Die Donauquelle, das Residenzviertel oder gar die Brauerei: In Donaueschingen lässt sich vieles touristisch vermarkten. Doch der Donauzusammenfluss wird selbst mit viel retuschieren nicht zum Postkartenmotiv. Selbst der größte Lokalpatriot muss da zugeben, dass es doch schönere Fleckchen auf der Gemarkung gibt. Es soll auch schon einige Touristen gegeben haben, die sich einfach etwas anderes ausgemalt hatten, bevor sie diesen doch nicht unbedeutenden Ort mit eigenen Augen gesehen hatten. Ähnlich geht es auch Umweltminister Franz Untersteller: „Die Situation ist schon schwer zu ertragen. Es ist kaum vorstellbar, dass Europas zweitgrößter Fluss unter einer vierspurigen Straße entsteht.“

Nun kann offiziell gebaut werden (von links) OB Erik Pauly, Landrat Sven Hinterseh, Umweltminister Franz Untersteller, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei und Bauunternehmer Max Wild.
Nun kann offiziell gebaut werden (von links) OB Erik Pauly, Landrat Sven Hinterseh, Umweltminister Franz Untersteller, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei und Bauunternehmer Max Wild. | Bild: Jakober, Stephanie

Doch das soll sich nun ändern, deswegen ist der Minister ja auch da: der Spatenstich für die Umgestaltung des Donauzusammenflusses. Eigentlich hätte der Auftakt für das Millionen-Projekt groß gefeiert werden sollen, doch Corona nimmt auch hier keine Rücksicht. Doch die Pläne können ungehindert in die Realität umgesetzt werden. Und die gefallen dem Minister. „Ich bin ja von Haus aus Landschaftsplaner und ein bisschen was ist vom Studium hängen geblieben.“ Hier ginge es nicht nur darum, Fischen und anderen Lebewesen eine neue Heimat zu geben, sondern auch den Menschen etwas zum Erleben. Unter dem Stichwort Renaturierung soll vor allem die Breg aus ihrem begradigten und eingezwängten Flussbett geholt werden. „Früher galt es, Flüsse zu begradigen und in den Griff zu bekommen, das ist heute nicht mehr nachvollziehbar, denn ein Fluss braucht vor allem eines: Platz“, sagt Regierungspräsidenten Bärbel Schäfer und fügt hinzu: „Wir geben Brigach und Breg ein Stück ihres Lebens zurück.“

„Hier entsteht eine dynamische Flusslandschaft. Davon profitiert neben der Natur auch der Mensch, da der Mündungsbereich für Besucher erlebbar gemacht wird.“
Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin

Und dass soll vor allem die Breg erhalten, bei der Brigach gilt es auch den Hochwasserschutz zu beachten. Angenehme Begleiterscheinung: Mit der Renaturierung soll auch gleich der Zusammenfluss verlegt werden. 300 Meter näher an die Stadt und damit auch gleichzeitig 300 Meter weiter von der Bundesstraße weg, die in diesem Bereich aktuell gleich zwei neue Spuren bekommt. Für Donaueschingen werden da gleichzeitig ein touristisches Aushängeschild und ein weiteres Naherholungsgebiet geschaffen. „Es ist wichtig, die Donau sauber zu halten und die Flora und Fauna zu bewahren, sodass die nachfolgenden Generationen diese Lebensader weiter nutzen können“, erklärt Schäfer. Es ginge auch darum, das Ökologische mit dem Schönen zu verbinden. „Hier entsteht eine dynamische Flusslandschaft. Davon profitiert neben der Natur auch der Mensch, da der Mündungsbereich für Besucher erlebbar gemacht wird“, so Schäfer. So ist beispielsweise ein Info-Punkt geplant. „Die inhaltliche Konzeption entwickeln wir mit Donaueschingen. Da kann sich viel Kreativität entfalten.“

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Das hat OB Erik Pauly sicher gehört. Denn so schön und reibungslos, wie an diesem Jahr die langen Vorplanungen geschildert werden, war‘s dann doch nicht. Doch dass es die eine oder andere längere Diskussion mit den Stadträten gab, dass Planungen missfielen und lange über eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer und deren Finanzierung diskutiert wurde, das spielt bei so einem idyllischen Spatenstich weniger eine Rolle. Schließlich ist es für den OB „ein freudiger Tag und die Umgestaltung des Donauzusammenflusses eine Jahrhundertchance“ für die Stadt. „Es wird ein Aushängeschild für uns, schließlich tragen wir den Namen des Stroms auch in unserem Namen.“ Drei Bereiche, die sich aktuell durch ihre „Unattraktivität“ nicht gerade hervortun würden, könnten auf einmal gemacht werden: Brigach, Breg und die Brücke. Auch wenn er zugibt, dass am Anfang viele Fragen und Probleme standen und die Frage: „Wie lösen wir das alles?“

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Ähnlich sieht das auch Landrat Sven Hinterseh, der anfangs einen „riesen Respekt vor der Aufgabe“ hatte. Schließlich musste nicht nur das Kreistierheim verlegt, sondern auch der Neubau finanziert werden. „Es waren dicke Bretter, die wir gebohrt haben“, erklärt Hinterseh. Doch er ist sich sicher: „Hier entsteht etwas richtig Großes.“ Schließlich war der Landrat bei seinem allerersten Besuch am Donauzusammenfluss zwar „ergriffen, aber enttäuscht von der Breg.“ So freut er sich, dass diese sich zukünftig wieder ihren eigenen Weg suchen kann – so wie es einst war.

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„Zwar können wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Aber indem wir den Flüssen am Donauursprung wieder mehr Raum geben, kann eine Entwicklung hin zu einem naturnahen Gewässer erfolgen“, erklärt Untersteller. Mit dieser Maßnahme leiste das Land einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien, deren Ziel ein guter ökologischer Zustand der Gewässer sei. Das wird natürlich auch einiges kosten: Vier Millionen Euro sind für eine der größten Renaturierungsmaßnahmen im Land aktuell veranschlagt.