Gottesdienste ohne Gläubige, Angst vor Krankheit und Tod ohne einen Seelsorger, der von Angesicht zu Angesicht Trost spendet: Es sind auch für die Gläubigen auf der Baar schwierige Zeiten. Denn wer Nähe und Gemeinschaft sucht, muss Abstandsregeln einhalten und findet sich alleine in der Kirche ein.

Eine veränderte Situation finden auch der katholische Pfarrer Erich Loks und die evangelische Pfarrerin Dagmar Kreider vor. Sie stehen der Seelsorgeeinheit Donaueschingen beziehungsweise der Kirchengemeinde Donaueschingen vor.

„Ich erlebe, wie Menschen um ihre Mitmenschen besorgt sind in unterschiedlicher Weise.“
„Ich erlebe, wie Menschen um ihre Mitmenschen besorgt sind in unterschiedlicher Weise.“ | Bild: Niederberger, Holger

Er vermisse die Menschen, mit denen er gerne Gottesdienst gefeiert hätte, räumt Loks ein. Und er wisse um Menschen, die jetzt gerne einen Gottesdienst besuchen würden. „Das schmerzt.“

Die Selbstverpflichtung, mehr an die frische Luft zu gehen, funktioniere noch nicht so gut. Gegenwärtig stehe dem noch der Organisationsbedarf des Seelsorgeteams entgegen. Manches müsse neu organisiert werden. Auch das Einstellen auf die neue Situation brauche Zeit. Das gelte auch für die Mitarbeiter im Pfarrbüro.

Das Weihwasserbecken in der Stadtkirche St. Johann ist leer: eine Maßnahme, um die Ausbreitung von Corona einzudämmen.
Das Weihwasserbecken in der Stadtkirche St. Johann ist leer: eine Maßnahme, um die Ausbreitung von Corona einzudämmen. | Bild: Wursthorn, Jens

Der Pfarrer ist vor Ort. Am Telefon führt er Gespräche mit Menschen, die Angst oder ein Anliegen haben. Es gibt auch Termine für persönliche Gespräche, bei denen die unabdingbaren Vorsichtsmaßnahmen wie ein Verzicht auf Händeschütteln und der nötige Abstand eingehalten wird.

Die Oberministranten der Seelsorgeeinheit Donaueschingen zeigen sich solidarisch (im Uhrzeigersinn von links oben zur Mitte hin): Yesenia Schleicher, Selena Muntean, Ann-Kathrin Mattes (Religionslehrerin), Valentina Schleicher, Julian Willmann, Tobias Hofmann (Pastroalreferent) , Celine Esterle, Jessica Dieterle, Maximilian und Konstantin Konn, Anna-Maria Schuster
Die Oberministranten der Seelsorgeeinheit Donaueschingen zeigen sich solidarisch (im Uhrzeigersinn von links oben zur Mitte hin): Yesenia Schleicher, Selena Muntean, Ann-Kathrin Mattes (Religionslehrerin), Valentina Schleicher, Julian Willmann, Tobias Hofmann (Pastroalreferent) , Celine Esterle, Jessica Dieterle, Maximilian und Konstantin Konn, Anna-Maria Schuster | Bild: Ann-Kathrin Mattes

Eine Premiere erlebte am vergangenen Sonntag ein Online-Angebot als Verbindung zu den Menschen. Gefeiert wird künftig jeden Sonntag eine Eucharistiefeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Mit dabei sind lediglich Pfarrkooperator Markus Ramminger und der neue Pensionär Georg Vetter.

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Kern dieses Gottesdienstes sind ein Predigtgespräch, Gebete und die Fürbitten, in denen die vielfältigen Nöte und Sitationen zur Sprache kommen. „Wir beten für alle, die von den Auswirkungen der Krise und von Beschränkungen betroffen sind.“

Kirchen bleiben offen

Die gegenwärtige Situation sieht Loks auch mit positiven Impulsen. „Ich erlebe, wie Menschen um ihre Mitmenschen besorgt sind in unterschiedlicher Weise. Das ist durchaus auch aufbauend.“ Offen bleiben die katholischen Kirchen. „Wir haben keine Verhaltensmaßregeln“, erklärt Loks. Es sei zu beobachten, dass sich die Menschen in der Stadt und in den Dörfern an die vom Staat und der Kommune vorgegebenen Regeln halten. „Ich denke, das tun sie auch, wenn sie eine Kirche besuchen“, fügt der Geistliche an.

Empfehlungen zum Umgang mit der Coronakrise finden sich im Schaukasten vor der Christuskirche.
Empfehlungen zum Umgang mit der Coronakrise finden sich im Schaukasten vor der Christuskirche. | Bild: Roland Sigwart

Einen anderen Weg gehen die Protestanten. Zwar hätte es der Kirchengemeinderat für richtig erachtet, die Christuskirche zum Ort zu machen, wo Menschen zur Ruhe kommen, Kraft und Mut finden, und innehalte können. Allerdings liefe der Hinweis „Offene Kirche“ den Corona-Schutzbestimmungen entgegen. „Deshalb bieten wir bis auf Weiteres keine offene Kirche an“, sagt Pfarrerin Kreider.

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Über mediengestützte Beratungen und Homeoffice hinaus besteht für sie die große Kernaufgabe großen Abstand zu halten und dennoch den Austauch zu pflegen, der den Mitarbeitern eine Hilfe gibt.

„Alle können nach dem Läuten der Glocke in ihrem Zuhause das Vaterunser beten.“Pfarrerin Dagmar Kreider
„Alle können nach dem Läuten der Glocke in ihrem Zuhause das Vaterunser beten.“Pfarrerin Dagmar Kreider | Bild: Niederberger, Holger

„Und darüber hinaus will ich das Geistliche pflegen“, so Kreider. Es gehe um die Möglichkeiten Gebet in Gemeinschaft im eigenen Zuhause zu erleben. Eine besondere Form der Verbundenheit wird in Zukunft sonntags in der Christuskirche eingeübt. Um 11 Uhr läutet die Glocke, die in den sonntäglichen Gottesdiensten verbunden mit dem Vaterunser-Gebet erklingt. „Alle können dann in ihrem Zuhause das Vaterunser beten.“ Weitere Ideen könnten sich noch entwickeln.

Für sie als Seelsorgerin gebe es durch viele Telefongepräche, aber auch Mailkontakte reichlich Gelegenheit für persönliche Kontakte: auch wenn man sich gegenwärtig nicht begegnen könne.

Arbeit gelingt auch mit Abstand

Für sie ist dieser Tage die Erfahrung bemerkenswert, dass es im Pfarramt gelingt, die Arbeiten auch mit großem Abstand zu erledigen. Vielleicht, so die Überlegung, brächten die corona-bedingten Entwicklungen auch neue Ideen: etwa für die Vorbereitung der Ostertage, die aber nicht vor Anfang April anstehen.