Hondingen – Im Wohnzimmer der Familie Gilly in Hondingen leuchtet der Adventskranz. Alle vier Kerzen brennen, noch ein Tag bis Heiligabend. Am Tisch sitzen Peter und Dagmar Gilly, ihr Sohn Oliver Gilly, Manfred Bäurer und Buba Jaiteh. Der 21-jährige Asylbewerber, der aus Gambia stammt und im Nachbarhaus wohnt, gehört längst zur Familie Gilly und zur Belegschaft der Firma Wieländer + Schill in Tuningen, wo Manfred Bäurer einer von zwei Geschäftsführern ist.

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Eigentlich hätte Buba Jaiteh schon abgeschoben werden sollen, doch nicht zuletzt aufgrund vieler Bemühungen des SV Hondingen, wo er sich engagiert, der Dorfbevölkerung, seines Arbeitgebers Wieländer + Schill und weiterer Menschen wie dem Bundestagsabgeordneten Marcel Klinge wurde seine Duldung zwei Mal verlängert, aktuell bis 10. Januar. In der Familie Gilly hoffen alle, dass sie auch nächstes Jahr Weihnachten zusammen mit Buba Jaiteh feiern können, der Peter und Dagmar Gilly Opa und Oma nennt.

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  • Peter Gilly: Der 72-Jährige wuchs in Hondingen mit drei Geschwistern auf, ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel und wohnt im Elternhaus. Sein Vater Karl Gilly, später Bürgermeister von Hondingen, hatte im Krieg in Ostpreußen geheiratet, Peter Gillys Mutter Charlotte kam aus Berlin. Als Kind spielte Peter Gilly Fußball, seine Mutter war sehr religiös, auch Sohn Peter interessierte sich sehr für Religion und las die Bibel gründlich. Nach dem Willen des evangelischen Blumberger Pfarrers Willi Lohr hätte Peter Gilly Pfarrer werden sollen, aber er wollte nicht.

Religion und Glaube sind wichtig

  • Doch Religion und Glaube sind ihm heute noch wichtig. Dazu gehört für ihn Nächstenliebe. Als er im Frühjahr 2018 sah, wie drei Asylbewerber aus Gambia zum SV Hondingen ins Training kamen, kümmerte er sich um sie. Zwei waren relativ schnell wieder weg, als Buba Jaiteh auch weg kam, engagierte er sich mit, dass Buba nach Hondingen kam. Dass er Muslim ist, stört Peter Gilly nicht: „Wir glauben an den gleichen Gott.“
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  • Oliver Gilly (46), Sohn von Peter Gilly, wuchs mit einer Schwester auf. Er hat Führungsverantwortung in der Geisinger Firma BE-Aluschmiede und ist im Vorstand des SV Hondingen. Viele der heute Aktiven hat er ihr ganzes Leben lang begleitet. Seine Wertmaßstäbe hat er aus dem Elternhaus: „Wenn ich will, dass ich Respekt erhalte, muss ich auch die anderen respektieren.“ Im Verein hat er die Aufgabe, den Spielern den Rücken freizuhalten. Weihnachten ist für ihn das Fest der Familie, und Buba gehört zur Familie.
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  • Manfred Bäurer (51) wuchs mit zwei älteren Schwestern in Hondingen auf. Er ist verheiratet, hat drei Kinder, und er ist einer von zwei Geschäftsführern der Firma Wieländer + Schill, die Karosserie-Spezialwerkzeuge herstellt. Von den Eltern lernte er, wie wichtig das Vereinsleben ist, die Geselligkeit, das Miteinander. Als Vorsitzender des SV Hondingen erlebte er, wie die drei Asylbewerber aus Gambia ins Training kamen. Alle freundlich und hilfsbereit, „Buba war der, der aus dem Team herausgestrahlt hat.“ Er habe gleich angepackt, wenn es darum ging, irgendwo zu helfen. Als er, Bäurer, erfahren habe, dass Buba Deutschland verlassen müsse, habe er sofort gedacht, wenn er ihm helfen könne, werde er das tun.
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  • In der Firma habe er mit seinem Geschäftspartner gesprochen, sie seien sich einig gewesen, dass Buba Jaiteh in ihr Team passen würde und hätten ihm, wie gefordert, einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten. „Heute ist Buba ein wichtiger Bestandteil unserer Firma.“ Als sie im Herbst erfahren hätten, dass Buba abgeschoben werden soll, sei in der Belegschaft spontan die Aktion „Er gehört zu uns“ entstanden, die auch bei den Sportvereinen Wellen schlug. Manfred Bäurer hat ein großes Anliegen, ihm ist es wichtig, dies kund zu tun: „Wenn die Politik uns auffordert, wir sollen bei den Immigranten helfen und wir tun das, dürfen sie die integrierten Menschen nicht wieder aus ihrem Leben und aus der Gesellschaft reißen.“ Sonst, so fügt der Geschäftsführer hinzu, werden sich auf Dauer keine freiwilligen Helfer und keine Betriebe mehr finden, die ihnen Arbeit anbieten. Manfred Bäurer fühlt sich von der Politik missbraucht. Als Mensch, als Geschäftsführer und als Bürger. „Wenn man uns gesagt hätte, Buba Jaiteh werde morgen wieder abgeschoben, hätten wir ihm keinen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten.“
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  • Dagmar Gilly (68) wuchs in Blumberg mit einer Schwester auf. „Bei uns stand die Familie immer an erster Stelle“, sagt sie. So hat sie es auch in ihrer Ehe mit Peter Gilly und ihren beiden Kindern gehalten. Als ihr Sohn Oliver dann im Frühjahr mit Buba Jaiteh gekommen sei, habe sie, wie viele andere Menschen in Hondingen auch, ihm mit Sachen für das Einrichten der kahlen Gemeindewohnung geholfen. So entstand schnell Kontakt, längst gehört Buba zur Familie. „Weihnachten ist für mich Familie, und da gehört der Buba dazu“, erklärt Dagmar Gilly. An dem freundlichen Asylbewerber fällt ihr auf: „Er will immer etwas zurückgeben.“ Er sei auch bei anderen im Dorf stets hilfsbereit.
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  • Buba Jaitehs Schicksal rührt viele Menschen. Als der Fernsehsender Sat1 kürzlich einen Bericht über ihn ausstrahlte, wurde dies wegen der vielen Zuschauer-Reaktionen das Thema der Woche. Vorige Woche hat der Sender auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt erneut über Buba gedreht. Der Film soll demnächst ausgestrahlt werden. Und vor Weihnachten war Buba Jaiteh auch Thema im Deutschen Bundestag.

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