Im Sommermonat Juni verzeichnete die Einzelhandelsbranche in Deutschland den größten Umsatzrückgang seit 28 Jahren. Die Corona-Krise, der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Energiekrise machen vielen Unternehmen stark zu schaffen. Wie wirkt sich das auf die Einzelhändler im Schwarzwald-Baar-Kreis aus?

Der Juwelier

Tobias Mardorf, Inhaber des Juweliergeschäftes Mardorf in Schwenningen, hat sein Geschäft während der Corona-Krise stärker auf den ...
Tobias Mardorf, Inhaber des Juweliergeschäftes Mardorf in Schwenningen, hat sein Geschäft während der Corona-Krise stärker auf den Dienstleistungssektor verlagert. | Bild: Dominik Zahorka

Tobias Mardorf, Inhaber des Juweliergeschäftes Mardorf in VS-Schwenningen, sagt: „Mir geht es gut, ich habe sehr viele Stammkunden und mache viele Reparaturen und Serviceleistungen.“ Der Dienstleistungssektor sorge dafür, dass sein Geschäft weiterhin gut laufe.

„Nach zwei Jahren Corona merkt man natürlich schon, dass sich das Kaufverhalten der Menschen verändert hat. Natürlich sind viele Leute verhaltener und überlegen sich genau, wofür das Geld ausgegeben wird, auch wenn man nicht weiß, wie teuer eine warme Wohnung im Winter sein wird“, stellt Mardorf fest.

„Viele Leute sind verhaltener und überlegen sich genau, wofür das Geld ausgegeben wird.“
Tobias Mardorf, Einzelhändler in VS-Schwenningen

Es sei ein Teufelskreis, die Leute würden weniger einkaufen, was dazu führe, dass weniger Produkte hergestellt würden. Dies bringe wiederum viele Firmen, auch international, in die Insolvenz. „Wir sind sehr vorsichtig geworden, kaufen kaum neue Ware ein und konzentrieren uns eher auf den Abverkauf der vorhandenen Bestände, das ist sicherer, als momentan ins Risiko zu gehen“, gibt Mardorf zu.

Die Wäschehändlerin

Conny Brix besitzt ein Unterwäschegeschäft in der Bad Dürrheimer Friedrichstraße. Auch ihr machen Lieferketten zu schaffen.
Conny Brix besitzt ein Unterwäschegeschäft in der Bad Dürrheimer Friedrichstraße. Auch ihr machen Lieferketten zu schaffen. | Bild: Dominik Zahorka

Conny Brix, die ein Unterwäschegeschäft in der Bad Dürrheimer Friedrichstraße besitzt, sagt: „Die Verzögerung der Lieferketten bekommen auch wir deutlich zu spüren.“ Viele Firmen müssten Konkurs anmelden und so komme es immer wieder zu Engpässen bei der Materialversorgung.

„Die Leute sind sehr vorsichtig geworden, was sie kaufen. Ein Blick in die Zukunft ist deshalb ganz schwer, auch weil noch unklar ist, wie sich die Energiekrise weiter gestaltet“, beschreibt Brix die Lage. Nach Corona hätten viele kleine Unternehmer privat in ihre Geschäfte investiert – mit der Hoffnung auf baldige Normalität.

„Die Leute sind sehr vorsichtig geworden, was sie kaufen.“
Conny Brix, Einzelhändlerin in Bad Dürrheim

In der jetzigen Situation sei eine längerfristige Planung aber nahezu unmöglich und ein „Fahren auf Sicht“ für viele, gerade kleinere Geschäfte, der einzige Weg, um sich über Wasser zu halten.

Die Modeverkäuferin

Margret Wagner, Inhaberin der Boutique Modelia in Bad Dürrheim schaut optimistisch in die Zukunft. Die Modebranche konnte sich mit neuen ...
Margret Wagner, Inhaberin der Boutique Modelia in Bad Dürrheim schaut optimistisch in die Zukunft. Die Modebranche konnte sich mit neuen Impulsen bisher gut durch die Krise retten. | Bild: Dominik Zahorka

Margret Wagner, Inhaberin der Boutique Modelia in Bad Dürrheim, berichtet: „Nach den beiden Pandemie-Jahren, der aktuellen Krise und der Inflationsentwicklung liegt natürlich schon eine gewisse vorsichtige Kaufenthaltung vor.“

Gleichzeitig spüre man aber gerade im Modebereich die Sehnsucht der Menschen nach Neuem, nach Schönem und nach etwas Normalität.

„Was uns zukünftig erwartet wissen wir natürlich auch nicht genau.“
Margaret Wagner, Einzelhändlerin in Bad Dürrheim

Die Modehersteller hätten trotz Pandemie und Krise zahlreiche interessante Kollektionen auf den Markt gebracht, was dazu beigetragen habe, dass die Modebranche, trotz vereinzelter Lieferengpässe, bisher ganz gut durch die Krise gekommen sei und man sich eigentlich nicht beklagen könne. „Was uns zukünftig erwartet wissen wir natürlich auch nicht genau, ich bleibe aber optimistisch und hoffe, dass wir trotz drohender Energiekrise gut durchkommen“, meint Wagner.

Der Musikalienhändler

Patrick Ziegler, Inhaber des Musikgeschäftes Guitarra in Villingen, leidet unter den erschwerten Lieferketten in der Musikbranche.
Patrick Ziegler, Inhaber des Musikgeschäftes Guitarra in Villingen, leidet unter den erschwerten Lieferketten in der Musikbranche. | Bild: Dominik Zahorka

Patrick Ziegler ist der Inhaber des Musikgeschäftes Guitarra in VS-Villingen. Für ihn gestaltet sich die momentane Situation nicht ganz so positiv. „Die Wirtschaftslage in der Musikbranche ist angespannt. Sogar Läden in größeren Städten haben starke Probleme“, berichtet er.

Das größte Problem seien momentan die Lieferketten: „Anfang des Jahres habe ich für einen Kunden Gitarrenverstärker bestellt, jetzt sind sie endlich angekommen. Das ist natürlich tragisch“, gibt Ziegler zu. Die Situation mache Angst vor der Zukunft, da man nicht wissen könne, ob die Kunden bei solchen Lieferzeiten die bestellte Ware überhaupt noch abnehmen würden.

„Sogar Läden in größeren Städten haben starke Probleme.“
Patrick Ziegler, Einzelhändler in VS-Villingen

Auch mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft lasse diese Entwicklung nichts Gutes erahnen. Diese unsichere, nicht planbare Situation ginge mittlerweile vielen Einzelhändlern stark an die Psyche.

Der Reformhändler

Olaf Schrempp, Inhaber des Reformhaus Schrempp in Villingen, konnte sein Geschäft auch während der Corona-Krise unverändert weiterführen.
Olaf Schrempp, Inhaber des Reformhaus Schrempp in Villingen, konnte sein Geschäft auch während der Corona-Krise unverändert weiterführen. | Bild: Dominik Zahorka

Olaf Schrempp, Inhaber des Reformhaus Schrempp in VS-Villingen, geht es bedeutend besser: „Wir Lebensmittelläden waren schon in der Corona-Zeit systemrelevant und durften offen bleiben. Aus diesem Grund spüren wir die Krise nicht ganz so stark wie andere Branchen“, erklärt er.

Allerdings würden unterbrochene Lieferketten mehr und mehr zu Problemen und Ausfällen führen: „Wenn ein Kartonagenhersteller seine Maschinen lieber stehenlässt, weil sich die Produktion bei den hohen Energiekosten nicht mehr lohnt und auch Glashersteller nicht mehr liefern können, bekommen wir ein ganz grundsätzliches Problem“, sagt Schrempp.

„Wenn Glashersteller nicht mehr liefern können, bekommen wir ein ganz grundsätzliches Problem.“
Olaf Schrempp, Einzelhändler in VS-Villingen

Da aber sein Geschäft nicht besonders energieintensiv sei und er den Laden größtenteils mit LED-Lampen beleuchte, sei seine Angst vor steigenden Energiepreisen auch nicht besonders hoch.

Der Lederwarenverkäufer

Hanspeter Hügel, Inhaber von Lederwaren Hügel in Villingen, merkt bisher noch nichts von der Krise.
Hanspeter Hügel, Inhaber von Lederwaren Hügel in Villingen, merkt bisher noch nichts von der Krise. | Bild: Dominik Zahorka

Hanspeter Hügel, Inhaber von Lederwaren Hügel in Villingen, sagt: „Momentan spüre ich noch nichts von der Krise. Das Geschäft lief in den vergangenen Monaten sogar besser als erwartet.“

Er habe nicht erwartet, dass sich das Jahr so positiv gestalten würde.

„Ich schaue allerdings sehr misstrauisch in die Zukunft.“
Hanspeter Hügel, Einzelhändler in VS-Villingen

Aber: „Wie teuer wird die Energie? Wie groß ist die Lust der Menschen dann noch einzukaufen? Das alles sind Ungewissheiten“, betont Hügel.