Das Wichtigste kam zum Schluss: „Wer die Zeitung liest, muss keine Angst haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken“, sagte Markus Egert schmunzelnd. Sollte das Coronavirus mal auf dem Papier gewesen sein, ist es längst inaktiv, wenn es beim Leser ankommt. Der Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen war einer von fünf Gästen, die am Donnerstagabend Fragen von SÜDKURIER-Lesern in Villingen beantwortet haben.

Neben Egert, waren Josef Herdner, Bürgermeister von Furtwangen, Michael Ehret, Hausarzt in Villingen-Schwenningen, Barbara Hendricks-Kaiser, Schulleiterin des Hauswirtschaftlichen Schulzentrums Villingen-Schwenningen, und Martin Ballof, Kreishandwerksmeister, im Möbelhaus Wiebelt in Villingen zu Gast.

Von links: Josef Herdner, Bürgermeister von Furtwangen, Martin Ballof, Kreishandwerksmeister, Barbara Hendricks-Kaiser, Schulleiterin des Hauswirtschaftlichen Schulzentrums VS, Markus Egert, Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen, Michael Ehren, Hausarzt in VS, und Redaktionsleiter Norbert Trippl.
Von links: Josef Herdner, Bürgermeister von Furtwangen, Martin Ballof, Kreishandwerksmeister, Barbara Hendricks-Kaiser, Schulleiterin des Hauswirtschaftlichen Schulzentrums VS, Markus Egert, Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen, Michael Ehren, Hausarzt in VS, und Redaktionsleiter Norbert Trippl. | Bild: Fröhlich, Jens

Weil es derzeit schwer ist, überhaupt Veranstaltungsräume zu finden, musste diese eher ungewöhnliche Lokalität herhalten. Übertragen wurde die Diskussion live auf der Internetseite des SÜDKURIER. Moderiert wurde die Veranstaltung, die nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Stadt VS und unter Einhaltung des Mindesabstands stattfinden konnte, von Redaktionsleiter Norbert Trippl.

Ungewöhnliche Location: Das Möbelhaus Wiebelt in Villingen diente als Gesprächsraum.
Ungewöhnliche Location: Das Möbelhaus Wiebelt in Villingen diente als Gesprächsraum. | Bild: Fröhlich, Jens

Hausarzt Ehret war direkt aus seiner Praxis zur Diskussion gekommen. Die Gefahr gehöre seit jeher zu seinem Job dazu, allerdings: „Wir begegnen Patienten mittlerweile mit einer gewissen kritischen Distanz – nicht nur über die 1,50 Meter, sondern auch von der inneren Einstellung, die eine ganz andere geworden ist.“ Sein Rat an seine Kollegen: Erkältungskrankheiten vorerst vor der Tür lassen und Kommunikation mit Patienten zunächst über das Telefon. Ehret weiter: „Den Rachen eines Patienten zu überprüfen ist derzeit mega gefährlich.“ Eine gute Nachricht brachte der Mediziner gleich zu Beginn mit: Es seien am Donnerstag endlich neue Schutzmasken angekommen.

Bild: Fröhlich, Jens

Mikrobiologe Egert stellte klar, dass Mundschutz Menschen nicht davor bewahren, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Sie helfen nur, dass man andere nicht ansteckt. Auf der Straße mit einer Maske oder einem Tuch vor dem Gesicht herumzulaufen, mache eigentlich keinen Sinn. Nur der Abstand zum anderen bringe etwas. Der Hygieneexperte sagt: „Wenn Leute jetzt mit Masken herumlaufen, um ihr Gewissen zu beruhigen, fehlen diese Masken etwa in Praxen oder Kliniken.“ Sein Rat: „Wenn ich eine Maske habe, bringe ich die lieber in die Apotheke oder in die Praxis nebenan und gebe sie den Menschen, die tagtäglich mit vielen anderen Menschen zu tun haben und daher gefährdeter sind.“ Das gleiche gelte auch für Desinfektionsmittel und Klopapier. Denn: „Die Ärzte und Pfleger sind den ganzen Tag auf der Arbeit. Wenn sie abends in den Supermarkt gehen, ist das Toilettenpapier ausverkauft.“

Hinter der Kamera.
Hinter der Kamera. | Bild: Fröhlich, Jens

Für Schulleiterin Hendricks-Kaiser ist die unterrichtsfreie Zeit keineswegs mit Freizeit zu vergleichen – ganz im Gegenteil. Das Sekretariat sei besetzt, das kommende Schuljahr müsse vorbereitet werden. Vor allem aber gehe es derzeit darum, den Betrieb am Laufen zu halten: „Wir versuchen in Gang zu bringen, dass unsere Kollegen auch von zu Hause aus möglichst gut unterrichten können. Wir haben eine Lernplattform eingerichtet und das E-Mail-System für die Schüler überarbeitet. Wir mussten Verschiedenes ausprobieren, weil wir auf so eine Situation nicht eingerichtet waren.“ Jeder bemühe sich sehr, dass alles funktioniert und dass kreative Lösungen gefunden werden. Wie gut der Telefunterricht letztlich klappt, könne man aber erst in einigen Wochen oder gar Monaten sehen.

Bild: Fröhlich, Jens

Auch Kreishandwerksmeister Ballof hat in der Coronakrise viel zu tun. Er versichert, dass alle Baustellen versorgt werden können. Man arbeite an der freien Luft und der Mindesabstand könne in den meisten Fällen gewahrt werden. Es gebe aber durchaus auch Aunahmen: „Ich habe in dieser Woche Randsteine verlegt. Die sind einen Meter lang und meistens schwer. Alleine kann man die nicht tragen und der Abstand von 1,50 Meter kann nicht eingehalten werden“, sagt der Kreishandwerksmeister. Es gebe viele offene Fragen. Wie kommen die Arbeiter gemeinsam zur Baustelle? Mehr Probleme hätten die Friseure. „Sie können derzeit einfach nicht mehr ihr tägliches Geld verdienen. Das ist ein großes Problem“, sagt Ballof weiter.

Bild: Fröhlich, Jens

Furtwangens Bürgermeister Herdner war der erste Rathauschef im Kreis, bei dem eine Schule wegen Corona schließen musste. Außerdem muss er darauf achten, dass seine Bürger stets genügend Abstand zueinander halten und sich an die Vorgaben halten. Er sagt: „Wegen der Rechtsverordnung des Landes wurde das öffentliche Leben von Tag zu Tag immer schneller nach unten gefahren. Das hat man auch in de Straßen gesehen – auch bei uns. Mittlerweile verhalten sich die Bürger sehr diszipliniert.“ Ein Vollzugsbeamte der Stadt Furtwangen kontrolliere täglich, ob etwa Speiselokale die Regeln einhalten und ob sich Menschen an die Zwei-Personen-Regelung halten. Es gebe derzeit noch kleinere Vergehen. Im Großen und Ganzen verhielten sich die Furtwanger aber sehr gut, worüber er froh sei.

Bild: Fröhlich, Jens

Vor und während der Veranstaltung waren etliche Fragen an den SÜDKURIER geschickt worden. Wer derzeit nicht unbedingt muss, solle lieber auf den Besuch beim Physiotherapeuten verzichten, sagt Hausarzt Ehret. Die Maßnahme, den Kontakt unter den Menschen möglichst gering zu halten, mache Sinn, sagt Mikrobiologe Egert. Schulleiterin Hendricks-Kaiser könne sich derzeit nicht vorstellen, dass die Schulen am Montag nach Ostern wieder mit allen Klassen starten werden.

Viele Fragen erreichte die SÜDKURIER-Redaktion.
Viele Fragen erreichte die SÜDKURIER-Redaktion. | Bild: Fröhlich, Jens

Familien, die derzeit Hilfe brauchen, könnten sich weiterhin an die Kommunen wenden, wie Bürgermeister Herdner sagt. Allerdings seien die Ämter derzeit stärker belastet als sonst. Dennoch rät er Familien, das Jugendamt oder andere Einrichtungen zu kontaktieren. In Furtwangen helfe beispielsweise auch die Bürgerstiftung weiter. Kreishandwerksmeister Ballof versichert, dass die Notdienste im Handwerk weiter aufrecht erhalten werden können. Es gebe aber eine Unsicherheit sowohl bei den Handwerkern, als auch den Kunden, ob der jeweils andere infiziert ist oder nicht.

Auch nach der Live-Diskussion gingen die Gespräche weiter.
Auch nach der Live-Diskussion gingen die Gespräche weiter. | Bild: Fröhlich, Jens

Neben diesen gab es am Donnerstagabend noch viele weitere Leserfragen an die Experten und Funktionsträger. Die ausführlichen Antworten lesen Sie in den nächsten Tagen im SÜDKURIER – online und in der Zeitung.