Zu den festen Traditionen der Blumberger Fasnacht gehört der närrische Frühschoppen der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen am Fasnachtsdienstag. Ab 10.11 Uhr tagt dann im Gemeinschaftshaus Zollhaus das Hochlöbliche Pfetzergericht, und, das ist bisher amtlich, das närrische Gericht lässt keinen Angeklagten ohne ein Strafmaß wieder von dannen ziehen. Da die Fastnacht dieses Jahr weitgehend Corona zum Opfer fällt, muss auch das Pfetzergericht schweren Herzens verkraften, dass es keinen Angeklagten und damit auch keinen Verurteilten geben wird.

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Um den Fans wenigstens etwas zu bieten, halten die Pfetzer in loser Reihenfolge auf Facebook eine närrische Rückschau in Bildern. Wer möchte, kann dann den gesamten Text der Verhandlung auf der Homepage der Zunft nachlesen: www.pfetzerzunft-zollhaus-randen.de.

Die Mitglieder des Hochlöblichen Pfetzergerichts sind voll bei der Sache. Unsere Bild zeigt von links Fürsprech Silvio Waimer, die Vorsitzende Richterin Alexandra Waimer und Werner Waimer. Bild: Pfetzerzunft
Die Mitglieder des Hochlöblichen Pfetzergerichts sind voll bei der Sache. Unsere Bild zeigt von links Fürsprech Silvio Waimer, die Vorsitzende Richterin Alexandra Waimer und Werner Waimer. Bild: Pfetzerzunft | Bild: Pfetzerzunft

Für Landvogt Raily Mink von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee ist es stets sein letzter Diensttermin in diesem Amt. Und darauf freut er sich besonders. Der närrische Frühschoppen, der Pfetzerzunft am Fasnachtsdienstag, den stets der Pfetzer-Fanfarenzug mit klanghaften Weisen eröffnet, hat sein eigenes Flair. In ihrem Narrennest verhandelt Blumbergs älteste Fastnachtszunft markante Zeitgenossen. In dem überschaubaren Raum herrscht eine familiäre Atmosphäre, wo sich jeder zuhause fühlen kann.

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29 Männer und tatsächlich nur eine Frau durften bisher auf der „höchst komfortablen Anklagebank“ des Hochlöblichen Pfetzergerichts Platz nehmen. Von Siegfried Alt bis Hermann Zorbach reicht die Liste der Angeklagten im Alphabet. Den Anfang „durfte“ Roland Pfeiffer, damals Leiter des städtischen Ordnungsamtes, machen, der 2009 vor das Hochlöbliche Pfetzergericht geladen wurde.

Originale und Amtspersonen

Vor dem Gericht erscheinen Originale aus dem Ort wie Ekkehard Martin und Kurt Selb, Gastronome wie Gustav Wiggert, Narren anderer Zünfte wie
Siegfried Alt, Friedhelm Friker oder Dieter Selig, Stadträte und Amtsleiter bis hin zum Bürgermeister. Allen ohne Ausnahme wirft Ankläger Werner Waimer zunächst einmal einen groben Verstoß gegen den närrischen Alefanz vor, den er dann mit närrisch angehauchten Winkelzügen versucht zu begründen. Schwaben fühlt das Gericht besonders gerne auf den Zahn. Jedem Angeklagten stellt das Gericht einen Fürsprech zur Seite, der sich humorvoll und geistreich bemüht, seinen Mandanten aus dem Anklage-Schlamassel zu ziehen, und dem Ankläger Paroli bietet.

Die Idee

Die Idee mit dem Frühschoppen hatte der langjährige frühere Pfetzer-Zunftmeister Werner Waimer. Mit einem Frühschoppen, so seine Überlegung, könnte man den Vormittag des Fastnachts-Dienstag beleben und so zugleich auch ein paar Einnahmen für das Pfetzer-Säckel generieren.

Beliebter Treffpunkt

Das Pfetzergericht entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem beliebten Treffpunkt. Voriges Jahr durfte der in Riedböhringen wohnhafte Stadtrat Bodo Schreiber, Vorsitzender von Blumberg Gewerbevereint, auf der höchst Anklagebank des Pfetzergerichts Platz nehmen. Doch in diesem Jahr sind die ehrenwerte Richterin Alexandra, Ankläger Werner und Fürsprech Silvio wohl arbeitslos. Doch wenn die Narren nicht zum Närrischen Frühschoppen kommen können, kommen die Pfetzer halt zu den Narren: online.