Trotz eines bewölkten Himmels sind an diesem Frühlingsvormittag von der Baustelle des neuen Mundelfinger Wohngebiets „Auf Breiten II“ aus letzte Schneereste auf dem Seebuck des Feldbergs zu erkennen. „Bei richtig guter Fernsicht kann man sogar die Alpengipfel sehen. Das ist fast so, als würde man am Bodensee wohnen“, sagt Ortsvorsteher Michael Jerg. Dort, wo sich im Augenblick Bagger durch das Erdreich wühlen, wird Bauland für 25 Häuslebauer erschlossen.

So berichtete der SÜDKURIER im Dezember 2017.
So berichtete der SÜDKURIER im Dezember 2017. | Bild: Wursthorn, Jens

Der Ortschef weiß, dass es für ein 700-Seelen-Dorf wie Mundelfingen von zentraler Bedeutung ist, für junge Familien Bauland bereit zu stellen . Denn das bedeutet Nachschub für den Kindergarten und die Grundschule, zwei Einrichtungen, die für das gesellschaftliche Miteinander in einem kleinen Ort elementar sind. Und verhindern, dass Mundelfingen, so wie eine ganze Reihe anderer Baardörfer, eine reine Schlafgemeinde wird. Zu einem lebendigen Gemeinwesen tragen auch die drei Gastronomiebetriebe bei: der Landgasthof Hirschen, das kürzlich grundlegend und mit viel ehrenamtlichem Einsatz sanierte und aufgestockte SV-Clubheim und das Am-Vieh-Theater.

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Zehn Reservierungen hat der 58-jährige Jerg, der seit seinem sechsten Lebensjahr in Mundelfingen lebt, bislang von Bauinteressenten entgegengenommen. Die durchschnittliche Grundstücksgröße liegt bei 700 Quadratmetern, wobei das in geringem Umfang noch verhandelbar sei, so Jerg. Er und seine Ortschaftsratskollegen rechnen mit einem Quadratmeterpreis von 120 bis 130 Euro – wobei der exakte Betrag erst dann genannt werden kann, wenn die Kosten der Erschließung feststehen. Und dann hat der Hüfinger Gemeinderat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Zum Neubaugebiet wird ein kleiner Bürgerbegegnungsplatz gehören und durch eine kleine Stichstraße werden Kinder zum Spielplatz im Hardgärtle gelangen können.

Bauherren genießen viele Freiheiten

Jerg betont im Gespräch, dass der Bebauungsplan kaum Einschränkungen kennt und potenzielle Bauherren viele Freiheiten haben, um ihre Vorstellungen eines Einfamilienhauses umzusetzen. Die Giebelhöhe ist mit Rücksicht auf die Anwohner der nahen Alpenstraße natürlich begrenzt. Ganz wichtig: die Erschließungsstraße des neuen Baugebiets, die als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden soll, wird über Glasfaser ans schnelle Internet angeschlossen sein. Die Bodenversiegelung hat für das Oberflächenwasser ein kleines Regenrückhaltebecken notwendig gemacht. Jerg betont, dass es sich aber nur bei Starkregen füllen wird, um dann das Wasser kontrolliert in den nahen Aubach einleiten zu können. Möglicherweise wird direkt neben dem Becken noch ein 26. Bauplatz ausgewiesen.

Option auf Anschluss an ein Nahwärmenetz

Bauherren mit ökologischem Bewusstsein haben die Möglichkeit, sich ans Nahwärmenetz einer Biogasanlage anschließen zu lassen. Deren Kapazität reicht theoretisch für das gesamte Neubaugebiet aus. 24 Häuser sind bis jetzt an die Biogasanlage des Hundsrückhofs der Familie Bäurer angeschlossen. „Das funktioniert super“, sagt Jerg, der bislang von keinen Reklamationen gehört hat. Die Biogasanlage wird mit Gülle und nachwachsenden Rohstoffen gespeist. Als das System vor etwa über drei Jahren in Betrieb ging, war davon die Rede, dass sich das Solardorf Mundelfingen jetzt auch auf dem Weg zum dritten Bioenergiedorf im Schwarzwald-Baar-Kreis befände.

Innenentwicklung in Mundelfingen kaum möglich

Weshalb erfolgt die Entwicklung am Dorfrand und nicht im Ortskern, so wie es von der Politik eigentlich gewünscht wird? Und zwar, um die Ressource Boden zu schonen. Jerg hat dieses Thema mit Vertretern des Nabu diskutiert. Sein Ergebnis: Innenentwicklung funktioniere in Mundelfingen nicht, weil die Gemeinde nicht im Besitz von innerörtlichen Flächen sei. „Da haben wir keinen Zugriff drauf“, so Jerg. Außerdem wäre es in seinen Augen auch Schade, diese Freiflächen zuzubauen. Im Augenblick gebe es laut Jerg nur zwei Leerstände im Ort. Die bereiten ihm keine Sorgen, denn es gäbe einen Markt für alte Bauernhäuser.

Die Erschließungsmaßnahmen „liegen voll im Zeitfenster“, sagt Jerg. Die Kanalarbeiten befinden sich im Endstadium und rund 50 Prozent der Hausanschlüsse sind gelegt. Mitte September sollte alles fertig sein.

Im Gewann Auf Breiten sind die Entwicklungsmöglichkeiten erschöpft. Wenn die Gemeinde planen würde, hier das Neubaugebiet um einen dritten Abschnitt zu erweitern, müsste laut Jerg der Flächennutzungsplan fortgeschrieben werden – ein aufwendiges und zeitraubendes Verfahren. Der Ortsvorsteher hat ein anderes Gebiet ins Auge gefasst – damit Mundelfingen auch in fernerer Zukunft Möglichkeiten hat, seine Entwicklung in die eigene Hand nehmen zu können.

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