Einzelgesprächen oder Trauergruppen essenziell, um das Unfassbare verarbeiten zu können. „Wir können dazu Räumlichkeiten im Fidelisheim nutzen, doch durch die Corona-Pandemie ist derzeit nur eine telefonische Beratung oder der Kontakt per Mail möglich“, so Tröndle.

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Während ihrer 30-jährigen Tätigkeit als Hebamme hat Hauer auch viele Jahre im Schwarzwald-Baar-Klinikum Sternenkinder und sogenannte stille Geburten begleitet. „Im Klinikum läuft alles gut, wir nutzen den Raum der Stille, arbeiten mit Sternenkinderfotografen zusammen, nähen oder basteln Abschiedsboten“, berichtet Tröndle über das Angebot im Klinikum. „Oftmals sind aber die Frauen nach einem Tag wieder fort und stehen dann mit ihrem Leid allein da“, bedauert Hauer. Ein Nachbetreuungsangebot fehlte bislang.

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Wie wichtig die Nachbetreuung ist und dass das Geschehene manchmal über viele Jahre hinweg nicht verarbeitet ist, zeigte den Hebammen eine Reaktion einer Mutter, die vor sieben Jahren ihr Kind verloren hat und auf den Verein aufmerksam wurde. „Ich bin glücklich, wenn ich im Herbst in eine Trauergruppe kann, um endlich über mein Kind reden zu können“, zitiert Hauer die betroffene Mutter. Dass auch bei Sternenkindern ein Anspruch auf Hebammenhilfe besteht, sei vielen nicht bekannt.

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Im Herbst soll es mit den Trauergruppen losgehen und die beiden Hebammen planen schon Zukünftiges: Einen Kurs für Rückbildungsgymnastik, der auch für Sternenkindermütter wichtig ist, aber oftmals nicht belegt wird. Zusätzlich soll ein Flyer auf das Angebot des Vereins aufmerksam machen. „Der Flyer ist im Druck und wird auch in den Arztpraxen ausgelegt“, so Tröndle.

Der Verein ist dankbar über jede Spende und Unterstützung mit einer Mitgliedschaft, über die sich der Verein finanziert, um den betroffenen Eltern alle Angebote kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Im Oktober findet eine gemeinsame, konfessionsfreie Trauerfeier auf dem Villinger Friedhof statt, bei der Sternenkinder auf einem anonymen Grabfeld im Rasenbereich um einen Gedenkstein beerdigt werden.