Roland Sprichst

Gut 500 Besucher kamen zum Neujahrsempfang der Stadt St. Georgen in die Stadthalle, der nach zwei Jahren wieder in Präsenz stattfinden konnte. Bürgermeister Michael Rieger rief die Bürger zu mehr Miteinander und Zusammenhalt auf.

Bürgermeister Michael Rieger nimmt Stellung zur Kritik am roten Teppich im Roten Löwen – und bringt Stück davon mit.
Bürgermeister Michael Rieger nimmt Stellung zur Kritik am roten Teppich im Roten Löwen – und bringt Stück davon mit. | Bild: Sprich, Roland

Selten sei ein Jahreswechsel mit so viel Ungewissheit verbunden gewesen wie dieser. Rieger sprach die „nicht enden wollende Pandemie“, Krieg in Europa, Energieknappheit und steigende Preise an, „die zunehmend die finanziellen Möglichkeiten von immer mehr Menschen übersteigen, aber auch den Städten und Gemeinden an die Substanz gehen.“

Aber auch solche Zeiten müssen gemeistert und die Stadt weiter entwickelt werden, lenkte Rieger den Fokus auf die anstehenden Projekte der kommenden Jahre. Verbunden mit dem Aufruf, hier und da den eigenen Blickwinkel zu verändern „und gewisse Ansprüche überdenken, um unsere wesentlichen Aufgaben gut zu erledigen.“

„Stabiler Rahmen aus Zuversicht“

Um diese bevorstehenden Aufgaben zu meistern, sei ein stabiler Rahmen aus Zuversicht, Mut, Engagement und Leidenschaft notwendig, der das Bild der Stadt zusammenhalte. Hier seien ganz besonders die Bürger gefordert: „Sie sind das Herz dieser Stadt, sie halten die Stadt am Leben und geben ihr ihren Charakter.“

Dank fürs Ehrenamt

Große Zuversicht, dass die Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden können, hat Rieger durch das Engagement vieler Menschen, die in den vergangenen drei Jahren große Einsatz- und Hilfsbereitschaft zeigten.

Etwa im Kampf gegen das Virus oder bei der Integration von Flüchtlingen. Hier seien die Beschäftigten in Pflege- und Gesundheitswesen, Apotheken, Einzelhandel und Vereine, Kirchen, Tafeln, Kulturschaffende, Rettungsorganisationen und viele andere Einrichtungen zu nennen.

Stabiler Arbeitsmarkt

Angesichts der vielen Herausforderungen der vergangenen Jahre stehe St. Georgen wirtschaftlich gesehen noch gut da. Der Arbeitsmarkt sei noch stabil, für einen Wirtschaftsstandort wie St. Georgen mit rund 6000 Arbeitsplätzen ein wesentlicher Gradmesser.

Die Stadtmusik sorgte für die musikalische Gestaltug des Neujahrsempfang.
Die Stadtmusik sorgte für die musikalische Gestaltug des Neujahrsempfang. | Bild: Sprich, Roland

Damit das so bleibe, müsse „der Weg von einer Kultur des Verhinderns endlich zu einer Kultur des Ermöglichens geebnet werden“, sagte Rieger in Richtung Landespolitik. Zu viele Gesetze und Schranken und Genehmigungsverfahren bremsten Wirtschaft und Verwaltung nachhaltig aus. „In Deutschland muss es wieder schneller und unkomplizierter werden, um im Wettbewerb mit anderen Ländern nicht das Nachsehen zu haben“, setzte Rieger ein klares Statement für Bürokratieabbau.

Dies gelte insbesondere für den Glasfaserausbau für alle Haushalte, wo die finanzielle Unterstützung von Bund und Land weiterhin erforderlich sei. Für die Digitalisierung der Schulen, für die im städtischen Haushalt 1,5 Millionen Euro bereitgestellt sind, hofft Rieger, „dass die gestellten Förderanträge endlich auch einmal zeitnah bearbeitet werden.“

Corvin Munz stellt den Jugendgemeinderat und seine Aufgaben vor. Das aktuelle Gremium ist seit einem knappen Jahr im Amt.
Corvin Munz stellt den Jugendgemeinderat und seine Aufgaben vor. Das aktuelle Gremium ist seit einem knappen Jahr im Amt. | Bild: Sprich, Roland

In seiner Rede ging Rieger auch auf den Beginn der Stadtkernsanierung ein, die in diesem Jahr endlich startet. Und mit der nicht nur die Aufenthaltsqualität für die Bürger durch einen attraktiv gestalteten Marktplatz steige, sondern auch der Einzelhandel gestärkt werde.

Der Bürgermeister, der am Ende seiner Rede seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit bekannt gab, zeigte sich davon überzeugt, „dass das Überschaubare, das Örtliche und Regionale wichtiger werden wird und austauschbare Fußgängerzonen, wie sie sich in jeder Großstadt ähneln, an Bedeutung verlieren werden.“

Wie der Bürgermeister zudem ankündigte, werden im Frühjahr mögliche Varianten der Rathaussanierung der Öffentlichkeit vorgestellt. In der zweiten Jahreshälfte 2024 soll bereits der Bauantrag für die Sanierung eingereicht werden. Auch hier solle, wie beim Roten Löwen, eine höchstmögliche Förderung erzielt werden.

„Kopf in den Sand? Gibt‘s nicht!“

Abschließend bedankte sich Rieger bei allen Unterstützern des Klosterweiherprojekts, die mit ihrer Spende einen Teil der Sanierungskosten von rund drei Millionen Euro beisteuerten. All diese anstehenden Herausforderungen müssten mit vergleichsweise kleiner Rathausmannschaft gestemmt werden. „Aber wir wissen unsere Handlungsspielräume auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen zu nutzen. Ein ‚Kopf in den Sand stecken‘ gibt es bei uns nicht“, so Rieger.