Bernhard Kaiser erinnert sich noch gut: Es war im Herbst 2013, als ein französischer General bei ihm anrief und ihm auf schwäbisch mitteilte, er werde am nächsten Tag mit ein paar Kollegen im Rathaus vorbeischauen. Offiziell könne er noch nichts sagen, aber es war klar: Die französischen Soldaten werden Donaueschingen verlassen.

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„Obwohl wir damit gerechnet hatten, war es ein großer Schock für uns“, blickt der ehemalige und langjährige Bürgermeister zurück. Jetzt im Ruhestand hat er auch Zeit, für den Baarverein über das Gelände zu führen, das lange Zeit von den Franzosen genutzt wurde, dann vom Land als Notunterkunft und nun zum neuen Stadtviertel „Am Buchberg“ umgewandelt werden soll. Und das Thema kommt so gut an, dass der Kaisersche Rundgang im Nu ausgebucht war und es noch einen zweiten Termin geben wird.

Einst erfüllte Kinderlachen die Gänge des Collège Robert Schumann, das auch über eine Bibliothek verfügte und im untersten Kellergeschoss einen Schießstand hatte. Das Gebäude soll abgerissen werden, um Platz für den Neubau der Realschule zu schaffen.
Einst erfüllte Kinderlachen die Gänge des Collège Robert Schumann, das auch über eine Bibliothek verfügte und im untersten Kellergeschoss einen Schießstand hatte. Das Gebäude soll abgerissen werden, um Platz für den Neubau der Realschule zu schaffen. | Bild: Jakober, Stephanie

Was dann kam, ist bekannt. Es wurde ein Plan entwickelt, wie die Stadt das Gelände zu einem neuen Viertel umwandeln kann – mit möglichst viel Einflussmöglichkeiten. Dabei war es nicht der erste Konversionsprozess, den Kaiser in Donaueschingen erlebt hat. Da sei das Lazarett oben auf dem Buchberg, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht und 70 Wohnungen beherbergt. Und auch das Kreiswehrersatzamt, das zum Firmensitz von Nexus geworden ist, sei eine gelungene Umwandlung.

Hier standen einst die Pferde. Neben Stallungen gab es in der französischen Kaserne auch eine Reithalle, die nicht nur den französischen Soldaten zur Verfügung stand. Viele Donaueschinger Kinder haben hier das Reiten gelernt.
Hier standen einst die Pferde. Neben Stallungen gab es in der französischen Kaserne auch eine Reithalle, die nicht nur den französischen Soldaten zur Verfügung stand. Viele Donaueschinger Kinder haben hier das Reiten gelernt. | Bild: Jakober, Stephanie

In vielen Bereichen erobert die Natur langsam das Gelände zurück. Es herrscht morbider Charme: Spuren der französischen Geschichte mischen sich mit neueren, die aus der Zeit stammen, in der die ehemalige Kaserne als Notunterkunft genutzt wurde. In Spitzenzeiten waren es 3000 Flüchtlinge. „Ich habe die Stadt sich noch nie so schnell wandeln gesehen“, blickt Kaiser zurück.

Bernhard Kaiser, ehemaliger und langjähriger Bürgermeister, führt über das Kasernengelände und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen. Schließlich hat er den ganzen Prozess mitgestaltet.
Bernhard Kaiser, ehemaliger und langjähriger Bürgermeister, führt über das Kasernengelände und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen. Schließlich hat er den ganzen Prozess mitgestaltet. | Bild: Jakober, Stephanie

Der Konversionsprozess drohte zu stoppen: „Damals habe ich gesagt, wir lassen nicht nach“, sagt Kaiser. Viele Verhandlungen später stand fest: Das Gelände wird in drei Tranchen zurückgegeben. Während beispielsweise Ellwangen immer noch eine Notunterkunft hat, ist die Stadt Donaueschingen seit Beginn des Monats im kompletten Besitz des Geländes. Es wird noch Jahre dauern, bis der Konversionsprozess abgeschlossen ist, aber die Vision steht: 230 Wohneinheiten sollen in dem neuen Stadtteil „Am Buchberg“ entstehen. Längst hat sich aus dem großen Schock von 2013 eine Chance entwickelt. „Für die Stadt ist es ein tolles Projekt“, sagt Bernhard Kaiser.

Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden. Ein Großteil im südlichen Teil soll daher abgerissen werden.
Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden. Ein Großteil im südlichen Teil soll daher abgerissen werden. | Bild: Jakober, Stephanie