Stefan Rohrer selbst ist in Donaueschingen vielleicht nicht jedem bekannt. Doch jeder kennt mindestens zwei seiner Werke: der blaue Flower-Power-Käfer, der vor den Donauhallen steht und die rote Wirbel-Vespa, die vor zehn Jahren zur Eröffnung des Museums Art-Plus präsentiert wurde und die seither zu einem Art Markenzeichen des Museums geworden ist, denn schließlich erblickt sie jeder Sparziergänger auf seinem Weg entlang der Brigach in den Schlosspark, wenn er einen kurzen Blick durch die offene Museumstüre wirft.

Stefan Rohrer hat seinen ganz eigenen Stil: Hier das Werk Carrera II von 2006.
Stefan Rohrer hat seinen ganz eigenen Stil: Hier das Werk Carrera II von 2006. | Bild: Jakober, Stephanie

Schon seit der Kindheit ist der Stuttgarter Künstler der Faszination Auto erlegen. Allerdings wandelte er zehn Jahren auf Abwegen – als Steinmetz. Und so war die vergoldete Karosse eines Porsches 911 auch ein bisschen eine Rückbesinnung auf seine beruflichen Wurzeln. Denn als Steinmetz musste er auch gelegentlich Blattgold zur Restauration verwenden. Eigentlich war die Porsche-Aktion auch eher als Vergnügen mit einem alten Kumpel gedacht, nette Stunden, lange Gespräche und nebenher das Blattgold auf der Karosse verteilen. Doch die Arbeit mit den hachdünnen Folien ist nicht einfach. So haben die beiden hoch konzentriert gearbeitet, mucksmäuschenstill soll es gewesen sein und manchmal dachten sie, dass sie nie fertig werden würden.

Sie scheint wie geschaffen für den Spiegelsaal: die vergoldete Karosse eines Prosches 911er von Stefan Rohrer. Monatelang saß der Künstler an dem Werk, das den Titel Helios trägt.  Bilder:  Stephanie Jakober
Sie scheint wie geschaffen für den Spiegelsaal: die vergoldete Karosse eines Prosches 911er von Stefan Rohrer. Monatelang saß der Künstler an dem Werk, das den Titel Helios trägt. Bilder: Stephanie Jakober | Bild: Jakober, Stephanie

Der goldene 911 scheint nicht nur wie geschaffen für den Spiegelsaal des Museums, er ist auch das Aushängeschild der neuen Jahresausstellung, die am kommenden Sonntag eröffnet wird. Unter dem Titel "Vollgas – Full Speed" widmet sich das Museum dem Automobil in der Kunst. Es ist keine Ausstellung, die den Überblick über das Auto in der zeitgenössischen Kunst bietet. Es ist ein persönlicher Blick auf das Objekt, zusammengestellt aus der eigenen Sammlung und Leihgaben von Freunden des Museums.

Ein Brunnen aus alten Reifen und Altöl, das Werk von Rober Pruitt. Das Öl sorgt für den richtigen Automobile-Geruch im Museum. Im Hintergrund ein Prosche 356 – 1500 Super.
Ein Brunnen aus alten Reifen und Altöl, das Werk von Rober Pruitt. Das Öl sorgt für den richtigen Automobile-Geruch im Museum. Im Hintergrund ein Prosche 356 – 1500 Super. | Bild: Jakober, Stephanie

Kann man in den heutigen Zeiten sich überhaupt noch unkritisch mit dem Thema Automobile auseinandersetzen? Zwar will sich Sebastian Steinhäuser, der dieses Mal die Federführung für die Ausstellung hatte, sich nicht dem "allgemeinen Auto-Bashing" anschließen, aber unkritisch sei die Ausstellung bei Weitem nicht. Zwar gebe es fröhliche und farbenfrohe Kunstwerke, doch auch dort schwinge der Unfall mit. Bilder von verlassenen Tankstellen zeigen die Vergänglichkeit und die berühmte Fotografie "J.R.5.9.70" von Robert Häuser, die den verhüllten Rennwagen des kurz darauf tödlichen verunglückten Rennfahrers Jochen Rindt zeigt, stimmt nachdenklich. Alte Motorhauben, die von Friedemann Flöther zu einer überdimensionalen Zielfahne verarbeitet wurden, oder die Karossen von mehreren BMW Z4, die von Sebastian Kuhn zu einem ganz neuen Gefährt umfunktioniert wurden, das den Namen Z4UTURNAROUNDROTATION trägt.

Video: Art-Plus

1000 PS sind zwischen den schwarzen Werken von Pierre Soulages zu finden: ein Schnitzer – BMW M1 Turbo, der nur einmal gebaut wurde und mit dem Hans-Joachim Stuck 1981 bei den Deutschen Rennsport Meisterschaften angetreten ist. Und auch der Alfa Romeo Guilia Sprint-Special wird so einige Herzen schneller schlagen lassen. Übrigens werden die Autos auch im Laufe der Ausstellung wechseln, sodass es immer mal etwas neues zu entdecken gibt.

Ein Unikat mit 1000 PS: der Schnitzer – BMW M1 Turbo, mit dem Hans-Joachim Stuck 1981 bei den Deutschen Rennsport Meisterschaften angetreten ist.
Ein Unikat mit 1000 PS: der Schnitzer – BMW M1 Turbo, mit dem Hans-Joachim Stuck 1981 bei den Deutschen Rennsport Meisterschaften angetreten ist. | Bild: Jakober, Stephanie