Schweren Herzens musste der Bachheimer Narrenverein auch in diesem Jahr die Pfingstwandertage absagen. Nun schon zum zweiten Mal werden die traditionsreichen Wander- und Kulturtage der Coronapandemie zum Opfer fallen. Der 366 Einwohner zählende Löffinger Ortsteil ist durch zwei jährlich wiederkehrende Ereignisse weit über die Heimatgrenzen hinaus bekannt.

Wandertage bereits seit 1973

Die Pfingstwandertage hatte der Narrenverein 1973 ins Leben gerufen. Daraus wurde eine Kooperation zwischen Gemeinde und Verein, die sich schon längst dauerhaft etabliert hat.

Der Narrenverein Bachheim wurde 1958 gegründet. 1973 wurde die Zunft der Burgmüller ins Leben gerufen. Das Motiv, so kann man in der Chronik lesen, entstand aus einer Erzählung des Dichters Viktor von Scheffel. So soll es im Jahr 1188 in der Fastnachtszeit einen Kampf an der Gauchachbrücke zwischen dem Landvogt aus Almendshofen und dem Burgmüller und seinen Knappen gegeben haben.

Aus Geldnot eine Tugend gemacht

1973 sollten nun die fasnächtlichen Burgmüller mit einem entsprechenden Gewand bekleidet werden. Doch dem Narrenverein fehlte das Geld. So wurde mit der Gemeinde eine Arbeitskraft beim Bau eines Wanderwegs durch die damals kaum erschlossene Engeschlucht angeboten. Dafür übernahm die damals noch selbständige Gemeinde Bachheim die Häskosten für die Burgmüller.

Noch ist die Engeschlucht gesperrt. Es gilt als zu gefährlich, dort zu wandern.
Noch ist die Engeschlucht gesperrt. Es gilt als zu gefährlich, dort zu wandern. | Bild: Gerold Bächle

Zur Einweihung des Weges durch die Engeschlucht – ein Mühlstein erinnert am Eingang daran – wurde ein kleines Fest gefeiert. Daraus entwickelten sich die Pfingstwandertage, zunächst mit einem kleinen Festzelt ohne Strom- und Wasseranschluss, heute an der Kiesstraße mit großem eigenen Zelt und der Mithilfe der Bachheimer Vereine und der Bevölkerung.

Die Wandertage sind auch ein Musikevent

Heute sind die Bachheimer Pfingstwandertage nicht nur ein Volksfest, sondern spiegeln auch eine intakte Dorfgemeinschaft. Dies ist in aktuellen Zeiten hilfreich, da die Wandertage, die nach der 45. Auflage schon 2020 und nun auch 2021 abgesagt werden mussten, sich auch als Musikevent etabliert haben. Bands völlig unterschiedlicher Musikrichtungen traten hier in den vergangenen Jahren auf.

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Dank dieser Pfingstwandertage wurde die bis 1973 nicht erschlossene Engeschlucht begehbar gemacht. Bis heute ist der Narrenverein Pate für diese wildromantische Nebenschlucht der bekannten Wutachschlucht, die zur Drei-Schluchten-Tour gehört. Die anspruchsvolle Engeschlucht mit ihren schroffen Felswänden, Wasserfällen und der üppigen Vegetation ist durch ihre Enge gerade bei Regen und nach der längeren Winterzeit sehr gefährlich.

Engeschlucht bleibt im Frühjahr vorerst gesperrt

Erdrutsche, Steinschlag, Entwurzelungen von Bäumen sowie Wegabbrüche sind hier fast normal. Bisher ist die Engeschlucht im Frühjahr noch gesperrt. Erst wenn das Wetter für längere Zeit trocken ist, kann der Narrenverein die anspruchsvolle Wanderroute wieder in Ordnung bringen. Dies ist kein leichtes Unterfangen. Allein das Material in die enge Schlucht zu bringen, erfordert einiges an Logistik und viele Arbeitskräfte.

Fast jedes Jahr müssen einzelne Streckenabschnitte erneuert werden. Erst im vergangenen Jahr wurde ein neuer Steg erstellt, eine gemeinsame Aktion des Narrenvereins mit des Forsts, des Wutachrangers Martin Schwenninger und der Gemeinde Lenzkirch.