Seit rund einem halben Jahr müssen die Kunden des Edekas in St. Georgen ihre Fleisch- und Wursteinkäufe an der Theke vor 20 Uhr getätigt haben. Der Grund dafür wird den Kunden ebenso lange an der Eingangstüre des Marktes mitgeteilt: „Wegen Fachkräftemangels„ schließt die Metzgerei bereits eine Stunde vor dem eigentlichen Ladenschluss, heißt es auf einem dort angebrachten Zettel. Das Problem eines einzelnen Ladens, oder doch ein umfassendes Problem?

„Es ist eine Imagesache“

„Es geht allen so“, erklärt Marktleiter Ulrich Haas auf Nachfrage. Das Problem: Der Nachwuchs fehle, so Haas. Weshalb dies so ist, dafür hat Haas eine persönliche Meinung: „Es ist eine Imagesache“, erklärt er. Nicht nur die Fleischertätigkeit, sondern „generell das Handwerk hat Ansehen verloren, obwohl das wichtige Berufe sind.“ Wichtig seien gute, gelernte Kräfte, da es um Lebensmittel gehe. „Vom Prinzip her sind es zwei Berufe: Koch und Fleischfachverkäufer“, so Haas. Denn eine gute Kundenberatung zur Zubereitung gehöre dazu.

Berufe nicht mehr so gefragt

Eine Umfrage unter St. Georgener Betrieben zeigt ein ähnliches Bild. So ist auch Metzger Hans-Peter Rieckmann das Problem bekannt, auch wenn er „glücklicherweise“, wie er sagt, selbst nicht davon betroffen ist. „Personaltechnisch sind wir momentan gesegnet und haben auch zwei Auszubildende“, freut sich der Inhaber der Metzgerei Rieckmann. Dabei erinnert er sich aber auch an andere Zeiten. Noch vor vier Jahren hatte er selbst mit offenen Stellen zu kämpfen. „Grundsätzlich“, so Rieckmann„, sei der Beruf bei Jüngeren „leider nicht mehr so gefragt“.

Bettina Gerhardt (links) arbeitet schon 41 Jahre als Fleischfachverkäuferin und mag den Kontakt zu Kunden wie Claudia Raikowski. „Mir macht es Spaß, es ist sehr abwechslungsreich“, sagt Gerhardt über ihren Beruf.
Bettina Gerhardt (links) arbeitet schon 41 Jahre als Fleischfachverkäuferin und mag den Kontakt zu Kunden wie Claudia Raikowski. „Mir macht es Spaß, es ist sehr abwechslungsreich“, sagt Gerhardt über ihren Beruf. | Bild: Halter, Maximilian

Auch Apotheken suchen

Doch nicht nur das klassische Handwerk leidet unter einem Fachkräftemangel, auch die Apotheken sind laut Bernhard Lobmeier, Inhaber der Rathaus-Apotheke, von der Problematik betroffen. „Es fehlt an Nachwuchs und es herrscht ein großer Mangel an Apothekern und Pharmazeutisch-technischen Assistenten, gerade im ländlichen Gebiet“, sagt Lobmeier.

Der Apotheker Bernhard Lobmeier weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es Apotheken im ländlichen Raum haben können.
Der Apotheker Bernhard Lobmeier weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es Apotheken im ländlichen Raum haben können. | Bild: Halter, Maximilian

Doch woran liegt es, dass es an studierten Apothekern mangelt, wenn der Trend zu einem Gang an die Universität geht? „Es ist ein sehr schweres Studium und die Verdienstmöglichkeiten als angestellter Apotheker sind nicht sehr lukrativ“, erklärt Lobmeier. Viele gehen da lieber in der Industrie. „Die haben keine Probleme mit Nachwuchs“, so der 34-Jährige.

Ländlicher Raum hat Nachteile

Anders bei öffentlichen Apotheken auf dem Land. Dort setze unter anderem der Ärztemangel den Apotheken zu. Gebe es keinen Verodner von Medikamenten mehr, leide das Geschäft, erklärt der Apotheker. Er selber suche seit einem halben Jahr einen Pharmazeutisch-technischen Assistenten. „Trotz einer Anzeige hatte ich nur eine Bewerbung.“

Handwerk konkurriert mit der Industrie

Weniger Probleme mit Nachwuchs hingegen hat Klaus Sigrist von KS Holzbau. Die Zimmerei kann sich über mangelnde Fachkräfte nicht beschweren, erklärt Sigrist: „Auch wenn das Interesse an Handwerksberufen immer mehr verloren geht, gehört das Zimmerergewerk zu denen, die am meisten Nachwuchs bekommen.“ Dafür, so Sigrist, verliere man oftmals nach zwei bis drei Jahren gute Mitarbeiter, da sie sich weiterbilden und zu Führungskräften werden – oder als Quereinsteiger in die Industrie gehen, so Sigrist. „Es ist vergütungstechnisch eine große Diskrepanz zwischen einem Handwerker und einem Facharbeiter in der Industrie“, sagt der 39-Jährige.

Nachwuchs findet Klaus Sigrist von KS Holzbau genug. Er weiß jedoch, dass das allgemeine Interesse am Handwerk weniger wird.
Nachwuchs findet Klaus Sigrist von KS Holzbau genug. Er weiß jedoch, dass das allgemeine Interesse am Handwerk weniger wird. | Bild: Halter, Maximilian

Höhere Löhne seien nicht möglich, da man als Firma dann vom Markt wäre, erklärt er. Auch sei der Beruf körperlich anstrengend, weshalb auch ein wenig „Idealismus“ dazugehöre. Zufrieden sei er dennoch, da er viele Anfragen für Schülerpraktika hat und gute Rückmeldungen bekomme. Doch auch wenn es bei ihm positiv läuft: „Prinzipiell geht die Tendenz eher nach unten“, sagt Sigrist zum allgemeinen Interesse am Handwerk.