Der neue Schulverbund in Blumberg ist Gesprächsthema. Nach dem Willen von Stadt und Gemeinderat sollen die Realschule und die Werkrealschule einen Verbund bilden, auch, um die Werkrealschule in Blumberg dauerhaft zu sichern. Die Schulleiter und der Elternbeirat haben Vorbehalte, die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Petra Wölfle fürchtet um das Niveau der Realschule.

Die FDP-Fraktion im Blumberger Gemeinderat kann die Vorbehalte nicht verstehen. In ihrem Jahrespressegespräch 2020 wies der Vorsitzende Werner Waimer auf das Beispiel Löffingen: Dort gebe es einen gut funktionierenden Verbund von Realschule und Werkrealschule. Der SÜDKURIER hörte sich um.

Stadtrat und Lehrer Rudolf Gwinner erinnert an die Anfänge

In Löffingen gibt es seit dem Schuljahr 2013/14 einen Schulverbund. „Der Schulverbund wurde von allen Fraktionen im Gemeinderat mitgetragen“, berichtet der langjährige Stadtrat Rudolf Gwinner, früher Realschullehrer in Blumberg und Donaueschingen. „Wir hatten damals die Überlegung, bevor uns von Stuttgart etwas diktiert wird, schaffen wir selbst Tatsachen“, so Gwinner. Mit dem Verbund wollten sie verhindern, dass in Löffingen angesichts der zurückgehenden Schülerzahlen eine Gemeinschaftsschule errichtet werde, wofür sich die damalige grünrote Landesregierung stark machte.

Ein Ensemble bilden die beiden Gebäude, links die Realschule, die gerade saniert wird, rechts Werkrealschule, als gemeinsamer Schulverbund. Bild: Gerold Bächle
Ein Ensemble bilden die beiden Gebäude, links die Realschule, die gerade saniert wird, rechts Werkrealschule, als gemeinsamer Schulverbund. Bild: Gerold Bächle
  • Rudolf Gwinner: „Wir waren der Auffassung, dass die Verbundschule die richtige Lösung ist, zumal das Realschulgebäude und das Werkrealschul-Gebäude nebeneinander liegen.“ Es gebe eine gemeinsame Sporthalle, die Technikräume werden auch gemeinsam genutzt. Am Anfang sei man im Realschul-Kollegium gegenüber diesen Plänen eher reserviert gewesen, erinnert sich Gwinner. „Die Argumente von uns waren, dass wir Ressourcen-Effizienz haben, dass die Vertretung im Krankheitsfall leichter zu bewerkstelligen sei.“ Und sie seien der Auffassung gewesen, wenn ein Werkrealschüler gut sei, dass er in die Realschule wechseln kann und wenn ein Realschüler nicht so gut, kann er in die Werkrealschule wechseln.
Der frühere Realschullehrer und Stadtrat Rudolf Gwinner engagiert sich in Löffingen auch als Heimatforscher. Archivbild: Silvia Bächle
Der frühere Realschullehrer und Stadtrat Rudolf Gwinner engagiert sich in Löffingen auch als Heimatforscher. Archivbild: Silvia Bächle
  • Löffingens Bürgermeister Tobias Link weiß den Schulverbund zu schätzen: „Der Verbund hat unseren Schulstandort abgesichert. Wir haben dadurch den Werkrealschultyp für uns abgesichert.“ Sonst, so betont Link im Hinblick auf die Entwicklung der Schülerzahlen, hätte Löffingen über kurz oder lang wohl nur noch eine Realschule gehabt. Durch den Schulverbund seien sie flexibler. Die Stadt investiere jetzt auch wieder viel in das Realschulgebäude.
Löffingens Bürgermeister Tobias Link Archivbild: Gerold Bächle
Löffingens Bürgermeister Tobias Link Archivbild: Gerold Bächle
  • Links Vorgänger Norbert Brugger weiß noch, dass es bei den Eltern Vorbehalte gegen eine Gemeinschaftsschule gab. Er habe mehrfach den Satz gehört „Herr Bürgermeister, wir wollen unsere Kinder nachmittags zuhause haben und nicht in der Schule.“ Da habe es dann auch ein Treffen aller Elternbeiräte mit der Stadt gegeben. Brugger ist rückblickend zufrieden: „Damit haben wir erreicht, dass die Werkrealschule bis heute Bestand hat.“

Der erste Rektor

  • Rektor der Realschule und dann des Schulverbunds, war Peter Kunz. Es gab keine Schulleitung der Werkrealschule mehr, weil der Schulleiter der Grund- und Werkrealschule Leiter der Grundschule wurde, und die Konrektorstelle vakant war. In Löffingen gab es bis dahin den Zusammenschluss von Grund- und Werkrealschule. Als dann ein Schulverbund von Werkreal- und Realschule geplant war, wurde die Grundschule Löffingen samt ihrer Außenstelle Göschweiler selbstständig.
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  • Peter Kunz sah „durch den Verbund nur Vorteile, weil wir dadurch einen nahtlosen Übergang von zwei Schularten hatten.“ Auf dem Land spiele es oft noch eine große Rolle, ob ein Kind in die Werkrealschule gehe oder in die Realschule. So hätten sie die psychologische Hemmschwelle deutlich verringert, weil alle Schüler in die gleiche Schule gingen. „Ich habe strikt darauf geachtet, dass die meisten Lehrer an der Real- und an der Werkrealschule unterrichtet haben.“ Durch die enge Zusammenarbeit des Kollegiums konnte man sich viel leichter über einen Schüler austauschen. „Ein Schulverbund funktioniert nur, wenn man bereit ist, die beiden Schularten organisatorisch sehr eng zusammenzuführen.“