Villingen-Schwenningen – Das Schicksal des von den Nazis ermordeten polnischen Zwangsarbeiters Marian Lewicki beschäftigt die Villinger seit vielen Jahren: Im Tannhörnle bei Pfaffenweiler, dort wo der junge Pole im März 1942 gehenkt wurde, erinnert ein Sühnekreuz an das Verbrechen. Allerdings war auf diesem Kreuz mit dem Jahr 1943 ein falsches Todesdatum vermerkt. Auch auf der Erinnerungstafel am Sandwegle standen falsche Informationen, wie Hans-Georg Enzenroß, Beirat im Vorstand des Geschichts- und Heimatvereins, erklärte. Jetzt hat der Verein die Tafel erneuert und den Stein von einem Steinmetz abholen, abschleifen und mit dem korrekten Datum versehen lassen.

Als das Sühnekreuz 1988 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins, Werner Huger und Forstdirektor Wolf Hockenjos errichtet wurde, lag das Leben und Sterben von Marian Lewicki noch im weitgehend im Dunkeln. "Damals wusste man es halt nicht besser", erklärt Enzenroß das falsche Todesdatum auf dem Stein. Lange hatte man in Villingen sogar vermutet, dass der Pole an der Eiche am Magdalenenberg erhängt worden ist. Erste Recherchen von Werner Huger haben dann ergeben, dass es wohl der Baum im Tannenhörnle war. Er hatte dazu viele Zeitzeugen befragt.

Dies schreibt Werner Huger in einem Beitrag für das Jahresheft des Geschichts- und Heimatvereins im Jahr 1988/89. Auch die Erinnerungstafel wurde den neuen Erkenntnissen angepasst, die man im Laufe der Jahrzehnte gewonnen hat: So ist das Geburtsdatum von Marian Lewicki das Jahr 1918 und nicht 1908, wie ursprünglich angegeben. Viele dieser Erkenntnisse sind den intensiven Forschungen von Stadtarchivar Heinrich Maulhardt zu verdanken, der sogar die Familie von Marian Lewicki ausfindig gemacht hat. Eine Großnichte des Ermordeten, Justyna Bartkowiak, war sogar mit Familie sogar in Villingen-Schwenningen und hat an der Gedenkfeier anläßlich des 70. Todestages von Marian Lewicki teilgenommen.

Im Geschichts- und Heimatverein herrschte die einhellige Meinung, so Hans-Georg Enzenroß, dass nun auch Kreuz und Tafel erneuert und der aktuellen Faktenlage angepasst werden müssen. So stand auf der alten Tafel beispielsweise noch, dass der junge Pole sei bei einem Gerichtsprozess verurteilt worden sei. Jetzt erfährt der Leser, dass Marian Lewicki nach einer Anordnung des NS-Sicherheitshauptamtes in Berlin erhängt worden ist.

Nach wie vor wird der Platz rings um das Sühnekreuz von dem Villinger Hans-Jürgen Petrasek gepflegt, der auch nach dem Abtransport und dem Wiederaufstellen des Steines, neue Pflanzen gesetzt und alles gerichtet hat. Vor einigen Wochen war er sogar in Polen und hat Justyna Bartkowiak besucht.

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