Die Firma J.G. Weisser kann vorerst auf die angekündigten Entlassungen verzichten. Das ist das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, über die J.G. Weisser und die IG Metall am Mittwoch in einer Mitteilung informieren. Die Angestellten wurden vorab über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt. Sie mussten länger als ursprünglich geplant in Ungewissheit verharren, weil die Gespräche über die Entlassungen sich in die Länge zogen.

Ende Mai hatte die Firma angekündigt sich von 130 Mitarbeitern trennen zu wollen. Hintergrund ist laut Weisser der konjunkturelle Einbruch durch die Corona-Pandemie, insbesondere im Maschinen- und Automobilsektor. Dieser Umstand sei verschärfend zur wirtschaftlichen Abkühlung durch den Transformationsprozess in der Automobilindustrie hinzugekommen. Zudem habe auch der Handelsstreit zwischen den USA und China Auswirkungen gehabt.

Dass die Kündigungen nun vorerst vermieden werden können, hat mehrere Gründe. Die Angestellten müssen demnach auf das zusätzliche Urlaubsgeld sowie den tariflichen Zusatzbetrag und auf 50 Prozent des Weihnachtsgeldes verzichten. Dass im Gegenzug keine Kündigungen ausgesprochen werden, gilt zunächst bis zum Jahresende. Ein für den aktuellen Stand zufriedenstellendes Ergebnis, findet Robert Rettich, der in der Geschäftsführung für die Finanzen zuständig ist. „Die Tarifpartner waren sich einig, gegen Jahresende erneut in Verhandlungen über etwaige, dann notwendige, Stellenanpassungen zu treten“, heißt es weiter in der Mitteilung der Firma. Auf Nachfrage konkretisiert Robert Rettich: „Zum aktuellen Stand ist davon auszugehen, dass zum Jahresende Kündigungen nötig sein werden.“

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Anstelle eines Stellenabbaus wird aber zunächst weiterhin auf Kurzarbeit gesetzt, die laut Rettich ein „ganz wichtiges Instrument“ sei. Diese gilt derzeit bis mindestens 31. Dezember. Ob sie auch danach noch nötig sein wird, werde sich in den nächsten Monaten zeigen, so Rettich. Darüber hinaus werden laut Unternehmensführung bereits gestartete Veränderungen in der Organisation und im Produktportfolio verstärkt vorangetrieben, da das Marktumfeld auch weiterhin angespannt bleiben werde.

IG Metall ist zufrieden

„Wir sind sehr zufrieden, dass es uns gelungen ist, die Arbeitgeberseite doch noch davon zu überzeugen, dieses Jahr auf den Personalabbau zu verzichten“, so Thomas Bleile, Verhandlungsführer und Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, zum Ergebnis der Gespräche. Den Beschluss könne man prägnant mit zwei Worten zusammenfassen: „Solidarität gewinnt“, so Bleile. Ziel sei es nun, einen längerfristigen Tarifvertrag zu verhandeln, um J.G. Weisser zukunftsfest zu machen.

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Unsicherheit bleibt aber

Trotzdem, so sagt Thomas Bleile auf eine Nachfrage des SÜDKURIER, sei auch für ihn fraglich, ob auch langfristig alle Arbeitsplätze bei J.G. Weisser gesichert werden können. „Wenn sie mich heute danach fragen, dann sage ich eher nein“, so Bleile. Ganz genau sagen lasse sich das zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht. Die Prognosen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Maschinenbau-Sektor seien noch zu vage. Zwar sähen einige Licht an Ende des Tunnels, gewiss sei das aber nicht. Dass das Kurzarbeitergeld, wie die Bundesregierung nun plant, verlängert werden soll, könnte im konkreten Fall jedoch hilfreich sein, findet der Gewerkschafter. Eine gewisse Entlastung auf Personalseite könnten zudem bis zum Jahresende Vorruhestands- oder Altersteilzeitsregelungen bieten, die nun angestrebt werden.

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