Zwei Tage nach dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz soll in Villingen-Schwenningen am 29. Januar über die Stolpersteine – Gedenktafeln zur Erinnerung an die durch die Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Juden – abgestimmt werden. Es ist der dritte Anlauf nach 2004 und 2013 in Villingen-Schwenningen. Dieses Mal stehen die Zeichen gut, dass der Gemeinderat zustimmt: Die 23 Unterzeichner bilden eine knappe, aber ausreichende Mehrheit im 40-sitzigen Gremium der Doppelstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Constanze Kaiser (Grüne), selbst Mitglied im Verein Stolpersteine, brachte den Antrag am Mittwoch ein (wir berichteten kurz). Darin heißt es unter anderem, dass es nun an der Zeit sei, besonders deshalb einen neuen Vorstoß zu wagen, weil Versuche, andere Formen des Gedenkens zu verfolgen, gescheitert seien und antisemitische Manifestationen wie in Halle offensiv begegnet werden sollen: „Wir möchten mit der Verlegung der Stolpersteine in unserer Stadt Teil des größten Shoah-Denk- und Mahnmals Europas werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Positiv überrascht reagiert Friedrich Engelke, Vorsitzender des Vereins Stolpersteine, auf den durch die große Zahl von Stadträten getragenen Vorstoß im Gemeinderat. Er führte dieses Votum auch darauf zurück, dass „wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“. Das bedeutete für den Verein, dass er mit den Hauseigentümern in Kontakt getreten sei. Anders als 2013, als sich diverse Eigentümer gegen die Mahnmale vor ihren Immobilien wehrten, weil sie einen Wertverlust befürchteten, seien sie nun größtenteils „positiv eingestellt“. Mit einer Ausnahme: Mit dem Eigentümer des Haux-Hauses, dem Besitzer der Drogeriekette Müller, Erwin Müller, scheiterte eine Kontaktaufnahme bisher, weil der Unternehmer nur sehr schwer zu erreichen sei.

Berthold Haberer war ein Angestellter beim Finanzamt. Sein Sohn Joseph, der überlebte, ist Namensgeber eines VS-Preises für Demokratie und Toleranz.
Berthold Haberer war ein Angestellter beim Finanzamt. Sein Sohn Joseph, der überlebte, ist Namensgeber eines VS-Preises für Demokratie und Toleranz. | Bild: Fröhlich, Jens

Nach einem Eigentümerwechsel sind die Fronten auch in der Gerberstraße nicht mehr verhärtet. Ein früherer Besitzer des Hauses, in dem bis zur Reichspogromnacht vom 9. November 1938 auch der Gebetssaal der kleinen jüdischen Gemeinde untergebracht war, hatte sich lange hartnäckig gegen eine Gedenktafel gewehrt. Der neue Eigentümer habe nun nichts mehr dagegen, sagt Engelke, der auch daran erinnert, dass für alle Stolpersteine Paten, die auch die Pflege übernehmen, vorhanden seien. Die Stadtverwaltung werde damit mit dem Projekt, das der Künstler Gunter Demnig initiiert und bisher über 70 000 Mal umgesetzt hat, finanziell nicht belastet.

Neue Tafel geplant

Engelke denkt auch daran, das Mahnmal, das Villinger Jugendliche, vor allem aus den St-Ursula-Schulen, 2011 vor dem Villinger Bahnhof errichtet hatte, mit einer größeren Erklärungstafel versehen zu lassen. Auf dem nicht mehr sehr ansehnlichen Stein ist das Villinger Wappen zu sehen, aus dem ein Teil in Form des Davidsterns herausgebrochen wurde, um den Verlust zu symbolisieren. Der Davidstern ist oben auf der Schrägplatte abgebildet.