Johannes Klausmann, 26 Jahre alt, sitzt an einem kalten Donnerstagmorgen am Küchentisch in seiner Wohnung in Obereschach, vor sich einen aufgeklappten Laptop und ein Tablet und erklärt, wie er vor knapp eineinhalb Jahren auf die Idee kam, die Hühnerhaltung in der Landwirtschaft zu digitalisieren.

Seine App bekommt Preis für unternehmerische Innovation

Auf dem Bildschirm des Laptops ist eine Tabelle aufgegangen. Die Spalten sind überschrieben mit: Eier, saubere Eier, XL-Eier, Sekundar-Eier. In einem neuen Reiter stehen die Füllstände der Silos. Neuer Klick: Futter- und Wasserverbrauch je Einheit. Neuer Klick: Tier-Abgänge in der Herde 1. FarMS heißt die App, die Klausmann entwickelt hat und für die er Anfang Dezember den mit 3000 Euro dotierten Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovation gewonnen hat.

Die Idee dazu kam ihm bei der Recherche zu seiner Masterarbeit. Deren Thema war, grob gefasst, Herdenmanagement bei Hühnern. In Sachen Digitalisierung, sagt Klausmann, ist die Landwirtschaft auch der Industrie um einiges Voraus. Ob vernetzte Erntemaschinen, digitalisierte Schlepper, Melkroboter oder der Sender im Magen der Kuh, anhand dessen Daten der Bauer beispielsweise den richtigen Zeitpunkt für die Besamung ableiten kann.

Digitales Herdenmanagement

In der Schweinehaltung und bei Kühen ist auch ein digitales Herdenmanagement längst Usus. Futtermanagement, Milchleistung, Abgänge und statistische Auswertungen, alles kann digital erfasst und gesteuert werden. Allein in der Hühnerhaltung gab es so ein System noch nicht. Statt mit Tablet und WLAN werden dort die Daten – Verbrauch je Tier und Tag, Futterkosten je Reihe und so weiter – mit Papier und Bleistift erfasst und anschließend in eine Excel-Tabelle übertragen und aufbereitet. "Das ist doch nicht mehr zeitgemäß", dachte Klausmann.

Am 1. August 2017 haben sie begonnen zu programmieren. Klausmann hat einen Bekannten, der in Villingen eine IT-Firma leitet. Rund zwei Wochen dauert es, dann kann der Testbetrieb starten. Seit dem 1. Februar ist die App auf dem Markt. Zwischen 20 und 100 Euro pro Monat müssen Kunden für die Nutzung bezahlen.

Der Preis orientiert sich an der Größe des jeweiligen Betriebes. Zehn Höfe in ganz Deutschland haben die App inzwischen in Betrieb. Darunter kleinere, mit 1000 Hühnern, und Großbetriebe mit 150 000 Hühnern. Auch auf dem heimischen Betrieb, dem Klausmannhof in Obereschach, werden die knapp 9000 Hühner jetzt per App gemanaget.

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Steht beispielsweise der Tierarztbesuch an, bekommt der Nutzer eine Push-Nachricht. Braucht der Landwirt die regelmäßig anfallenden Auswertungen für das statistische Landesamt, erstellt die App die nötigen Kontrolldaten mit einem Klick. Die App, davon ist Klausmann überzeugt, spare Zeit, Arbeit und helfe Fehlerquellen zu vermeiden. "Es gehen keine Zettel mehr verloren und auch Übertragungsfehler gibt es keine mehr."

Sein Studium hat Klausmann inzwischen beendet, er arbeitet jetzt zwei Tage auf dem Hof seiner Eltern und den Rest der Woche in einer Unternehmensberatung für landwirtschaftliche Betriebe in Stuttgart. An der App arbeitet er weiter. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf den Legehennen. Vielleicht, sagt er, will er es auch noch auf andere Bereiche ausweiten.

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