Der Aufschrei in den Medien war groß, als jetzt gemeldet wurde, dass die Drittklässlerin einer Blumberger Grundschule von einer Lehrerin eine Strafarbeit erhalten habe, weil sie in einer Schulpause mit einer Freundin Türkisch gesprochen habe. Der kolportierte Titel der Strafarbeit „Warum wir in der Schule Deutsch sprechen“ sorgte für zusätzliche Empörung.

Rechtsanwalt in Aktion

Ein Rechtsanwalt sowie der Vorsitzende der Föderation der Vereine Türkischer Elternbeiräte in Baden wurden zitiert, das Verhalten der Lehrerin sei gar grundgesetzwidrig, hieß es. Doch was weit über den Schwarzwald-Baar-Kreis hinaus Wellen schlug, ist mit großer Vorsicht zu genießen. Im Raum stehen bisher nur die Vorwürfe, bewiesen oder entkräftet ist noch überhaupt nichts.

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Und da gilt es erst sorgfältig und in Ruhe abzuwägen, bevor man sich ein Urteil erlauben kann. Sicher ist, dass immer wieder Vorfälle passieren können, dass Menschen auch Fehler machen und machen können. Denn aus Fehlern kann man lernen. Sollte hier tatsächlich eine Lehrerin einen Fehler begangen haben, ist dies noch lange kein Grund, sie zu verdammen, und es ist auch kein Grund, die ganze Schule und damit letztlich auch die Blumberger Schullandschaft insgesamt anzugreifen und daraus fast sogar eine kleine Staatsaffäre zu machen.

Mit Vorurteilen Stimmung erzeugen

Genau diesen Eindruck erwecken viele Berichte. Und wer zwischen den Zeilen liest, spürt, dass es hier weniger um das Aufklären eines Vorfalls geht als vielmehr darum, mit Schlagzeilen und latenten Vorurteilen Stimmung zu erzeugen. Ein Beispiel: Den Berichten zufolge soll der Anwalt der Familie gefordert haben, dass die Strafarbeit zurückgenommen werde.

Besteht die Strafarbeit überhaupt noch?

Doch hier stellt sich die Frage, ob die Strafarbeit überhaupt noch Bestand hat oder ob sie vielleicht doch schon zurückgenommen wurde, eben, weil die Lehrerin oder die Schulleitung vielleicht eingesehen haben, dass die Reaktion mit der Strafarbeit falsch war, weil man niemandem verbieten kann, in einer Schulpause in einer nicht-deutschen Sprache zu sprechen.

Stadt hat Schulsozialarbeit ausgebaut

Blumberg hat mit einem Migrationsanteil von etwas mehr als zehn Prozent seit Jahrzehnten Menschen zahlreicher Länder in der Stadt, was sich auch in den Schulen niederschlägt. Gerade auch deshalb haben die Stadt und der Gemeinderat die seit Jahren bestehende Schulsozialarbeit in den letzten Jahren auf nun drei Stellen ausgebaut und mit der Ganztagsbetreuung integriert.

Sorgfältig informieren wichtig

Bevor man ein Urteil fällen kann, ist es nötig, sich breit und vielfältig zu informieren. Das hat auch der 17-jährige Riedöschinger Gymnasiast Elias Fogarizzu vom Fürstenberg-Gymnasium in seiner preisgekrönten Arbeit beim Schülerwettbewerb des Landtags gezeigt, wo er feststellte, dass sich soziale Netzwerke und damit das Internet negativ auf den Meinungsbildungsprozess in der heutigen Demokratie auswirken.

http://bernhard.lutz@suedkurier.de

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