Was ist nur mit dem Briefträger los? Viele Bürger, bei denen der Gang zum Hausbriefkasten zur täglichen Routine gehört, haben es inzwischen bemerkt: Bei der Briefzustellung ist zurzeit der Wurm drin.

Anfang Juli hatte die Pressestelle der Deutschen Post DHL Group, wie das Unternehmen heißt, auf SÜDKURIER-Anfrage bestätigt: Ja, es gibt Probleme bei der Briefzustellung. Grund: Akuter Personalmangel.

Bürger spüren die Verzögerungen

Eine wachsende Anzahl von Bürgern bekommt dies jetzt auch im Schwarzwald-Baar-Kreis zu spüren. Tagelang ist der Briefkasten leer, manchmal sogar eine ganze Woche. Dann liegt auf einmal wieder ein ganzer Schwung von Zusendungen im Kasten.

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Das ist besonders ärgerlich, wenn Menschen auf dringende Nachrichten warten. Oder schlimmer: Wenn schwer kranke Menschen auf dem Land sich dringend benötigte Rezepte vom Hausarzt zuschicken lassen. Doch das Rezept kommt und kommt nicht. Selbiges ist vergangene Woche dem Ehepaar Schifferdecker in Mönchweiler passiert. Einem Schwenninger Unternehmer wurde dieser Tage vom DHL-Kundenservice telefonisch beschieden, dass in seinem Bezirk die Briefe nur noch zweimal die Woche verteilt werden. Grund: Es fehle an Zustellern.

Zusteller der Post bestätigten dies auf Nachfragen. Und zwar recht drastisch. Für die rund 50 Zustellbezirke, die vom Stützpunkt auf Herdenen betreut werden, gibt es nach unabhängigen Aussagen mehrerer Beschäftigter derzeit nur noch 20 bis 25 Zusteller. Die Mannschaft wäre damit quasi halbiert.

Was bedeutet, so wird dem SÜDKURIER berichtet, dass die Briefträger zurzeit zwei oder drei Bezirke abdecken müssen, da ja auch Urlaube und freie Tage anfallen. Die Zeiten, als ein Zusteller Feierabend machen konnte, wenn sein Bezirk geschafft war, seien vorbei. Doch zwei oder drei Bezirke an einem Tag schafften auch die besten Kräfte oft nicht. So bleibe immer wieder viel Post auf dem Stützpunkt liegen.

Der Arbeitsdruck auf die Zusteller wächst

Öffentlich mit Namen äußern können und wollen sich die Postzusteller aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht. Doch mehrere Befragte äußerten unabhängig und übereinstimmend: Durch den Personalmangel nehme der Stress für die Verbliebenen, die die Lücken füllen müssen, immens zu. Ein Sommerloch in der Ferienzeit wie früher bei der Postzustellung gebe es nicht mehr. Was auch daran liege, dass die Zahl der Pakete durch Internet-Bestellungen seit Jahren ständig zunimmt.

Die Briefträger der Deutschen Post arbeiten mit Hochdruck, sind aber in vielen Fällen einfach überlastet. Hier ein Symbolbild.
Die Briefträger der Deutschen Post arbeiten mit Hochdruck, sind aber in vielen Fällen einfach überlastet. Hier ein Symbolbild. | Bild: Arne Dedert/dpa

Die Personalfluktuation sei entsprechend hoch. In den vergangenen Monaten seien rund ein Dutzend langjähriger Mitarbeiter des Stützpunktes ausgestiegen. Aus Altersgründen zum einen, so berichten Insider, oder, weil sie sich die zunehmenden Belastungen nicht mehr zumuten wollten oder konnten. Diese Leute fehlen jetzt.

Vorwurf: Zeitverträge im Frühjahr nicht verlängert

Völlig unverständlich für die Postler: Im Frühjahr, berichten sie, habe ihr Betrieb befristete Verträge mehrerer Aushilfszusteller, die gerne verlängert hätten, bewusst auslaufen lassen. Dabei sei absehbar gewesen, dass die Leute benötigt würden. Jetzt klemme es an allen Ecken und Enden.

Die verbliebenen Zusteller sind damit die Gehetzten. Sie behelfen sich nach Aussagen von Betroffenen auf ihre Weise: Sie liefern zuerst aus, was schnell gehen muss wie Pakete, Expresssendungen oder Einschreiben. Die normalen Standardbrief blieben dann, je nach Personallage, auch mal Tage liegen.

Die Post dementiert

Und was sagt der Arbeitgeber, die Deutsche Post DHL Group, dazu? Der Konzern dementiert, dass im Bereich des Zustellstützpunktes Herdenen nur noch 50 Prozent Zusteller im Einsatz seien. „Dies ist definitiv nicht zutreffend. Wie in vielen anderen Firmen auch, haben wir aktuell Probleme, Personal zu finden. Aber dass wir nur 50 Prozent unserer Zustelltouren besetzen können, ist nicht korrekt“, beteuert Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath, bei der Deutschen Post DHL Group zuständig für die „Regionale Kommunikation Süd“ mit Sitz in München.

Allerdings: Wie viele Mitarbeiter aktuell tatsächlich im Bereich des Stützpunktes Herdenen in der Zustellung arbeiten, darüber schweigt sich das Unternehmen aus.

„Aktuelle Lage extrem herausfordernd“

Allgemein räumt der Pressesprecher aber ein: „Sicher ist die aktuelle Lage für uns – insbesondere auch für die Zustellerinnen und Zusteller – extrem herausfordernd und anstrengend. Unsere Leitlinie ist aber weiterhin: Überlastungen vermeiden.“

Besser ist es, seine Briefe zeitig einzuwerfen. Die Zustellung kann sich verzögern.
Besser ist es, seine Briefe zeitig einzuwerfen. Die Zustellung kann sich verzögern. | Bild: Göbel, Nathalie

Den Vorwurf, dass der Zustellstützpunkt Herdenen im Frühjahr eine ganze Reihe von Verträgen von Aushilfskräften hat einfach auslaufen lassen, will die Post nicht kommentieren. „Sicher verstehen Sie, dass wir über Interna nicht in der Öffentlichkeit sprechen“, erklärt der Pressesprecher.

Lieber spricht er über die Vorzüge des Unternehmens. Die Post sei „ein attraktiver Arbeitgeber und auch in dieser Region stets auf der Suche nach neuen Mitarbeitern“. Das Unternehmen zahle nach Tarif und stelle auch „optimale Arbeitskleidung und Betriebsmittel bereit“. Neue Mitarbeiter würden nach einem standardisierten Verfahren eingelernt.

Taggleiche Zustellung bleibt das Ziel

Zu den Problemen in der Zustellung stellt Pressesprecher Nawrath fest: „Ziel ist es, unsere Kunden mit gewohnter Qualität einer taggleichen Zustellung zufrieden zu stellen. Dies kann auf Grund des fehlenden Personals – wie bereits erwähnt – aktuell nicht sichergestellt werden. Daher kann es zu verzögerten Sendungen kommen.“ Eine geregelte Zustellung nur noch einmal die Woche sei aber, so der Postsprecher, „undenkbar“.

Kurzfristige Besserung „unwahrscheinlich“

Baldige Besserung mag die Post nicht versprechen: „Durch die gerade beginnende Haupturlaubszeit ist eine kurzfristige Behebung des Personalengpasses eher unwahrscheinlich.“ Aber: „Perspektivisch sind wir vorsichtig optimistisch, die Zustellung wie gewohnt anbieten zu können.“