Das kommt überraschend: Die Mitglieder des Gemeinderates diskutieren in der nächsten Sitzung die Möglichkeiten zum Bau eines neuen, zentralen Hallenbades in Villingen-Schwenningen.

Allerdings geht es dabei nicht um ein kurzfristig zu realisierendes Vorhaben, sondern um die Möglichkeiten, die Bäderlandschaft in der Doppelstadt mittel- bis langfristig neu aufzustellen. Dazu liegt jetzt eine in Auftrag gegebene „Machbarkeitsstudie“ vor, die den Kommunalpolitikern nächste Woche erstmals öffentlich vorgelegt wird. In den Fokus rückt dabei die Option eines „zentralen Hallenbades“ für die Gesamtstadt.

Diese Option wäre die Abkehr von der bisherigen Bäderkonzeption der Stadt, wie sie vom ehemaligen Oberbürgermeister Manfred Matusza in den 90er Jahren geprägt worden war. Matusza verfolgte die Strategie, dass für den Schul- und Breitensport in beiden großen Stadtbezirken ein eigenes Hallenbad vorgehalten werden soll. Mit dieser Zielsetzung der kurzen Wege für Schüler und Vereinssportler hat die städtische Bädergesellschaft (BVS) in Schwenningen das „Neckarbad“ gebaut. Im Stadtbezirk Villingen gibt es bereits seit 1968 ein Hallenbad.

Das Villinger Hallenbad kommt in die Jahre

2020 kam neue Bewegung in die Debatte. Der damalige Stadtwerke- und BVS-Geschäftsführer Ulrich Köngeter regte den Neubau eines Hallenbades in Villingen an. Denn die Haustechnik des bestehenden Bades in der Kalkofenstraße ist inzwischen weit über 50 Jahre alt und könnte laut Köngeter jederzeit ausfallen. Dann stünden der Vereins- und Schulsport in Villingen ohne Hallenbad da.

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Kurswechsel durch den neuen Stadtwerke-Chef

Köngeters Nachfolger Gregor Gülpen hat diesen Faden inzwischen aufgenommen, aber mit neuer Zielrichtung. Gülpen setzt bei der Bäderstrategie der Zukunft auf ein einziges zentrales Hallenbad für die Gesamtstadt.

In der Vorlage für den Verwaltungsausschuss, der die Thematik am 7. Dezember beraten wird, heißt es dazu in aller Klarheit: „Die Möglichkeit ein ‚zentrales‘ Bad zu richten, ist aufgrund der anderen Bäder der BVS als sinnvoll eingestuft worden. Somit könnte das Neckarbad und Hallenbad (Villingen) geschlossen werden und das Kneippbad (Freibad) weiter betrieben werden.“ Und: „Ein Parallelbetrieb des Neckarbads zum ‚zentralen Bad‘ überfordert die wirtschaftlichen jährlichen Möglichkeiten der BVS.“

Gregor Gülpen, Geschäftsführer der Stadtwerke (SVS) und der Bäder GmbH (BVS), favorisiert ein zentrales Hallenbad für ...
Gregor Gülpen, Geschäftsführer der Stadtwerke (SVS) und der Bäder GmbH (BVS), favorisiert ein zentrales Hallenbad für Villingen-Schwenningen, das die beiden bisherigen Hallenbäder ersetzen soll. | Bild: Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH

Das Lehrschwimmbecken in der Schwenninger Friedensschule, das derzeit unter dem Vorzeichen der Energiekrise geschlossen wurde, spielt in diesem Zukunftsszenario keine Rolle mehr.

Klimaneutrales Bad als Ziel

Ein weiterer entscheidender Satz lautet: „Der Wunsch ist ein klimaneutrales Schwimmbad und dies wird in den kommenden Planungsphasen analysiert.“

Vier Bäder-Varianten untersucht

Ein von der Bädergesellschaft beauftragtes Architekturbüro in Bad Urach hat in einer Machbarkeitsstudie die Investitionskosten und Betriebskosten von vier verschiedenen Varianten vergleichend untersucht. Gegenüber gestellt wurden folgende Varianten:

  • Der Bau eines Hallenbades in der Dimension des bestehenden Villinger Hallenbades mit einer 25-Meter-Becken, Sprunganlage (Ein- und Drei-Meter-Turm), einem Lehrschwimmbecken und einem Kinderbecken mit einer Gesamtwasserfläche von 650 Quadratmeter. Kostenpunkt: Rund 18,6 Millionen Euro. Diese Dimension wird als „Grundmodul“ bezeichnet.
  • Variante 1: Zwei 25-Meter-Becken, zwei Lehrschwimmbecken, Sprunganlage, ein Kinderplanschbecken, mit einer gesamten Wasserfläche von 1475 Quadratmetern und Kosten von rund 42 Millionen Euro.
  • Variante 2: Ein 50-Meter-Becken und ein 25-Meter-Becken, zwei Lehrschwimmbecken und ein Planschbecken, Sprunganlage, insgesamt 2000 Quadratmeter Wasserfläche, 57 Millionen Euro Baukosten.
  • Variante 3: Ein 50-Meter-Becken, Sprunganlage, zwei Lehrschwimmbecken und ein Planschbecken, rund 1500 Quadratmeter Wasserfläche, rund 42 Millionen Euro.

Die Verwirklichung der Variante 3 würde nach Feststellung in der Sitzungsvorlage bedeuteten, dass die Bäder GmbH der Stadt damit ein jährliches Defizit von 2,63 Millionen Euro zu tragen hätte. Dies ergäbe für die BVS einen jährliche Gesamtverlust von 5,63 Millionen Euro, wenn die bisherigen drei Millionen Euro Jahresverlust eingerechnet werden.

Extrakosten für Rutschen und Saunagarten

Würde sich die Stadt dazu noch eine Saunalandschaft leisten, kämen weitere Investitionskosten von 1,5 bis drei Millionen Euro oben drauf. Eine große Rutschanlage wäre für eine Million Euro extra zu haben.

Eine Rutschenlandschaft wie hier im Badeparadies Tititsee-Neustadt wäre noch mit erheblichen Zusatzkosten verbunden, ist aber ein ...
Eine Rutschenlandschaft wie hier im Badeparadies Tititsee-Neustadt wäre noch mit erheblichen Zusatzkosten verbunden, ist aber ein Publikumsmagnet. | Bild: FEZE

Klar formuliert wird in der Vorlage, dass die städtische Bädergesellschaft aus eigener Kraft nicht in der Lage sei, ein zentrales Hallenbad zu bauen. Die maximale Investitionssumme der BVS wird auf zwölf Millionen Euro beziffert. Den Rest müsste also die Stadt drauflegen.

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