Vor etwas mehr als einer Woche hat die baden-württembergische Landesregierung Einschränkungen für den Besuch in Alten- und Pflegheimen erlassen, um damit eine mögliche Ansteckungsgefahr für die Bewohner mit dem Corona-Virus zu minimieren. Seither ist es nahestehenden Personen von Heimbewohnern nur in dringenden Fällen gestattet, ihre Angehörigen zu besuchen. Wie gehen die Heimbewohner mit der Situation um, dass sie jetzt ihre Familie möglicherweise wochenlang nicht sehen können? Wir haben nachgefragt.

Vera Kissmehl telefoniert in diesenn besuchslosen Tagen häufiger mit ihrer Familie.
Vera Kissmehl telefoniert in diesenn besuchslosen Tagen häufiger mit ihrer Familie. | Bild: Sprich, Roland

Vera Kissmehl bringt es mit einem Wort auf den Punkt. „Beschissen“, sagt sie. Und: „Ich komme mir ausgeschlossen vor.“ Normalerweise bekommt sie einmal pro Woche Besuch von ihren Kindern. „Die sind dann immer eineinhalb bis zwei Stunden da und wir reden, und sie haben die Wäsche mitgenommen und die gewaschene Wäsche mitgebracht“, beschreibt Vera Kissmehl, die seit rund fünf Jahren im Lorenzhaus lebt und sich dort auch wohlfühlt. Jetzt wird die Wäsche im Lorenzhaus gewaschen und der Kontakt zu ihren Kindern findet nur übers Telefon statt. „Dafür telefonieren wir aber häufiger als einmal pro Woche miteinander“, freut sie sich.

Alfred Hildbrand ist erst seit kurzem Bewohner im Lorenzhaus. „Man muss mit der Situation zurecht kommen.“
Alfred Hildbrand ist erst seit kurzem Bewohner im Lorenzhaus. „Man muss mit der Situation zurecht kommen.“ | Bild: Sprich, Roland

Anneliese Hug beschreibt die Situation als „sehr gewöhnungsbedürftig.“ Sie hat Angst davor, wie sich die Situation entwickeln könnte. Im Lorenzhaus seien von Seiten der Verwaltung „alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, die man sich vorstellen kann.“ Was auch bedeutet, dass keinerlei gemeinsame Aktivitäten mehr stattfinden wie beispielsweise Gedächtnistraining, Sport und Gymnastik oder Singen und kreatives Basteln. Über die dadurch fehlende Gesellschaft ist sie traurig. Mit ihrer Tochter, die mit ihrer Familie in München wohnt, kommuniziert sie ohnehin meist übers Telefon. „Aber ich habe eine gute Freundin, die mich einmal in der Woche besucht und die mit mir zum Einkaufen oder auf eine Tasse Kaffee ins Café geht oder Ausflüge mit mir unternimmt.“ Damit die Langeweile nicht allzu groß wird, lenkt sich Anneliese Hug ab. „Ich lese und mache viele Kreuzworträtsel.“

Anneliese Hug vertreibt sich den Tag mit lesen und Kreuzworträtsel lösen.
Anneliese Hug vertreibt sich den Tag mit lesen und Kreuzworträtsel lösen. | Bild: Sprich, Roland

Alfred Hildbrand aus Tennenbronn lebt erst seit kurzem im Lorenzhaus. „Ich bin fast 88 Jahre alt und bin viel gewöhnt“, sagt er. Dennoch ist es für ihn gerade in der Eingewöhnungsphase schwer, dass seine Familie ihn nicht besuchen kann. Und wie verbringt er den Tag? „Ich schaue viel zum Fenster raus in die Natur.“ Ihm ist klar, dass niemand an der derzeitigen Situation etwas ändern kann. „Damit muss man halt fertig werden.“

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Derweil hat die Evangelische Altenhilfe ihren Besuchsdienst für die Bewohner ausgeweitet, damit diese nicht vereinsamen. Wie Geschäftsführer Markus Schrieder erläutert, übernehmen den Besuchsdienst, der normalerweise von Ehrenamtlichen geleistet wird, derzeit aber nur die Mitarbeiter, die ohnehin im Haus arbeiten.

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