Dem Pferdesportteam (PST) Schwarzwald-Baar, einem der größten und erfolgreichsten Reitvereine in der weiten Umgebung, droht das endgültige Aus. Nach der Kündigung des Pächters am Pferdesportzentrum (PSZ) Oberer Neckar in Dauchingen steht der Verein ab März ohne Trainingsanlage und ohne Schulpferde da. 120 Kinder und Jugendliche müssen dann Abschied von ihren Lieblingspferden nehmen. Damit stirbt nach dem benachbarten Reit- und Fahrverein Niedereschach Ende 2016 innerhalb weniger Jahre nun schon der zweite Reitverein in der Region.

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Insolvenz Anfang November

Anfang November hatte die Inhaberin der Anlage vor den Toren Dauchingens Insolvenz angemeldet. Die Frau hatte den Hof gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem jetzigen Pächter, geführt, die Anlage jedoch nach der persönlichen Trennung verlassen. Seit Wochen liefen nun die Rettungsversuche von Pächter, Mitgliedern und Investoren für den Reiterhof auf Hochtouren – wohl vergeblich. Mit einem Berater der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wurde nach Angaben der Verantwortlichen ein Konzept erstellt, um künftig wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein Kaufangebot, das den Hof retten sollte, sei als zu niedrig abgelehnt worden. Weitere Gespräche kamen offenbar bislang nicht zustande. Stattdessen folgte die Kündigung des Pachtvertrags sowie vor wenigen Tagen die Kündigung sämtlicher Pferdeboxen von Privatpferden. Die Folge: Voraussichtlich schon in wenigen Tagen wird es auf dem ehemaligen Grenzlandhof keine Reitstunden mehr geben.

Strolchi und Sophia sind ein eingespieltes Team.
Strolchi und Sophia sind ein eingespieltes Team. | Bild: Burger, Tatjana

120 Kinder sind ratlos

Die Verantwortlichen vom Pferdesportteam Schwarzwald-Baar machen sich nun große Sorgen um die über 120 Kinder, die hier seit 2016 trainiert und das Reiten gelernt haben. „Die Kinder verlieren ihre Pferde und Ponys und den tollen Reitunterricht“, sagt Kerstin Hornung, Sportwartin und Gründungsmitglied des Vereins, traurig. Da der Verein keine eigenen Schulpferde und keine eigene Anlage besitzt, steht er mit dem Weggang des Pächters mit seinen 25 Schulpferden nun vor dem Ende. Die Reitschüler, so Hornung, werden sich nun wohl in alle Winde zerstreuen.

„Hier fließen viele Tränen, das geht mit großer Trauer einher“, so die Sportwartin. Die „tolle Gemeinschaft“ unter den Kindern, aber auch den Eltern werde nun zerstört. Erst 2018 hatte das Pferdesportteam sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Der Verein hatte sich vor allem der Förderung des Reiternachwuchses verschrieben. Auf zahlreichen Turnieren in ganz Baden-Württemberg feierten die PST-Reiter ihre kleineren und großen Erfolge. Mehrere Vereinsmitglieder schafften es sogar in die Landes- und Regionalkader, beim internationalen Turnier CHI in Donaueschingen im vergangenen Sommer hatten die Reiter des Pferdesportteams den Sieg im Mannschaftsspringen geholt. Auch Kinder, die sich kein eigenes Pferd leisten können, bekamen die Möglichkeit, auf hochwertigen Pferden an zahlreichen Turnieren teilzunehmen. Dieses in der Region nahezu einmalige Angebot sollte beim PST in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden.

Ein Angebot wurde abgelehnt

Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der mit der Insolvenz betrauten Kanzlei Schultze & Braun, bestätigte auf Anfrage im Namen der vorläufigen Insolvenz­ verwalterin Elke Bäuerle die Kündigung des Pachtvertrages spätestens zu Ende Februar: „Ziel ist es, den Hof anschließend an einen seriösen Investor zu veräußern.“ Ein „verhandlungsfähiges Angebot“ liege derzeit noch nicht vor, so Schorlemmer. Zu einem bereits abgelehnten Angebot wollte der Pressesprecher keine Stellungnahme abgeben. Ein „gezielte Ansprache möglicher Interessenten“ werde es erst nach dem Auslaufen des Pachtvertrags geben. Ziel sei es, „einen seriösen Betreiber für die die Pferdesportanlage zu finden“, den Pferdehof zu erhalten und dort in Zukunft auch wieder Reitunterricht anzubieten. Einen Zeitplan hierfür gebe es jedoch nicht.

Kein Interesse an Fortführung?

Also werden die Pferde nun den Stall verlassen, in der Reithalle wird Stille einkehren. „Für die Kinder ist das wie ein zweites Zuhause, die verbringen ganze Nachmittage hier“, erzählt Pferdebesitzerin Steffi Schilling. Dementsprechend groß ist die Trauer – und bei manchen auch das Unverständnis. Bei einem Telefonat mit der Kanzlei der vorläufigen Insolvenzverwalterin sei ihm wortwörtlich gesagt worden, dass keinerlei Interesse bestehe, die Anlage mit dem langjährigen Trainer des Vereins fortzuführen, berichtet beispielsweise Pferdebesitzer und Vater Wilhelm Schäfer. Pressesprecher Schorlemmer wollte dies auf SÜDKURIER-Anfrage nicht kommentieren.

Viele Mitglieder fürchten nun, dass die Anlage leer gemacht und an einen reichen Investor verkauft werden soll. „Und unsere Kinder haben das Nachsehen“, so Steffi Schilling. Die hatten sich nach der Nachricht vom Aus der Reitanlage übrigens selbst einen Rettungsplan für „ihren“ Hof überlegt. Mit einem Waffelverkauf wollten sie ihren Lieblingsort retten. Doch auch dies wird wohl nicht mehr helfen.