Am 28. Februar 1982 wurde in Deutschland Fernsehgeschichte geschrieben. Allerdings keine erfolgreiche. An diesem Tag wurde die erste 3-D-Sendung ausgestrahlt, die Brillen aus Pappe mit rot-grünen Sichtfolien zu einem riesigen Verkaufsschlager machten. Denn die brauchte es, um dreidimensionales TV erleben zu können. Die Nachfrage nach den Pappbrillen war dermaßen groß, dass sich sogar Schlangen vor Optikerläden bildeten. Doch der Hype war nur von kurzer Dauer, die Sendung mit den damaligen TV-Stars Ingrid Steeger und Ruhrpott-Kabarettist Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier floppte. "3D – oh weh!" urteilen die Zeitungen anderntags über den "groß angelegten Mummenschanz".

Martin Zimmermann, Chef von imsimity, zeigt die Sauschwänzlebahn Cardboard.
Martin Zimmermann, Chef von imsimity, zeigt die Sauschwänzlebahn Cardboard. | Bild: Holger Niederberger

Heute dagegen funktionieren 3-D-Effekte viel besser. Zum Beispiel mithilfe sogenannter Cardboards. Eine Cardboard ist nichts anderes als eine Halterung aus Karton, die aus dem Smartphones eine Virtual-Reality-Brille macht. Nur für viel weniger Geld. Bei der Museumsbahn ist man auf den neuen Technikzug aufgesprungen und hat zusammen mit dem St. Georgener Unternehmen imsimity eine Sauschwänzlebahn Cardboard entwickelt. Dafür wurde die Museumsbahn während der Fahrt von außen mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen, dabei kam auch eine Drohne zum Einsatz. Gefilmt wurde aber auch in den Waggons. Herausgekommen ist ein vierminütiger Fahrspaß, bei dem man tatsächlich meint, in der historischen Museumsbahn zu sitzen und die Landschaft an sich vorüberziehen zu sehen. Martin Zimmermann, Chef von imsimity, verspricht einen "ganz neuen Zugang" zu einer Fahrt mit der Sauschwänzlebahn.

Der Visionär kann sich einige weitere Möglichkeiten vorstellen, die Wutachtalbahn vor allem für jüngere Besucher attraktiver zu machen. Entlang des Eisenbahnlehrpfads könnten zum Beispiel an einem Viadukt Zusatzinformationen hinterlegt werden, die mit dem Handy über einen QR-Code oder über Objekterkennung abrufbar sind. Erklärungstafeln 4.0 sozusagen.

Die Cardboard gibt's am Fahrkartenschalter in Blumberg-Zollhaus oder Weizen. Außerdem besteht die Möglichkeit, sie im Online-Shop der Sauschwänzlebahn für 4,50 Euro zu bestellen: http://www.sauschwaenzlebahn.de

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Wenn die Sauschwänzlebahn virtuell wird

  • Imsimity: Die Firma mit Sitz im Technologiezentrum St. Georgen ist ein Pionier des Technologietransfers in Deutschland. Ziel von Geschäftsführer Martin Zimmermann ist es, Einsatzmöglichkeiten der Technologie Virtuelle Realität (VR) in relevante Lebensbereiche einzubringen. Als Virtuelle Realität wird die Darstellung und Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer computergenerierten Umgebung bezeichnet. Weitere Geschäftsfelder sind VR-Produktpräsentationen für Messen oder Showrooms und digitale Lern- und Trainingsumgebungen für Schule, Hochschule und Weiterbildung.
  • VR-Brille: Das ist im Endeffekt ein Monitor, der in eine Art Brille montiert ist und die der Nutzer vor den Augen trägt. Mit den verschiedenen Applikationen ermöglicht es die Brille, in unterschiedliche Welten abzutauchen.
  • Saisonstart: Die Sauschwänzlebahn startet am Samstag, 27. April, in die neue Saison. Auch in diesem Jahr wird es wieder viele Sonderfahrten geben, darunter die Schwarzwaldhof-Ingenieurfahrt, eine Proseccofahrt oder die Bad Dürrheimer Naturerlebnisfahrt und die Hänsel- und Gretelfahrt. Unter dem Motto „Mit Volldampf ins Glück“ ist es seit einigen Jahren möglich einen unvergesslichen Hochzeitstag bei der Sauschwänzlebahn zu verbringen. Das Reiterstellwerk am Bahnhof in Zollhaus ist dabei die Hochzeitslocation. (hon)

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