Seit rund drei Jahren gibt es fast täglich Neuigkeiten rund um das Thema Breitbandausbau in der Region. An einem Tag wird eine Gemeinde angeschlossen, am nächsten findet am anderen Ende der Kreisgrenze eine Infoveranstaltung statt oder die ersten Hausanschlüsse werden verlegt. Auf den ersten Blick mag das unübersichtlich erscheinen. Doch hinter all diesen Teilprojekten steckt System, koordiniert vom Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar mit Sitz in Donaueschingen. Hier laufen die Fäden des in Baden-Württemberg einzigartigen Projektes zusammen. Im SÜDKURIER-Interview erklärt Geschäftsführer Jochen Cabanis, wie der Glasfaserausbau funktioniert, wie der aktuelle Stand ist – und er wagt einen Blick in die Zukunft.

Herr Cabanis, was ist der Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar und wer steckt dahinter?

Der Zweckverband wurde 2014 gegründet. Alle 20 Kommunen im Landkreis sowie der Landkreis selbst sind gleichberechtigt beteiligt. Wir sind mittlerweile ein Team von elf festen Mitarbeitern. Unsere Büros sind in der Landratsamt-Außenstelle Donaueschingen. Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2025 alle 55 000 Gebäude im Kreis mit rund 110 000 Haushalten an das schnelle Glasfasernetz anzubinden.

Warum wurde der Zweckverband gegründet? Liegt diese Aufgabe nicht eher bei den Telekommunikationsunternehmen?

Die Industrie investiert im ländlichen Raum zu wenig. Die Unternehmen versuchen meist, mit möglichst wenig Geld viele Menschen oder Unternehmen zu erreichen, was ich ja auch verstehe. Das funktioniert also in größeren Städten und in Industriegebieten, aber nicht auf dem Land. Für uns sind alle Bürger gleich wichtig. Wir wollen alle erreichen. Eine schnelle Datenanbindung ist ein wichtiger Standortfaktor. Neben funktionierenden Städten, Schulen, Vereinen, der Daseinsvorsorge, guten Straßen und Schienenverkehr ist heutzutage auch eine flächendeckende Breitbandversorgung wichtig, um die Menschen in der Region zu halten. Zudem haben wir hier einen wahnsinnig starken Mittelstand. Mit dem Glasfaserausbau fördern und sichern wir Arbeitsplätze im Landkreis.

Warum ist das Projekt einzigartig in Baden-Württemberg?

Weil hier wirklich alle 20 Gemeinden sowie der Landkreis an einem Strang ziehen. Es gibt ähnliche Projekte im Land, doch die Geschlossenheit und unser Ziel, wirklich alle Bürger zu erreichen, sind einmalig. Wir versuchen so, die großen Städte vom Land aus zu überholen.

Wie sind die Aufgaben beim Breitbandausbau aufgeteilt? Wer trägt welche Kosten?

Der Landkreis trägt die Kosten für das Backbone-Netz. Der Ausbau der einzelnen Ortsnetze wird von jeder Kommune selbst finanziert. Die Kosten für die Hausanschlüsse – also die Strecke von der Grundstücksgrenze bis ins Haus – tragen die Bürger. Der Zweckverband plant und organisiert den Ausbau des Glasfasernetzes. Für den Netzbetrieb hat die Firma Stiegeler aus Schönau den Zuschlag bekommen. Um Telefon, Internet und Fernsehen nutzen zu können, schließen die Kunden mit Stiegeler einen Vertrag ab. Von Anfang an können sich aber auch andere Anbieter in unser Netz einmieten und den Kunden entsprechende Dienste anbieten.

Wie zukunftsfähig ist das Glasfaser-netz?

Die Glasfaserleitung bis zum Haus ist derzeit die schnellste Möglichkeit, Daten zu übertragen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hausanschlüssen über Telefon- und Kabelanschlüsse, die über ein Kupferkabel funktionieren, sind über ein Glasfasernetz viel höhere Bandbreiten möglich mit bis zu 10 000 Megabits pro Sekunde, in beide Richtungen. Aktuell bietet Stiegeler seinen Kunden im Standardvertrag 100 Megabits im Download und 40 Megabits im Upload an. Wir bremsen die Geschwindigkeit momentan aus, können das aber jederzeit nach oben hin anpassen, wenn der Bedarf der Menschen steigt. Im Vergleich: Über Kupferleitungen sind derzeit maximal 50 bis 100 Megabits möglich, was am Ende jedoch nicht immer ankommt. Die Bandbreite wird bei diesen Anschlüssen von mehreren Teilnehmern geteilt. Bei uns kommt das beim Kunden an, was draufsteht.

Wie ist der aktuelle Stand des Ausbaus?

Ende 2017 werden wir vermutlich rund 10 000 Gebäude an das Glasfasernetz angeschlossen haben. Ende 2018 rechne ich mit rund 15 000 Anschlüssen. Das Backbone-Netz wird 2018 fertig sein. Das bedeutet, dass unsere Glasfaserleitung in allen 20 Kommunen sowie den Ortsteilen angekommen ist. Danach müssen nur noch die Ortsnetze entwickelt werden. Beim weiteren Ausbau achten wir immer darauf, wo der Bedarf am größten ist. Dort machen wir dann weiter.

Sie wollen alle Bürger erreichen. Ist das überhaupt möglich? Ich denke da an zahlreiche weit abgelegene Bauernhöfe und Wohnhäuser.

Wir versuchen es auf jeden Fall. In Schonach wollen wir in diesem Jahr auch die Außenbezirke ausbauen. Wir reden davor intensiv mit den Bürgern und suchen nach Synergien, nutzen bestehende Strukturen. Häufig sind in solchen Gebieten das Abwasser und die Wasserversorgung auch ein Thema. Wir mieten oder pachten zum Beispiel Leerrohrsysteme der Energieversorger an. Aber auch Hochleitungen sind denkbar. Dabei ist es wichtig immer abzuwägen, wie groß der Bedarf ist und wie eine Kommune das finanzieren kann.

Sie nutzen viele Möglichkeiten für den Ausbau: Leerrohre, Überlandleitungen, bestehende Glasfasernetze und die Kupferleitungen auf den letzten Metern zu den Kunden. Wird das Netz so nicht zu verworren und zu kleinteilig?

Nein. Dafür gibt es ja einen Betreiber. Stiegeler hat unser Netz nicht nur gepachtet, sondern kümmert sich auch um das Netzmanagement. Die Firma hat damit viel Erfahrung. Bei der Planung und während des Baus arbeiten wir mit Planungsbüros zusammen. Das Schöne daran ist: Viele dieser Spezialisten haben in Furtwangen studiert.

Was war bislang die schwierigste Aufgabe? Gab es schon größere Probleme?

Es gibt immer wieder kleinere Probleme. Aber wir bemühen uns, dass alles nach Normen und Rechten abläuft und hoffen, dass die Kunden zufrieden sind. Das Schwierigste war jedoch, unser heutiges Team von elf Mitarbeitern aufzubauen. Der Ingenieur-Markt ist weitestgehend abgegrast. Es hat aber auch Spaß gemacht, so etwas von Null aufzubauen.

2025 soll alles fertig sein. Was macht der Zweckverband nach dieser Zeit?

Eine schöne Frage, die ich auch privat immer wieder gestellt bekomme. Man kann es so verstehen: Was wir gerade machen, ist der Anfang. 2025 werden die privaten Haushalte und die Indus-trie versorgt sein. Das Thema Mobilfunk ist jedoch nicht anders gelagert. Alle Mobilfunkmasten müssen künftig mit Glasfaser angeschlossen werden, um die stetig wachsende mobile Datenflut zu bewältigen. Man muss künftig über öffentliche WLAN-Netze nachdenken. All diese Techniken werden wir in Zukunft als Grundlage für viele andere Bereiche benötigen. Ich denke da an autonomes Fahren, den Stadtbusverkehr oder Anwendungen in der medizinischen Versorgung auf dem Land.

Fragen: Jens Fröhlich

 

 

 

Zufriedene Kunden in VS-Pfaffenweiler trotz Übergangslösung mit Kupferkabel

Ende 2018 sollen 15 000 von insgesamt 55 000 Hausanschlüssen im Kreis an das schnelle Netz angebunden sein. Doch wie gut ist der neue Glasfaseranschluss? Wird die versprochene Datengeschwindigkeit eingehalten? Wie verändert die Glasfaser das Nutzungsverhalten der Bürger? Der SÜDKURIER hat nachgefragt

Im August vergangenen Jahres erreichte die neue Datenautobahn VS-Pfaffenweiler. In Teilen des Ortes konnten erste Häuser direkt an das Glasfasernetz angeschlossen werden. In einigen Straßen werden die letzten Meter noch über Kupferleitungen überbrückt. Dennoch sind seither Datenraten bis 50 Megabit (Mbit) pro Sekunde möglich. Nur in Tannheim, Pfaffenweiler und Schonach nutzt der Zweckverband als Übergangslösung noch alte Hausanschlüsse über Kupferkabel.

Markus Reuter aus VS-Pfaffenweiler freut sich über die neue, schnelle Datenverbindung, obwohl der Datenverkehr bei ihm noch über ein Kupferkabel läuft.
Markus Reuter aus VS-Pfaffenweiler freut sich über die neue, schnelle Datenverbindung, obwohl der Datenverkehr bei ihm noch über ein Kupferkabel läuft.

Markus Reuter wohnt in der Hauptstraße 35, rund 400 Meter Luftlinie vom nächsten Glasfaser-Knotenpunkt entfernt. Im März hat er einen Vertrag mit der Firma Stiegeler IT abgeschlossen, nachdem sein Telekom-Vertrag ausgelaufen war. „Das hat alles super funktioniert“, freut er sich. Vom ersten Tag an hatte er die versprochene Leistung, ohne Ausfälle und Probleme. In Zahlen ausgedrückt sind das rund 35 Mbit Downloadgeschwindigkeit und über 10 Mbit beim Hochladen, wie ein Geschwindigkeitstest vor Ort ergab.

Die Differenz zu den versprochenen 50 Mbit ist der Kupferleitung bis zum Verteilerpunkt geschuldet. Für Reuter ist das verschmerzbar, zumal er bislang mit maximal einem Mbit im Netz unterwegs war und regelmäßig mit Verbindungsproblemen zu kämpfen hatte. Auch sein Telefon funktioniert seither über den neuen Anschluss. „Stiegeler hat sich um die Umstellung, die Übernahme der Rufnummer sowie die Kündigung des alten Vertrages gekümmert. Das war alles ganz einfach. Die Geräte wurden vorkonfiguriert geliefert. Wir mussten nur noch einstecken“, erzählt der 35-Jährige.

Steffen Beha ist zufrieden mit dem schnellen Internet in VS-Pfaffenweiler.
Steffen Beha ist zufrieden mit dem schnellen Internet in VS-Pfaffenweiler.

Ganz ähnlich erging es Steffen Beha. Auch in seiner Straße ist die Glasfaser noch nicht direkt angekommen. Doch weil er nur 150 Meter vom Verteiler entfernt wohnt, surft seine Familie seit Ende 2016 mit rund 46 Mbit Downloadgeschwindigkeit im Netz. Bis auf eine Anschlussgebühr von 79 Euro habe ihn die Umstellung nichts gekostet. „Einen neuen Router habe ich mir noch gegönnt“, ergänzt er. Diesen habe er über Stiegeler unter dem normalen Marktpreis erworben. Für seine Telefon- und Internetflatrate zahlt er monatlich knapp 45 Euro. An die Zeit vor der Umstellung erinnert er sich nicht gerne: „Ein Steuersoftware-Update hat vier Stunden gedauert.“ Das Surfen im Netz sei eine Qual gewesen, so der 35-Jährige. Heute nutzt er verschiedene Streaming-Dienste ohne Probleme, alles direkt über den Fernseher. Geräte wie Smartphone, Tablet und Laptop sind stets kabellos über das WLAN-Netzwerk mit dem Internet verbunden. Auch Markus Reuter freut sich über die neuen Freiheiten: „Als Erstes habe ich meinen alten Handyvertrag umgestellt, da ich nun nicht mehr so viel Datenvolumen benötige.

“ Sein Breitband-Fazit: „Wenn das Angebot diese Qualität hält, ist es einwandfrei.“ Auch Steffen Beha hat nichts auszusetzen und lobt den Betreiber: „Ich bin sehr zufrieden. Einmal gab es bei einem Gewitter einen Ausfall. Nach einem Anruf wurde die Störung aber schnell behoben.“ (jef)

 

Videointerview mit Jochen Cabanis