Villingen-Schwenningen (cho) In Villingen erinnert eine Gedenktafel am Brunnen auf dem Heidplatz an den Villinger Josef Heid, der 1944 von den Nazis im KZ Dachauch umgebracht worden ist. Jetzt ist bereits der zweite Stolperstein zum Gedenken an den mutigen SPD-Politiker verlegt worden, allerdings nicht in Villingen-Schwenningen sondern in Bruchsal, wo Heid lebte, nachdem er aus der Stadt ausgewiesen worden ist. Vor Ort dabei waren am 5. Juli Friedrich Engelke und Heinz Lörcher vom Verein Pro Stolpersteine VS. "Es waren unglaublich viele Menschen vor Ort und haben den Künstler Gunter Demnig begleitet, der an diesem Tag 17 Stolpersteine verlegt hat, einen davon vor dem früheren Wohnhaus von Josef Heid", berichtet Friedrich Engelke. Welchen Stellenwert diese Aktion in der Stadt Bruchsal hat, zeigt für Engelke auch die Tatsache, dass die Oberbürgermeisterin Petzold-Schick alle Teilnehmer zu einem großen Empfang im Rathaus eingeladen hatte. In diesem Rahmen stellte Heinz Lörcher ausführlich das Leben Josef Heids vor, das auch schon in Villingen bei einer Mahnwache Thema war. Sogar aus Amerika waren drei Familien nach Bruchsal gereist, um zu erleben, wie ihrer ermordeten Verwandten gedacht wird. Der erste Stolperstein für Heid liegt vor dem Ständehaus in Karlsruhe, wo der Badische Landtag seine Sitzungen abhielt. In Villingen-Schwenningen ist die Verlegung von Stolpersteinen zweimal vom Gemeinderat abgelehnt worden.

Der in Stühlingen geborene Josef Heid war Beamter und ab 1921 Revisionsinspektor beim Bezirksamt Villingen. Er war politisch bei der SPD aktiv und ab 1922 Stadtverordneter, später sogar Vorstand. Heid engagierte sich im Mieterschutzverein und war Vorsitzender der SPD Villingen. Im Oktober 1927 wurde er in den Landtag gewählt, er war einer von 18 SPD-Abgeordneten. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Familie: Josef Heid wird auf dem Weg zur Villinger Polizeiwache, wo er in Schutzhaft genommen wird, misshandelt. Die Verletzungen sind so schwer, dass er erst ins Krankenhaus kommt und dann ins Gefängnis. Danach bringen ihn die Nazis ins KZ Heuberg, wo er im Juni 1933 entlassen wird.

"Dann hat ihm die Stadtverwaltung die Bürgerrechte aberkannt und ihn der Stadt verwiesen", erzählt Friedrich Engelke. Nach einem weiteren Gefängnisaufenthalt durfte er nicht mehr nach Hause, sondern wurde in einen Zug nach Bruchsal gesetzt, wo Verwandte der Familie eine Unterkunft besorgt hatten. Allerdings war die Zeit schwierig, weil die Familie Repressalien der Gestapo ausgesetzt war. Nach dem Hitler-Attentat verhaftete die Gestapo frühere Mandatsträger der politischen Parteien. Der 62-jährige Heid kam ins Konzentrationslager Dachau, dort wurde er Dezember 1944 ermordet.

Die Verlegung der 17 Stolpersteine schildert Friedrich Engelke als sehr gelungene Aktion. Der Künstler Gunter Demnig war selbst mit eigenem Werkzeug tätig und habe die Steine gekonnt verlegt. Wo es nötig war, hat die Stadt Vorarbeiten geleistet.

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